Mit dem Schnaps zur Erleuchtung
20.06.2007 | 08:57 Uhr 2007-06-20T08:57:59+0200Für "Nuhr wer's glaubt, wird selig" (heute im ZDF) hat sich Dieter Nuhr die Religionen dieser Welt angeschaut - und kommt zu verblüffenden Ergebnissen. Konstantin Tassidis sprach mit dem Kabarettisten über Spiritualität, Bayern und Schnaps.
In einer Ankündigung für Ihren ZDF-Film werden Sie als "ungläubiger Kabarettist" vorgestellt ...
Dieter Nuhr: Das stimmt nicht. Ich bin extrem gläubig. Ich glaube an den rheinischen Gottesbeweis "Von nix kütt nix".
Was heißt das?
Es ist so viel um mich herum, das muss jemand gemacht haben. Es gibt einen Gott, und der ist offenbar ein ziemlich begabter Handwerker.
Es war also kein Weg zur Erleuchtung?
Erleuchtung bekommt man auf Reisen hauptsächlich dann, wenn man sich vor Ort auf die Schnäpse einlässt.
Haben Sie viele probiert?
Es hält sich in Grenzen. In Südamerika sollte man vorsichtig sein. Die haben brutale Schnäpse. In Peru haben wir einen angeboten bekommen, den ich so in Konsistenz und Geschmack noch nicht erlebt habe. Wie der hieß, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, es gehört dazu, dass man den Namen sofort vergisst, wenn man ihn trinkt.
War der Dreh für Sie bezahlter Urlaub oder Arbeit?
Reisen ist grundsätzlich Arbeit, sobald man den Club Robinson verlässt. Was bei mir Privat und was Arbeit ist, weiß ich nicht. Wenn ich schreibe, dann ist das Hobby und Arbeit zugleich.
Sie haben religiöse Extreme kennengelernt. Was hat Ihnen gefallen, was hat Sie abgeschreckt?
Was abschreckt, erlebt man nicht auf Reisen. Dass sich jemand in die Luft sprengt, habe ich zum Glück nicht erlebt. Viel Positives gibt es im buddhistischen Bereich. Die Leute sind entspannt - im nächsten Leben wird alles anders.
Der Buddhismus scheint Ihnen zu gefallen ...
Leider kann ich nicht daran glauben, dass ich im nächsten Leben als Spreegurke wiederkommen könnte. Der Gedanke ist ein bisschen abstrus.
Sie haben so viele exotische Orte besucht - und den oberbayerischen Wallfahrtsort Andechs. Wie exotisch ist es dort?
Wenn ein Buddhist dort in ein Kloster oder Brauhaus kommt, wird er das Gefühl haben, das Reingeistige zu verlassen. Die Menschen sind ziemlich urwüchsig. Aber der Katholizismus in Bayern ist schon eine lustige Religion. Saufen und beichten, eigentlich keine schlechte Lebenseinstellung.
Andechs ist also eine Reise wert. Welche Tipps geben Sie noch?
Auf jeden Fall zum Himalaja, in eine asiatische Großstadt und in den Bayerischen Wald. Dann hat man alle Extreme ausgekostet.
Und bei Ihnen? Was steht als nächstes auf dem Programm?
Die Reisen werden weitergehen, ich möchte auf jeden Fall nach Pakistan. In diese extrem islamischen Länder zu reisen, das ist sehr interessant.
Interessant, aber auch nicht ungefährlich.
Was Gefährliches machen wir nicht. Pakistan einfach mit dem Motorrad zu durchfahren ist keine gute Idee. Meine Reisen sind gut geplant.
Wird in Pakistan die Fortsetzung gedreht?
Der Film soll "Jenseits von Gut und Böse" heißen. Es geht um Moral - auch ein interessantes Thema. Und immer potenziell komisch.
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