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Interview

Ochsenknecht: "Melancholie ist ein sehr schöner Zustand"

16.01.2009 | 08:58 Uhr

Schwerte. Vor seinem Konzert in der Schwerter Rohrmeisterei sprach Sharon Beatty mit Uwe Ochsenknecht über Respekt vor Musikern, Drogen und Melancholie.

Herr Ochsenknecht, was ist das wichtigste Acssessiore für einen Rocker?

Rocker sein, das ist eine Lebenseinstellung, sagt Uwe Ochsenknecht.

Uwe Ochsenknecht: Die Einstellung zu dem Ganzen. Die Lebenseinstellung. Außerdem sehe ich mich aber nicht als Rocker oder wie auch immer man das definieren mag, sondern als Musiker.

Vor einiger Zeit haben Sie in einem Interview noch erstaunt reagiert, als man Sie Musiker nannte.

Ochsenknecht: Das ist schon länger her. Mittlerweile habe ich keine Skrupel mehr, mich auch als Musiker zu sehen. Bevor ich mich ins kommerzielle Geschäft geschmissen habe und mein erstes Album rausgebracht habe, hatte ich großen Respekt vor Musikern.

War der Respekt gerechtfertigt?

Ochsenknecht: Ja, absolut. Ich nehm das wirklich sehr ernst und geb mir Mühe, das ist ja auch kein Hobby oder Nebenerwerb.

Sind Sie also jetzt hauptberuflich Musiker?

Ochsenknecht: Nee nee, beides. Kann man ja machen, ne?

Sie haben ihre Söhne Jimi Blue und Wilson Gonzales nach Größen des Motown und Rock 'n' Roll benannt. Politische Musik in einer hochpolitischen Zeit. Ist das etwas für Ihre Band?

Ochsenknecht: Mir geht es in erster Linie um den Spaß. Ich sehe mich nicht unbedingt als jemand, der mit seiner Musik eine Botschaft in die Welt hinausschicken will. Es darf aber auch nicht zu platt sein. Ich achte schon auf den Inhalt der Texte, ich muss in irgendeiner Form Bezug zu dem haben, über das ich da singe.

Dann fallen ja schon 80 Prozent aller Popsongs weg...

Ochsenknecht: Nun ja, aber ich finde, dass die Musik an sich den Leuten ein gutes Gefühl geben soll, und nicht der Text. Bei deutschen Texten ist es vielleicht was anderes, aber man reagiert ja als erstes auf die Musik.

Wenn Musik auch auf der Bühne Glücksgefühle auslöst, warum nehmen so viele große Musiker Drogen?

Ochsenknecht: In der Hippiezeit gehörten Drogen zur Revolution. Musiker waren aber immer ein Völkchen, das gerne feiert. Wenn das natürlich solche Ausmaße annimmt wie bei Amy Winehouse, dann stecken da ernstere Probleme hinter.

Haben Sie eine CD von Amy Winehouse?

Ochsenknecht: Ja, absolut. Ich hatte ja schon Dusty Springfield im Schrank, da ist dann auch Duffy nicht weit weg. Was neues ist es ja nun wirklich nicht, ich bin mit der Originalmusik aufgewachsen. Ich finde es aber gut, dass sich so junge Mädels wie Duffy oder Adele sich mit dieser Art Musik beschäftigen. Das zeigt, dass diese Art Musik Beständigkeit hat.

Also muss man nicht unbedingt originell sein, um Erfolg zu haben?

Ochsenknecht: Nee, nicht unbedingt. Das soll jeder doch so machen, wie es ihm Spaß macht.

Was macht denn im Musikerleben am meisten Spaß?

Ochsenknecht: Musiker sind so unbeschwert. Das ist bei Schauspielern nicht so. Musikern schwirren immer Noten im Kopf rum, die sind kleine Jungs geblieben. Darüber vergessen sie natürlich auch schon mal Sachen. Ihre Steuern zu bezahlen, zum Beispiel.

Dann müssen Sie erleichtert sein, dass jetzt wenigestens Ihre Söhne Jimi Blue und Wilson Gonzales Musik machen.

Ochsenknecht: Also ich seh sie da, wo sie glücklich sind. Die können auch einen Second-Hand-Laden aufmachen. Wenn die dabei glückich sind, freue ich mich für sie.

War Jimi Hendrix als Namenspatron eine gute Idee? Das Rock-Idol ist drogenumnebelt mit 27 Jahren gestorben...

Ochsenknecht: Bei Jimi Blue sieht es ganz gut aus, dass das nicht so passiert. Das zeigt, welche große Rolle Musik in meinem Leben spielt.

Morgens läuft dann nach dem Aufstehen auch Jimi Hendrix?

Ochsenknecht: Ich höre verschiedene Arten von Musik. Auf meinem iPod sind 9.000 Songs – alles meine Lieblingssongs. Wenn ich es etwas ruhiger angehen lassen möchte, dann höre ich gerne Jack Johnson. Wenn ich das Gefühl habe, jetzt muss ich mal schnell wach werden, dann höre ich gerne Salsa.

Sind sie ein guter Tänzer?

Ochsenknecht: Absolut! Zu dem Rhythmus mich zu bewegen, das mache ich sehr gerne. Im Ernst. Ob das jetzt gut ist... die Beurteilung überlasse ich anderen.

Auch zu Schmusesongs?

Ochsenknecht: Naja, nur wenn meine Frau dabei ist. Aber ich tanze sehr gerne zu House-Musik.

Könnten Sie sich vorstellen, auch solche Musik zu machen?

Ochsenknecht: House ist ja schon sehr einfach gestrickt. Ich mag schon eher Songs, die etwas komplexer sind.

Sie haben die Bochumer Schaupsielschule besucht. Hat es Sie in der Zeit schon mal nach Schwerte verschlagen?

Ochsenknecht: Nein. Aber ich freue mich sehr, ich mochte die Art der Menschen im Ruhrgebiet immer sehr.

Was erwarten Sie von Ihrem Publikum?

Ochsenknecht: Absolute Begeisterung natürlich! Aber mal im Ernst: Das Publikum ist ja immer nur so gut wie man selbst auf der Bühne. Darum werden wir uns natürlich richtig Mühe geben.

Ihr Konzert in der Rohrmeisterei ist unplugged. Akustikgitarren, Flügel, Kerzenschein... das klingt melancholisch.

Ochsenknecht: Nein, eher romantisch. Aber ich kenne Melancholie sehr gut, und das ist ein schöner Zustand. Da kann man sich schön fallen lassen. Das darf man nicht mit Depression verwechseln.

Was tun Sie gegen den Winter-Blues?

Ochsenknecht: Ich gehe in die Sauna. Das hilft wunderbar. Kälte mag ich nicht so gern.

Mehr zum Thema:

Der wilde Kerl

Sharon Beatty

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Kommentare
15.01.2009
18:42
Ochsenknecht: Melancholie ist ein sehr schöner Zustand
von Kuhmagdt | #1

Klingen meine Boxen schlecht oder singt da Uwe Ochsenknecht.?

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