Plasberg-Talk zu Griechenland bringt Thema nicht weiter

"Fliegt Griechenland jetzt aus dem Euro?" war das Thema im jüngsten TV-Talk "Hart aber fair" von Frank Plasberg. Inhaltlich brachte die Sendung nichts neues.
"Fliegt Griechenland jetzt aus dem Euro?" war das Thema im jüngsten TV-Talk "Hart aber fair" von Frank Plasberg. Inhaltlich brachte die Sendung nichts neues.
Foto: Archiv/WDR
Was wir bereits wissen
Gibt es eigentlich zwei Länder, die Griechenland heißen und in denen es völlig unterschiedlich aussieht? "Hart aber fair" erweckte diesen Eindruck.

Essen.. Gerade hat Athen wieder eine Dreiviertelmilliarde Euro an seine Kreditgeber überwiesen. Durchatmen - bis zum nächsten Fälligkeitstermin. So hangelt sich die griechische Regierung seit Jahresbeginn von Woche zu Woche und man fragt sich, wie lange sich das Dauerkrisenland noch im Euro halten kann und wann die anderen Euro-Länder die Geduld verlieren mit der linken Administration in Athen. Ein Ausstieg der Griechen aus der Gemeinschaftswährung - vor ein, zwei Jahren noch ein Horrorszrenario - inzwischen scheint der "Grexit" nur noch eine Frage der Zeit. Und man hat bei immer mehr Politikern das Gefühl, sie würden das weniger als Horror empfinden - und mehr als Erleichterung.

"Fliegt Griechenland jetzt aus dem Euro?", fragte Frank Plasberg am Montagabend seine Gäste bei "Hart aber fair" in der ARD und man hatte den Eindruck, die Diskutanten berichteten aus zwei verschiedenen Welten.

Für Giorgos Chondros sind "die Schulden nicht die Ursache der Krise, sondern deren Folge". Die von Europa geforderte Sparpolitik habe in Hellas "eine verheerende humanitäre Katastrophe" ausgelöst. Und die linke Syriza-Regierung brauche nun etwas Zeit, um ihre Pläne umzusetzen.

Plan B? Griechenland hat nicht mal einen Plan A

Welche Pläne? Im politischen Brüssel wird bisweilen bemängelt, Premier Alexis Tsipras und seine Leute hätten keinen Plan B. Doch nun gewinnt man immer mehr den Eindruck, sie hätten nicht mal einen Plan A. So sieht es nämlich die andere Welt, bei Plasberg vertreten etwa durch Hans-Olaf Henkel von der AfD, jener Partei also, die mal als "eurokritisch" gestartet war und die inzwischen als "selbstzerstörerisch" für Schlagzeilen sorgt. Henkel meint: "Der Euro ist zu stark für Griechenland." Also, nehmt die Milliarden - und Tschüss!

Ein anderer aus dem Euro-Paralleluniversum ist der Bayer Markus Söder, CSU-Mann und Finanzminister im Freistaat. Für ihn sind die Griechen selbst Schuld an ihrer Misere: "Griechenland hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt." Statt bei sich selbst anzufangen, mache Athen den Rest der Welt verantwortlich für die Krise. Diese Haltung "ermüdet ganz Europa", findet Söder und mahnt die Griechen: "Sie müssen mit Fleiß und Einsatz was bringen."

Die Schuldfrage scheint das Wichtigste zu sein

Was wirklich ermüdet: Diese Art von Griechenland-Euro-Debatten, wie sie nun seit Jahren in allen Talkshows der Republik durchgehechelt werden und in denen jeder ein bisschen Recht hat, wobei jeder glaubt, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein. Die Schuldfrage scheint das Wichtigste zu sein und jeder weiß natürlich, dass der jeweils andere der Böse ist.

Diese Debattenlage, die zudem unglücklicherweise nicht nur in den Talkrunden, sondern auch auf den Euro-Gipfeln der Politiker zu beobachten ist, hat die Situation in den vergangenen vier, fünf Jahren keinen Zentimeter weitergebracht. Das einzige was passiert ist: Die griechischen Schulden sind weiter gewachsen, die Situation der Bevölkerung ist immer schlechter geworden.

Wie also weiter mit Athen? Vielleicht ist es ja wirklich der beste Weg, die Griechen selbst entscheiden zu lassen - per Volksabstimmung, wie es gerade aktuell wieder diskutiert wird. Viele in Euroland wären wohl gar nicht abgeneigt. Selbst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scheint nicht abgeneigt. Diesen Vorschlag machte übrigens bereits Ende 2011, also fast noch am Anfang der Krise, der damalige griechische Premierminister Giorgos Papandreou. Damals schlug ganz Europa Alarm. Aber das war wohl in einer Parallelwelt.