Michael Wendler und Co.: Image-Killer Dschungelcamp

Endstation Dschungelcamp: Wenn sonst nichts mehr hilft, flüchten sich viele C-Promis in den australischen Busch, um ihre stockende Karriere wieder in Fahrt zu bringen. Bei den wenigsten Kandidaten ging dieser Plan bisher auf.

Klingt komisch, ist aber so: Zwischen Kakerlaken und Kamel-Penissen ließ sich schon so manche ins Stocken geratene Karriere auf Vordermann bringen. "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" mag noch immer als Auffangbecken für gescheiterte Promi-Existenzen gelten, manche Teilnehmer machte aber erst das Dschungelcamp so richtig berühmt. Mindestens genauso viele Kandidaten verschwanden nach überstandenen Dschungelprüfungen allerdings wieder in jener Versenkungen, aus der sie ein paar Wochen zuvor gekommen waren.

Obwohl sie in der ersten Staffel den zweiten Platz holte und auch ansonsten nicht dem klassischen "IBES"-Kandidaten entspricht, muss Kabarettistin Lisa Fitz (63, "Der lange Weg zum Ungehorsam") zu den Verlierern gezählt werden. Wegen ihrer Teilnahme verlor Fitz 2004 ihren Job als Moderatorin des traditionsreichen "Gesellschaftsabends" im Saarländischen Rundfunk. "Ihr Image als Kabarettistin hat mit der Teilnahme an der RTL-Dschungelshow stark gelitten", rechtfertigte SR-Intendant Fritz Raff (1948-2011) damals die Entscheidung. Fitz selbst sagte 2008 in einem Interview mit dem "Stern", dass es beruflich "nach dem Camp recht gut" gelaufen sei, allerdings gab sie auch zu: "In Sachen Kabarett hat die Dschungelcamp-Teilnahme an meinem Image gekratzt." Sie würde "aus beruflichen Gründen nie wieder" teilnehmen.

Die Karriere von Nadja Abd el Farrag befand sich 2004 bereits auf dem absteigenden Ast, als sie in den Dschungel zog. Sie schied frühzeitig aus, spendete einen Teil ihrer Gage an die Opferhilfe "Weißer Ring" und verschwand anschließend wieder von der Bildfläche. Richtig weg vom Fenster war nach seiner Teilnahme DJ Tomekk. 2008 flog er aus der dritten Staffel der RTL-Show, weil er auf einem Privatvideo mit Hitlergruß zu sehen war. Die Verantwortlichen nahmen ihn ohne Erklärung sofort aus der Sendung. Bis heute ist nicht mehr viel von dem Musiker zu hören.

Dass die ehemalige Miss Tagesschau Susan Stahnke (47) und Schauspielerin Julia Biedermann (47) überhaupt mal im australischen Dschungel zu Gast waren, könnte man glatt vergessen haben. Stahnke schaffte es nach dem Camp noch einmal, auf sich aufmerksam zu machen: durch eine für das Fernsehen aufgezeichnete Spiegelung ihres Dickdarms, als Werbung für Krebsvorsorge. Biedermann sorgte mit ihren Nacktbildern im Playboy für den schlechtesten Einzelverkauf seit 1995.

Nicht gerade karrierefördernd war das Camp auch für den Schweizer Sänger Patrick Nuo. Er bleibt vor allem für sein Pornosucht-Geständnis in ewiger Erinnerung. "Ich war so süchtig, dass ich bei den geilsten Frauen nichts mehr gespürt habe", sagte er vor laufenden Kameras. Besonders unglücklich verlief zudem der Dschungel-Trip von Allegra Curtis (48, "Ich und mein Vater") in der letzten Staffel. Die Tochter von Hollywood-Legende Tony Curtis (1925-2010) hatte das Format schlicht unterschätzt. Sie habe dort vor allem abnehmen wollen, erklärte sie danach in der Talkshow von Markus Lanz. Als "Kämpferin wie Lara Croft" habe sie dabei wirken wollen, wie sie der "Bunten" erzählte, daraus sei stattdessen die "Karikatur einer verwöhnten Hollywood-Göre" geworden. Curtis sei einfach "viel zu naiv an die Sache rangegangen".

Mehr Lacher als Beifall erntete letztes Jahr Schlagerstar Michael Wendler durch seine Teilnahme an der Sendung. Nicht nur sein ohnehin schon angekratztes Image wurde durch seinen vorzeitigen selbstgewählten Abschied weiter ramponiert. Auch seine Gage für Auftritte könnte sich laut eines anonymen Branchenkenners, der sich bei RTL äußerte, von 12.000 Euro auf 9.000 Euro pro Auftritt reduziert haben. Nicht wirklich gut lief es 2014 auch für Dschungelsoftie Mola Adebisi (40). Er hat nach eigenen Angaben durch die Sendung mehrere Geschäftspartner verloren.