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Mörderjagd im Mutterschutz

28.03.2008 | 22:50 Uhr

KRIMI. Beim ersten "Tatort" mit Baby ermittelt Maria Furtwängler in einem Kleingartenverein.

Die Hannoveraner Zwillinge Tarik und Celil kommen abwechselnd als Charlotte Lindholms (Maria Furtwängler) Sohn David zum Einsatz. (Foto: NDR /Christine Schroeder)

HANNOVER. Das gab's noch nie im deutschen Fernsehen: Im neuen "Tatort" mit Maria Furtwängler klärt erstmals eine TV-Kommissarin mit Baby ein Verbrechen auf. Dabei ist die von Furtwängler gespielte LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm, frischgebackene Mutter des kleinen David, offiziell gar nicht im Dienst, sondern im Mutterschutz.

Doch Windeln wechseln und Fläschchen geben ist der kühlen Blonden einfach nicht genug - sie beobachtet ausgerechnet in einem ganz harmlos wirkenden Schrebergarten verdächtige Vorkommnisse und lüftet dort prompt zwischen grünen Zierhecken, gelb-orangefarbenen Blumenbeeten und knallroten Gartenzäunen ein düsteres Geheimnis. Der farbenprächtige und dezent skurrile Krimi mit dem ungewöhnlichen Titel "Tatort: Erntedank e.V." läuft morgen im Ersten.

Halbtagsjob abgelehnt

Es ist Charlotte Lindholms wie immer äußerst fürsorglicher Mitbewohner Martin (Ingo Naujoks), der die junge Mutter samt Kind in seine Laube in der idyllischen Schrebergarten-Kolonie "Erntedank e.V." schleppt, damit sie sich erholen und in aller Ruhe um den fünf Monate alten David kümmern kann. Die Kommissarin fühlt sich jedoch total unausgelastet, denn ihr dringender Wunsch, halbtags zu arbeiten, wurde von ihrem Chef Bitomsky (Torsten Michaelis) abschlägig beschieden.

Als bei ihrer Ankunft in der Laubensiedlung die Leiche des völlig überraschend gestorbenen Schrebergärtners Albrecht Leimen abtransportiert wird, ist Charlotte Lindholms Neugier geweckt. Sie hört sich um und entdeckt schon bald, dass es mit der Kleingarten-Idylle zwischen den geharkten Kieswegen und den penibel gepflegten Rasenflächen nicht so weit her ist wie es auf den ersten Blick scheint. Als sie dann in einem Schrebergarten einen Knochen entdeckt, der von einem Menschen stammen könnte, entwickelt das Ganze eine rasante Eigendynamik.

Die neue "Tatort"-Folge aus Hannover entstand nach einer Idee von n Maria Furtwängler: "Ausgangspunkt war für mich, dass Charlotte Lindholm jetzt Mutter geworden ist, und sich offiziell im Mutterschaftsurlaub befindet", sagt die 41-jährige Schauspielerin und Mutter zweier Kinder. "Also konnten wir sie nicht auf einen richtig großen Fall ansetzen. Andererseits füllt sie die Mutterrolle allein überhaupt nicht aus. So unausgefüllt wie sie ist, fiebert sie geradezu danach, ihren kriminalistischen Spürsinn wieder zu aktivieren."

Eine Kommissarin mit Kleinkind - das soll der erfolgreichen "Tatort"-Figur Charlotte Lindholm, die mitunter mehr als neun Millionen Zuschauer erreicht, eine weitere ungewöhnliche Facette verleihen. "Tatort"-Fans wissen bereits seit einem knappen Jahr von Lindholms Schwangerschaft. In der vorletzten Folge - "Das namenlose Mädchen" im April 2007 - war erstmals die Rede davon, dass die Kommissarin schwanger sei. Der Zuschauer lernte den Vater allerdings nicht kennen und erfährt kaum etwas über ihn: In Spanien habe sie den Mann kennengelernt, er sei verheiratet und habe selbst drei Kinder. Eine kurze, aber liebevolle Affäre.

Zwillinge spielen den kleinen David

Und natürlich ist nicht Lindholms platonischer WG-Partner Martin Vater des Kinders. Er kann künftig aber seine Vorzüge als Babysitter unter Beweis stellen. Eine Aufgabe, die auch Lindholms Mutter übernehmen wird, die von Furtwänglers Mutter Kathrin Ackermann gespielt wird. Die Idee zur alleinerziehenden "Tatort"-Fahnderin mit Baby hatte Maria Furtwängler gemeinsam mit Doris J. Heinze, der NDR-Fernsehspielchefin.

Bei dem TV-Baby handelt es sich um ein Zwillingspärchen aus Hannover, das bei einem Casting gefunden wurde. Tarik und Celil, die ohnehin nicht oft zu sehen sind, kamen abwechselnd vor der Kamera zum Einsatz - auch wegen der Jugendschutzbestimmungen.

Nicht wegen der Schwangerschaft der Hauptfigur, sondern aus ganz anderen Gründen ist der letzte Furtwängler-"Tatort" in Erinnerung, der am 23. Dezember 2007 gezeigt wurde. Nach der Folge mit dem Titel "Wem Ehre gebührt" gab es Demonstrationen und Proteste von alevitischen Gemeinden. In dem Krimi ging es um einen Inzest-Fall in einer alevitischen Familie. Der NDR betonte umgehend, dass es nicht darum gegangen sei, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft zu untermauern. (NRZ)

MARTIN WEBER KARLHEINZ BURANDT

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Mörderjagd im Mutterschutz
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2008-03-28 22:50
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