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Oberfuchshuber ist einer der gefragtesten Warm-Upper in deutschen TV-Shows

14.08.2012 | 12:56 Uhr
Oberfuchshuber ist einer der gefragtesten Warm-Upper in deutschen TV-Shows
Der sogenannte Warm-Upper Christian Oberfuchshuber.Foto: dapd

Berlin.   Feuer gefangen hat Christian Oberfuchshuber, als er in den 90er Jahren zu Gast in einer Talkshow von Thomas Gottschalk saß. Damals sah er zum ersten Mal einen Warm-Upper und wusste: das will ich auch machen. Heute ist er einer der gefragtesten Anheizer Deutschlands.

Wenn im TV-Studio eine Show beginnt, ist die von Moderator Christian Oberfuchshuber schon wieder vorbei. 10 bis 15 Minuten lang ist das Zeitfenster, in dem der 34-Jährige mit seinem Vorprogramm die Zuschauer auf den eigentlichen Moderator vorbereiten kann.

"Wenn man rauskommt, muss man die Leute relativ schnell auf seine Seite ziehen", sagt der gebürtige Bayer, der jetzt in Berlin lebt. Seit mehr als 13 Jahren arbeitet er als Warm-Upper im deutschen Fernsehen und gilt mit mehr als 6.500 Sendungen zu den gefragtesten Publikumsanheizern in Deutschland. Er war als Vor-Moderator im Finale von "Germany's Next Top Model" (ProSieben) tätig, momentan heizt er in Berlin dem Publikum bei der Aufzeichnung der Musik-Show "The Voice of Germany" (ProSieben und Sat.1) ein, wie Oberfuchshuber verrät.

"Publikumskindergärtner" übt Applaus ein

In der schillernden Show-Welt wird nichts dem Zufall überlassen. Oberfuchshuber übt Applaus und Jubeln im Akkord, damit in der Live-Sendung oder der Aufzeichnung alles klappt, sagt er. Er muss die Zuschauer von sich überzeugen - damit sie auch später auf seine Handzeichen in der Sendung reagieren. Der lässig gekleidete Mann mit der gegelten Igelfrisur bezeichnet sich deshalb scherzhaft als Publikumskindergärtner.

Info
Warm-Uppern wird mehr abverlangt

Die Anforderungen an sogenannte Warm-Upper, die das Publikum im TV-Studio auf eine Live-Sendung einstimmen, sind nach Einschätzung des langjährigen Vor-Moderators Christian Oberfuchshuber gestiegen. Früher hätten die Zuschauer in den Fernsehshows eher eine Statistenrolle eingenommen, sagte der 34-Jährige der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

Heute seien sie stärker eingebunden. Deshalb werde von den Publikumsanheizern, die vor Beginn einer Sendung Applaus einüben und währenddessen erneut zu Beifall animieren, mehr und mehr abverlangt. Zudem sei der Markt enger geworden. Nach dem Boom der Talk- und Gameshows in den 90er Jahren sei mittlerweile die Nachfrage nach Warm-Uppern gesunken. Der in Berlin lebende Oberfuchshuber war nach eigenen Angaben in mehr als 6.500 Shows im In- und Ausland tätig. (dapd)

"Natürlich können Zuschauer klatschen, aber sie müssen toben, sie müssen schreien, sie müssen jubeln - und dazu muss man sie erst mal bringen", sagt er. Kleine Grübchen bilden sich in seinem Gesicht, wenn er lacht. Es ist ein offenes, ein mitreißendes Lachen, er weiß es gekonnt einzusetzen. Es ist sein Kapital.

"Der Kühlschrank war mein erstes Publikum"

Oberfuchshubers Karriere als Publikumsanheizer begann in den 1990er Jahren. Bei Entertainer Thomas Gottschalk saß er einmal als Zuschauer in der "Late Night Show" (RTL) und sah zum ersten Mal einen Warm-Upper. "Das Rumreden vorher, Spaßmachen mit den Leuten, den Moderator ankündigen und so fand ich aufregend, fand ich toll." Sofort habe er gedacht: "Joa, des kannst du eigentlich auch." Ein paar Jahre später meldete er sich bei einer Castingagentur an.

Bei der ZDF-Sitcom "Schöne Aussichten" mit Ralph Morgenstern konnte sich Oberfuchshuber im Jahr 1998 schließlich erstmals als Anheizer präsentieren. Geübt hatte der gelernte Hotelfachmann vorher in seiner Wohnung. "Der Kühlschrank war mein erstes Publikum, den hab' ich angewarmuppt." Er stoppte die Zeit, verbesserte sein Programm und ging in andere Shows, um sich andere Warm-Upper anzusehen.

Wer ein Mikrofon in der Hand halten konnte, wurde genommen

Rückblickend sagt er, dass die 1990er Jahre quasi das Jahrzehnt der Warm-Upper waren. Denn mit dem Aufkommen zahlreicher Talk- und Gameshows stieg die Nachfrage nach Publikumsanheizern enorm. "Da wurde jeder, der gerade ein Mikrofon in der Hand halten konnte, und einigermaßen gut ankam, herangezogen", sagt der blonde Mann. Als sich das mit den Jahren wieder reduziert habe, sei auch die Zahl der Anheizer wieder zurückgegangen.

Heute gibt es Oberfuchshuber zufolge noch eine Gruppe aus etwa zehn Warm-Uppern, die von diesem Beruf leben. "Auf die ist der Markt auch aufgeteilt." Die 10 bis 15 Minuten, in denen er Herr der Bühne ist, genießt er jedes Mal in vollen Zügen. Wenn Oberfuchshuber davon spricht, strahlen seine Augen. Am liebsten aber würde er noch weiter gehen und die Seite wechseln, um selbst Moderator einer Show zu werden. "Das ist immer der Wunsch des Warm-Uppers, auch mal drangelassen zu werden. Ja, ich wäre bereit", sagt er lächelnd. (dapd)



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