Mit Nina Hoger auf dem Jakobsweg

Die extravagante Estelle (Nina Hoger) will auch auf dem Jakobsweg nicht auf ihr schickes Köfferchen verzichten. Foto: ARD Degeto/Conny Klein
Die extravagante Estelle (Nina Hoger) will auch auf dem Jakobsweg nicht auf ihr schickes Köfferchen verzichten. Foto: ARD Degeto/Conny Klein
Foto: ARD Degeto/Conny Klein
Was wir bereits wissen
Vier Frauen und ein Rollkoffer pilgern über den Jakobsweg. Das ist der ungewöhnliche und überaus unterhaltsame Inhalt des ARD-Films „Dienstagsfrauen“ (14. Juni, 20.15 Uhr).

.. Eins muss man der viel geschmähten Degeto lassen: Auch wenn sie am Dienstag wieder einmal nur unser kollektives Unterhaltungsbedürfnis befriedigt – zumindest das macht sie wirklich gut. Wobei: Mit einem Buch-Bestseller und vier hochkarätigen Schauspielerinnen einen Treffer zu landen, ist wahrscheinlich auch gar nicht so schwer. Mit den „Dienstagsfrauen“ (20.15 Uhr) ist es der ARD-Filmgesellschaft jedenfalls gelungen.

Eigentlich heißt es an dieser Stelle gern: Die Geschichte ist schnell erzählt. Doch das stimmt nicht. Schnell erzählt ist nur der Anfang – der Rest entwirrt sich erst nach und nach: Vier Freundinnen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, machen sich auf den Weg – den Jakobsweg. Sie wollen Judith, die gerade frisch verwitwet ist, für ein paar Tage begleiten. Die brennt darauf nach Lourdes zu pilgern, so wie es ihr Mann in seinen letzten Tagen getan hat. Doch sein Tagebuch, das den Frauen den Weg weist, birgt ein Geheimnis. . .

Beste Komödienkost

Nein, die Story ist nicht mystisch und auch kein Krimi. Sondern beste Komödienkost und Familienunterhaltung vereint – denn jede, die regelmäßig in ihrem Frauenclübchen sitzt, wird sich schmunzelnd wiedererkennen. Ulrike Kriener gibt bei diesem Höllentrip auf dem Weg zu sich selbst wie sonst üblich als TV-Kommissarin die konsequente und streitbare Perfektionistin, der der (oh, Neid!) selbst nach schweißtreibender Wanderung noch die Haare liegen. Inka Friedrich ist ihr Gegenstück: Judith, die weinerliche Drama-Queen, die von allen betütelt wird. Die größten Überraschungen in diesem Kleeblatt aber sind Saskia Vester, die ein herrlich uneitles Muttertier spielt, das selbst in den tiefsten Tiefen der Pyrenäen noch einen handgeschnippelten Obstsalat aus dem Rucksack zaubert, und die endlich mal wieder köstlich alberne Nina Hoger als Luxusweibchen mit Rollkoffer auf dem Trampelpfad: „Lasst uns unter den Sternen schlafen. Am liebsten vier fürs Hotel und zwei fürs Restaurant.“

Zum Glück werden wir (größtenteils) von Selbst-Erfahrungen nach Pilcher-Art verschont und dürfen uns an Erkenntnissen wie „Ich glaube, ganz tief in mir drin bin ich sehr oberflächlich“ erfreuen: Tatsächlich sind in diesem Film Sprachwitz und Spielfreude verantwortlich, wenn sich der Zuschauer die Augen wischen muss – und nicht der Druck auf die Tränendrüse. Der Spaß, den die Schauspielerinnen laut Produktionsbericht an ihren Rollen hatten, wirkt tatsächlich ansteckend.

Gedreht wurde übrigens auch in den Heiligtümern von Lourdes. Nach 30 Jahren war es dem Team als zweite Produktion gelungen, dort eine Drehgenehmigung zu bekommen, nach monatelangen Recherchen und Behördengängen. Dann gab die Kirche grünes Licht – nur der Wettergott schien etwas gegen die Dreharbeiten zu haben: Die Aufnahmen wären fast durch Unwetter und die schlimmsten Regenfälle seit Jahrzehnten ins Wasser gefallen. An der Qualität des Films kann sein Unmut nicht gelegen haben.