Overbeck nennt bei „Anne Will“ Homosexualität eine Sünde
12.04.2010 | 08:35 Uhr 2010-04-12T08:35:00+0200
Essen.Beim Sonntagsabends-Talk von Anne Will zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zeigte sich der Essener Bischof Franz Overbeck als Hardliner: In der zunehmend hitzigen Debatte sagte er, Homosexualität widerspreche „der Natur von Mann und Frau“.
Der Missbrauchsskandal in katholischen Einrichtungen zieht sich zäh durch das noch junge Jahr. Dort, wo aufgeklärt werden sollte, ist Stillstand. Lediglich immer mehr Opfer melden sich, grausame Details von Misshandlungen werden bekannt. Dort, wo klare Schuldbekenntnisse sein sollten, herrscht Schweigen. Stattdessen häufen sich die Kirchenaustritte.
Die katholische Kirche hat ein Problem. Doch sie geht es nicht an, zumindest kaum. Folgerichtig steht Anne Wills ARD-TV-Talk am Sonntagabend unter dem Motto: „Benedikts Schweigen – Sind wir noch Papst?“ Bei den Ergebnissen einer Stern-Umfrage, nach der das Vertrauen in die katholische Kirche rapide sinkt, eine berechtigte Frage.
Strickmuster für einen TV-Talk
Um sie zu klären, hat sich Anne Will eine illustre Runde auf ihre Stühle geladen: Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen, zunächst sachlich, später wütend und konservativ. Dagegen der schwule Filmemacher Rosa von Praunheim, der mit seinen kontroversen Ansichten versucht, die Debatte aufzumischen. Die Journalisten Hans-Ulrich Jörges und Matthias Matussek. Daneben Sophia Kuby, überzeugte Sprecherin der „Generation Benedikt“, die Papst Benedikt laut Homepage als „echten Freund der Jugend“ sieht. Und Alexander Probst, ein ehemaliger Schüler des Domspatzen-Internats, der dort zwei Jahre lang tägliche Prügel bezog und ein Jahr lang vom Präfekten missbraucht wurde.
Das Strickmuster für einen Talk zum Thema, das der TV-Zuschauer bereits im Februar bei Kollege Frank Plasberg sehen konnte. Über den Missbrauchsskandal selbst erfahren wir nichts Neues. Vielmehr scheint es Anne Will und ihrem Team darum zu gehen, die Kommunikation der katholischen Kirche zu durchleuchten, und wie – oder besser: wie nicht – die Botschaften bei den Schäfchen ankommen.
„Wir sind Papst“-Euphorie ist verflogen
2005 noch hatte sich in Deutschland Euphorie breit gemacht. Alle feierten den Deutschen Joseph Ratzinger als neuen Papst. Jetzt, fünf Jahre später, sieht die Situation anders aus: Der Heilige Vater steht in der Kritik, weil er sich weder in der Osterpredigt noch im Hirtenbrief zu den deutschen Missbrauchsfällen äußerte; weil er offenbar bereits 2001 über einige Fälle informiert war, sich aber nicht für die Opfer einsetzte; weil er Ausdrücke wie „Geschwätz der vorherrschenden Meinung“ im Zusammenhang mit dem Skandal tolerierte.
Heftige Vorwürfe, harte Kritik. Und die Diskussion läuft so ab, wie sie absehbar war: „Er will nicht vertuschen“, verteidigt Matthias Matussek. Deutschland sei eben nur ein „Fliegenschiss“ auf der Landkarte der katholischen Kirche. Da müsse der Skandal nicht in der weltweit hörbaren Osterpredigt vorkommen. Und Missbrauch passiere übrigens auch in der evangelischen Kirche. „Ich finde ihn glaubwürdig. Er gibt mir für mein Leben Orientierung“, sagt Sophia Kuby.
Eine Zwickmühle
„Seine Botschaft ist eindeutig“, pflichtet Bischof Franz-Josef Overbeck bei. „Die Botschaft verfängt sich allerdings nicht, weil wir eine Vertrauenskrise in Deutschland haben.“ Damit meint er die Vertrauenskrise in die Priester, die wiederum das Vertrauen des Papstes missbraucht haben. Die Zwickmühle der katholischen Kirche.
Doch wie kommt Benedikt XVI. aus eben dieser Misere heraus? Der Essener Bischof versuchte es mit der harten Linie: „Ich denke, es ist wichtig, den Ruf Gottes zu schützen“, antwortet er auf die Frage, was er gedacht habe, als er ein umstrittenes Zitat des Regensburger Bischofs gehört habe. „Wir bringen Klarheit in eine pluriforme Gesellschaft“, sagt Overbeck. Und lädt dazu ein, Gottesdienste zu besuchen: „Um sich in der Kirche wohl zu fühlen, muss man zu ihr gehen.“ Den Einwurf des Regisseurs von Praunheim „Das gilt nicht für Homosexuelle“ überhört er.
Hitzige Diskussion
Doch der Essener Bischof sagt auch Dinge wie: „Homosexualität ist eine Sünde. Das widerspricht der Natur von Mann und Frau.“ Dass er bei diesem Thema mit Rosa von Praunheim auf keinen grünen Zweig kommt, dürfte klar sein. „Sie wissen doch selbst, wie viele Priester homosexuell sind oder etwas mit ihrer Haushälterin haben“, schießt der Regisseur – und bedient damit die gängige Gerüchteküche.
Homosexualität und Sexualmoral, Zölibat und Pädophilie, Vertuschung und Ehrlichkeit, kirchliches Recht und Staatsrecht, Frauen und Priesteramt, Tradition und Weltoffenheit – all diese Begriffe werden in der Diskussion in einen Zusammenhang gestellt, wieder auseinander gerissen, verknäuelt, entzweit, gedreht und gewendet. Die teils sehr hitzige Debatte unter Fernseh-Gästen verdeutlicht einmal mehr, in wie vielen Punkten die katholische Kirche zurzeit kritisiert, hinterfragt und angegriffen wird. Eine Lösung? Auf der TV-Couch auf jeden Fall nicht in Sicht.
22:06
Es ist schon interessant, die vielen Kommentare zu lesen, und erschreckend, zu erfahren, was vermeintlich gute Katholiken denken und schreiben. Herr Overbeck hat mit seiner Ignoranz und Unmenschlichkeit all die Vorurteile bestätigt, die es leider gegen die katholische Kirche gibt. Es geht im Grunde genommen gar nicht um Sexualität, sondern - viel schlimmer - um Gewalt, und zwar Gewalt gegen Menschen, die der Kirche anvertraut wurden. Und die Kirche stellt sich diesem Vorwurf nicht. Sie verfolgt nur ein Ziel - ihre eigene Haut zu retten. Ich fürchte, diese Herren haben nicht die geringste Vorstellung davon, was sie wirklich anrichten. Ich war niemals dankbar dafür, evangelisch zu sein, dennoch bin ich bis heute Mitglied der Kirche. Wäre ich katholisch getauft worden, hätte ich leider austreten müssen, nämlich an dem Tag, als ich Einzelheiten darüber erfuhr, wie die katholische Kirche nicht nur die Juden in den KZs - ihre Erzfeinde - allein liess, sondern ihre eigenen Priester ans Messer lieferte, ohne irgendetwas zu unternehmen. Und diese Ignoranz wurde nahtlos fortgesetzt in den vielen Missbrauchsfällen. Man denkt an sich selbst, schmückt sich mit kostbaren Gewändern und predigt Wasser, während man sich mit Wein berauscht. Ich warte auf den Kirchenmann - Frau brauche ich hier nicht zu erwähnen, weil es die in gehobenen Positionen nicht gibt -, der vortritt und sagt: Es tut mir und uns leid, wir haben uns verirrt und von der Bergpredigt entfernt. Stattdessen bemüht man sich um Schadensbegrenzung. Wenn es nicht um ein so unendlich trauriges Thema ginge, wäre es lächerlich. Die Altherrenmannschaft soll sich endlich ihrer Maskerade entledigen und sich der Welt und ihren Riesenproblemen und -sorgen stellen. Dann könnte man auch guten Gewissens katholisch sein. Ich jedenfalls wünsche ihnen noch viele kontroverse Diskussionen. an denen sie, wenn sie klug und voller Liebe sind, wachsen können. Wenn nicht, machen sie sich selbst überflüssig, und dann sind sie keiner Träne wert.
21:59
Sicherlich ist mir diese Begrifflichkeit bekannt, deshalb muß, um Schlimmeres zu verhindern, schnellstens das Zölibat ad`acta gelegt werden, denn wir leben im 21. Jahrhundet.
Es ist davon auszugehen, daß einige Priester nicht wissen, ob sie genetisch bedingt, dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuzuordnen sind.
21:39
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21:10
Man redet soviel von Sexualität,haben Sie schon einmal an Intersexualität und deren Auswirkungen gedacht?
20:58
Homosexualität ist keine Sünde, denn Alexander der Große war u.a. auch homosexuell.
Der Alte Fritz sagte schon, jeder soll nach seiner Facon glücklich werden.
Wo liegt das Problem ?
Es liegt auf der Hand, dass die Kath. Kirche verlogen ist und um Gläubige zu halten , muß schnellstens eine Lösung gefunden werden und die heißt:
ABSCHAFFUNG DES ZÖLIBATS !!!
Interessant ist es, ein paar Jahrhunderte retour zu gehen und es liegt alles transparent vor einem.
20:54
Peinlich..arrogant und sehr christlich!!Weg mit solchen Figuren
20:50
Ich find es sehr erschreckend, dass jetzt selbst die Kirche versucht, von den eigenen Problemen abzulenken. Warum wird von Seiten des Papstes nicht einfach das Zöllibat abgeschafft??? Dann haben die Priester nicht mehr das Problem, ihre Sexualität vor sich selbst verstecken zu müssen und sich an kleinen Kindern zu vergreifen bzw. über Jahre eine rein körperliche Beziehung zu ihrer Haushälterin zu führen. Gerade die katholische Kirche sollte sich zum jetzigen Zeitpunkt ganz ruhig und tolerant verhalten gegenüber Homosexuellen. Ist es denn nicht homophob, wenn sich ein Pfaffe an seinem Messdiener vergreift???
20:27
#155 von Ichwerdeuchhelfen: Ein katholischer Priester (den Namen habe ich leider vergessen) erzählte, dass er, gegen den
Willen seiner Vorgesetzten (aus Rom?) einen
Ökumenischen Gottesdienst abgehalten habe.
Daraufhin sei er von seinem Amt suspendiert
worden. Der kath. Priester war Prof. Gotthold Hasenhüttl (Uni Saarbrücken), der suspendiert wurde, weil er das Wort Kommunion beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin zu wörtlich genommen hat.
19:52
Es ist schon richtig, dass die bisher in die Öffentlichkeit gelangten Missbrauchsfälle im Wirkungsbereich katholischer Einrichtungen nur einen geringen Anteil der Fälle darstellen, die in Deutschland insgesamt bekannt geworden sind. Es ist das Verhalten der katholischen Kirche im Umgang mit den Tätern undOpfern von Missbrauchsfällen, das die Öffentlichkeit so empört. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Unter diesem Gesichtspunkt wurden und werden Missbrauchsfälle von den Verantwortlichen in der katholischen Kirche unter den Teppich gekehrt. Opfer und ihre Angehörige wurden so lange bearbeitet bis man sicher sein konnte, dass nichts an die Öffentlichkeit dringt. Oberhirten, wie Zollitsch, Mixa, Overbeck und Papst Benedikt XVI sind Garanten dafür, dass sich in Zukunft an dieser Doppelmoral auch nichts ändern wird.
19:47
Overbeck nennt bei „Anne Will“ Homosexualität eine Sünde
Lieber Herr Overbeck, die gesamte katholische Kirche ist eine Sünde!!!
Und, warum Zölibat???
Bis ca. zum Jahr 1000 waren alle Päbste verheiratet, und hinterließen der katholischen Kirche nichts, sonden vererbten alles den Kindern und Enkeln.
Und, damit die katholische Kirche als ERBE nicht leer ausgeht, wurde das ZÖLIBAT eingeführt.
Ausgenommen sind einige Päbste so um 1500 , die das Pabsttum an die Kinder vererben wollten...
Und diese Päbste waren alle verheiratet...