Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Komödie

"Mutter muss weg" ist eine Hommage an Loriots "Ödipussy"

17.10.2012 | 16:54 Uhr
Mutter Hannelore Fromm (Judy Winter) deckelt ihren Sohn Tristan (Bastian Pastewka) nach Belieben.Foto: ZDF

Essen.  In „Mutter muss weg“ brillieren Judy Winter und Bastian Pastewka als Mutter und Sohn. Sie sind in inniger Hassliebe verbunden, spielen miteinander Katz und Maus. Und das Ganze so wundervoll wendungsreich, dass der Zuschauer den Ausgang kaum raten kann.

Wenn das kein Dilemma ist: Miteinander können sie nicht, ohne einander aber auch nicht. „Mutter muss weg“ (Donnerstag, 20.15 Uhr im ZDF) befindet Tristan als Muttersöhnchen, das nicht erwachsen werden darf. Aber seine überdrehte Mutter Hannelore, gespielt von Judy Winter, scheint ähnlich über ihren Sohn zu denken. Die Komödie wirkt wie eine Hommage an Loriots „Ödipussy“.

Drehbuch-Autor Marc Terjung hat die klassische Konstellation im Umgang mit Sex verdreht: Die junge Generation ist verklemmt, die ältere lässt es 68er-mäßig krachen. Pastewka spielt, wie so oft, einen überkorrekten Mann . Tristan heißt er, aber eine Isolde gibt es nicht in seinem Leben, er lebt allein. Und das hat seinen Grund: Tristans Mutter deckelt den großen Jungen nach Belieben. Er muss ihr zu Willen sein, für eine andere Frau ist da kein Platz.

Bastian Pastewka
Einblicke ins Leben eines Komikers

Bastian Pastewka schlüpft wieder in seine Paraderolle: Ab Freitag (22.45 Uhr) zeigt Sat.1 die sechste Staffel der Comedy-Serie „Pastewka“. Diesmal...

Tristan versucht, sich mit einer skurrilen Geschäftsidee selbstständig zu machen. Der ewige Junge glaubt, den Retro-Trend bei Frauen ausgerechnet mit nostalgischen Puppenhäusern bedienen zu können. Seine Mutter stampft seine Idee mit Wucht in den Boden.

Keine tränentrübe Therapie-Tragödie

Kein Wunder, dass es in ihm brodelt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich seine extrovertierte, immer noch männerverschlingende Mutter weigert, ihm den Namen seines Vaters nennen. Was lange gärt, wird endlich Wut.

Das klingt nach tränentrüber Therapie-Tragödie. Von wegen. Pastewkas Haus-Autor Terjung macht das exakte Gegenteil daraus, mit Geschick und Geschmack, alles andere als albern. Aus Mordgelüsten wird ein Mordsspaß.

Geschichte zwischen Scherz und Schmerz

Terjungs Geschichte balanciert brillant zwischen Scherz und Schmerz, und sie ist so wendungsreich, dass der Zuschauer ihren Ausgang kaum raten kann. Tristan und Hannelore, in inniger Hassliebe verbunden, spielen miteinander Katz und Maus. Tristan heuert Auftragskiller Josip (Albert Kitzel) an. Seine Mutter, so zäh wie listig, überlebt den Anschlag. Scheinheilig begleitet der Junior die jung gebliebene alte Dame zur Reha. Aber die nach wie vor äußerst lebenslustige Hannelore engagiert eine Masseurin (Rosalie Thomass), die nicht nur die Waffen der Frau einsetzt.

Bei Terjung treffen sich rohe Gewalt und feinsinnige Komik, finstere Psycho-Abgründe und funkelnde Dialoge. Sein Drehbuch arbeitet mit den Mittel einer guten Karikatur: Sie verzerrt nicht, sondern arbeitet durch Überzeichnung das heraus, was sonst nicht recht erkennbar ist.

All-Star-Besetzung läuft in jeder Szene zur Bestform auf

Grimme-Preisträger Edward Berger und Kamerafrau Jana Marsik garnieren den Film mit Bildern, die ihn weit über das übliche Mittelmaß hinausheben. Rückblenden werden optisch leicht von der aktuellen Handlung abgesetzt, in dem die Bilder leicht verblichen wirken. Zudem schwelgen Berger und Marsik im edlen Ambiente der besserbürgerlichen Gesellschaft.

Eine Hommage an Loriot

Pastewka mimt mit hängenden Schultern und schlurfendem Gang einen Klemmi, dessen Energie, ähnlich wie Donald Duck, bestenfalls strohfeuerartig auflodert. Judy Winter gibt als Hippie-Diva richtig Gas, sie lebt und liebt das kraftvoll Schrille. Dazu kommt, dass das ZDF der Ziegler-Produktion eine All-Star-Besetzung spendierte, die noch in der kürzesten Szene zur Bestform aufläuft.

Bleibt zum Schluss die Frage, warum diese Komödie nicht bei Pastewkas Stammsender Sat.1 läuft. Böse Zungen antworten: Der Film war dem Bällchen-Sender wohl zu intelligent.

Jürgen Overkott

Kommentare
19.10.2012
13:50
Mutter muss weg
von K.J.Schmitz | #2

habe ich auch so gesehen - Herr Overkott hat wohl keine großen Ansprüche - dieses Filmchen mit Loriot zu vergleichen ist allerdings pietätlos !

19.10.2012
07:42
"Mutter muss weg"
von neuich | #1

Na ja, so toll war dieses Filmchen nun auch wieder nicht. Es gibt Besseres!

Funktionen
Aus dem Ressort
Tilo Prückner ermittelt als Rentnercop am Vorabend
ARD-Krimiserie
Schauspieler Tilo Prückner ist wieder auf den deutschen Bildschirmen zu sehen. Als berenteter Kommissar Edwin Bremer ermittelt er im Vorabendprogramm.
ZDF-Politikmagazin "Frontal 21" mit 500. Sendung
Politikmagazin
Der "Anwalt des Zuschauers" feiert ein Jubiläum: An diesem Dienstag sendet das ZDF die 500. Ausgabe des Magazins "Frontal 21".
„Kir Royal“-Regisseur Helmut Dietl erlag Krebskrankheit
Helmut Dietl
Er machte auch Kino, aber unerreicht war er im TV: Helmut Dietl schenkte uns Serien wie „Monaco Franze“ und „Kir Royal“. Jetzt starb er mit 70 Jahren.
"Sein gutes Recht": ZDF zeigt Drama um Demenz und Bürokratie
ZDF
In „Sein gutes Recht“ kämpft Thekla  Carola Wied für ihre Jugendliebe. Der Film ist ein behutsam inszeniertes Drama von großer Aktualität.
Bloß keinen Stress - Entschleunigung, Slow-TV und Zeitsparer
Slow-TV
Bei Stress hilft Entschleunigung, zum Beispiel mit Hilfe von ARD-Alpha. Dort läuft zur besten Sendezeit Entspannungs-TV mit "Mora - Gib Dir echtZeit".
Fotos und Videos
Let's Dance lässt Stars tanzen
Bildgalerie
Show-Format
Sie stehen im DSDS-Recall
Bildgalerie
Castingshow
Let's Dance - so tanzen die Stars
Bildgalerie
Let's Dance
article
7203169
"Mutter muss weg" ist eine Hommage an Loriots "Ödipussy"
"Mutter muss weg" ist eine Hommage an Loriots "Ödipussy"
$description$
http://www.derwesten.de/kultur/fernsehen/mutter-muss-weg-ist-eine-hommage-an-loriots-oedipussy-id7203169.html
2012-10-17 16:54
Mutter muss weg, ZDF, Bastian Pastewka, Judy Winter, Komödie, Fernsehen
Fernsehen