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Interview

Nadja Uhl spricht über ihre Rolle in „Operation Zucker“

21.01.2016 | 11:35 Uhr
Nadja Uhl spricht über ihre Rolle in „Operation Zucker“
Schauspielerin Nadja Uhl will mit dem Film „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ für das Thema Kindesmissbrauch sensibilisieren. Foto: dpa

Berlin.  In „Operation Zucker“ ermittelt Schauspielerin Nadja Uhl als Kommissarin Karin Wegemann zum zweiten Mal gegen einen Kinderhändlerring.

Vor einigen Jahren erregte der Spielfilm „Operation Zucker“ große Aufmerksamkeit. In dem Film ging es um Kinderhandel und Kinder, die zu Sex mit Erwachsenen gezwungen werden. Jetzt gibt es eine Fortsetzung, die aufwühlt und verstört: „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ läuft am Mittwochabend um 20.15 Uhr im Ersten. Die Hauptdarstellerin Nadja Uhl spricht im Interview über die politische Kraft fiktionaler Filme.

Frage: Ihr Film „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ über Kindesmissbrauch in besseren Kreisen spielt ausgerechnet in Potsdam, Ihrer Heimatstadt. War es für Sie als Mutter schwierig, ein solches Thema dort zu drehen?

Nadja Uhl: Da Kommissarin Wegemann versetzt werden sollte, habe ich mir gewünscht, in Potsdam zu drehen, damit ich nicht so lange von zu Hause weg sein muss. Der Ort des Films ist eigentlich fiktiv.

Sie haben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Schauspielerin gut gelöst.

Ich bin ein Kind der DDR. Ich bin aufgewachsen in dem Verständnis, dass es kein Problem ist für Frauen, erfolgreich, selbstbewusst, unabhängig zu sein und dabei auch eine gute Mutter. Sicher haben unsere Mütter die Kinder sehr früh in die Krippe gegeben, mit vier Monaten, das würde ich auch heute nicht so machen. Aber es sollte jeder Frau möglich sein, die ein Kind ernähren muss, arbeiten zu gehen und ihren Lebensunterhalt und Unabhängigkeit zu sichern.

Polizistin Karin Wegemann (Nadja Uhl) und ihren Kollege Roland Krug (Mišel Matičević) wühlt der neue Fall auf. Foto: Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Stephan Rabold

Sie sind als Schauspielerin da auch sicher ein gutes Vorbild. Mit ihrem Film über Kindesmissbrauch, zu dem es anschließend bei „Menschen bei Maischberger“ eine Talkrunde gibt, hoffen sie, Entscheider in der Politik und Gesellschaft wach zu rütteln. Wie viel kann ein Film da bewirken?

Es gibt sicher Grenzen der künstlerischen Tätigkeit. Aber wir können sensibilisieren und ein Thema immer wieder einbringen. Nach dem Film ist es an den Politikern, den Staffelstab zu übernehmen.

Was Kindesmissbrauch angeht, gerade in organisierter Form durch Banden wie im Film, gibt es in Deutschland eine extrem hohe Dunkelziffer. Was müsste sich durch Gesetze ändern?

Zunächst muss die öffentliche Wahrnehmung für solche Fälle zunehmen. Laut Kriminalstatistik 2014 in Deutschland wurde alle 37 Minuten ein Kind missbraucht. Kinder müssen sich aber im Schnitt an acht Personen wenden, bis ihnen geglaubt wird. Das fängt beim Zuhören der Eltern an und endet mit dem Besuch beim Kinderarzt. Das Mindeststrafmaß aller gegen Kinder gerichteter Vorsatzstraftaten müsste auf ein Jahr erhöht werden, um die Arbeit der Ermittlungsbehörden effektiver machen zu können.

Was sagen Sie ihren Töchtern? Wie warnen Sie als Mutter, dass man nicht mit Fremden mitgeht?

Wir haben dieses Gespräch oft, aber kindgerecht, weil es so wichtig ist. Mir hat ein Polizist einmal von einem Polizeitest an einer Schule erzählt, wo Kinder aufgefordert wurden, mitzugehen. Und jetzt raten Sie mal, wie viele Kinder mitgegangen sind?

Ich würde sagen: die Hälfte.

Nein. Alle.

(mit dpa)

Von Caroline Rosales

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2016-01-21 11:35
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