Paraderolle als Einheitskanzler Kohl - Lambert Hamel wird 75

Lambert Hamel ist 75 geworden. Vor allem als Einheitskanzler Helmut Kohl überzeugte der Schauspieler.
Lambert Hamel ist 75 geworden. Vor allem als Einheitskanzler Helmut Kohl überzeugte der Schauspieler.
Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archiv
Was wir bereits wissen
Bösewicht oder Bischof, Chefarzt oder Familienoberhaupt - das Fernsehpublikum kennt Lambert Hamel in unterschiedlichsten Rollen. Auf der Bühne ist er seit über 50 Jahren vor allem in klassischen Stücken zu sehen. Am 7. Juni wird der Schauspieler 75.

München.. Er gehört zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Fernsehen - auch wenn seinen Namen nicht gleich jeder parat hat: Lambert Hamel. In Krimis ist er oft der Fiesling oder Böse, auch Polizist, Arzt und Bischof war er schon - und der Einheitskanzler Helmut Kohl.

Mit seiner schauspielerischen Vielfalt feiert Hamel auch auf der Bühne Erfolge. Aktuell bereitet er sich auf den "Sommernachtstraum" vor. Und dann steht ein großes Fest an: Am 7. Juni wird Hamel 75 und feiert mit Familie und Freunden, wie er der Deutschen Presse-Agentur verriet.

Den 70. Geburtstag hatte Hamel 2010 im Münchner Residenztheater begangen. Dort stand er auf der Bühne. "Damals wollte ich nicht feiern", erinnert er sich. Diesmal gibt es ein Fest in einem Restaurant.

"Ich habe viele Menschen eingeladen, alle haben zugesagt und wir wollen feiern, dass es einem gut geht." Die Einschläge kämen näher, sagt Hamel. Das zeigt sich auch am Geburtstag: "Es fehlen ein paar, die ich nicht einladen kann, weil sie schon gestorben sind."

Lambert Hamel spielt im ZDF-Klassikers "Ein Fall für Zwei"

Kurz vor dem Geburtstag steht Hamel für eine Folge des ZDF-Klassikers "Ein Fall für Zwei" in Frankfurt vor der Kamera. "Ich spiele einen Restaurantbesitzer, der in Verdacht gerät", erzählt er. Zuletzt hat der Wahl-Münchner unter anderem in mehreren Dora-Heldt-Verfilmungen sowie im Quotenhit "Der Bergdoktor" mitgespielt. Am 22. Juni ist er in Zürich als "Puck" in Shakespeares "Sommernachtstraum" zu sehen.

Kinderstar An Rollenangeboten mangelt es dem Charakterdarsteller auch in fortgeschrittenem Alter nicht. Die Rollen würden einfach auch älter. "Erst hat man plötzlich Kinder und dann spielt man den Opa." Jedes Alter werde gebraucht. "Ich kann einem Jungen nicht den "Hamlet" wegspielen und ein Junger mir nicht den "Lear"."

Eigentlich, so sagt Hamel, habe er im Alter beruflich ein wenig kürzertreten wollen. Jedoch sei ihm das bisher nicht recht gelungen. "Ich war im letzten Jahr nur unterwegs. Da hat man zumindest weniger Zeit, auf Zipperlein zu achten."

Gerade das Theaterspielen empfindet er als großes Glück. "Die Bühne heilt. Wenn ich in der Garderobe bin und dann auf die Bühne gehe, ist alles gut. Die Aufregung, das Adrenalin - das motiviert."

Charakter-Darsteller besuchte Bochumer Schauspielschule

Schon früh wollte der gebürtige Pfälzer Schauspieler werden - auch wenn sein Vater davon nicht begeistert war. Wie Hamel in Interviews erzählte, sagte der Vater seinen beiden Schwestern einst: "Werdet mal was, damit Ihr den Hungerleider durchfüttern könnt." Das habe ihn zusätzlich angespornt.

Hamel studierte Theaterwissenschaft und Philosophie und besuchte die Bochumer Schauspielschule. Noch während seiner Ausbildung wurde er an das Deutsche Schauspielhaus Hamburg geholt. Damit begann seine Karriere, die ihn von Bochum über Köln nach München führte, wo Hamel heute noch lebt.

Geburtstag Als seine Paraderolle gilt die des "Theatermacher" in dem gleichnamigen Stück von Thomas Bernhard. Erfolge feierte er auch in Stücken von Molière, Kleist, Lessing und Shakespeare.

Unter Hamels Fernsehrollen sticht vor allem die des Einheitskanzlers hervor: Vor 15 Jahren mimte er in dem TV-Doku-Drama "Deutschlandspiel" Helmut Kohl. Hamel ist froh, dass er viele verschiedene Charaktere habe spielen dürfen. "Ich wäre nicht gerne auf einen Typen festgelegt."

Wenn der Schauspieler zwischen Engagements doch ein wenig freie Zeit hat, genießt er es zu lesen - und zwar keine Drehbücher - oder Ausstellungen zu besuchen. Zuletzt habe er Siegfried Lenz' "Deutschstunde" mal wieder aus dem Regal geholt und in Frankfurt die Monet-Schau besichtigt. Oder Hamel unternimmt mit seiner Frau spontane Städtereisen. Langweilig wird ihm jedenfalls nicht. (dpa)