Melika Foroutan ist großartig im ARD-Krimi „Begierde“

Szene aus „Begierde – Mord im Zeichen des Zen“: Taro (Aaron Le) ist offensichtlich auf der Flucht. Im letzten Moment können sich der Mönch und Louise Boni (Melika Foroutan) vor Unbekannten in einer Höhle verstecken.
Szene aus „Begierde – Mord im Zeichen des Zen“: Taro (Aaron Le) ist offensichtlich auf der Flucht. Im letzten Moment können sich der Mönch und Louise Boni (Melika Foroutan) vor Unbekannten in einer Höhle verstecken.
Foto: Willi Weber/ARD
Was wir bereits wissen
Der Krimi "Begierde – Mord im Zeichen des Zen" an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr im Ersten ist grandios. Was besonders an seiner Hauptdarstellerin Melika Foroutan liegt.

Essen.. Der Flachmann steckt immer in der Jacke, den Wodka im Wasserglas schüttet sie in der Kneipe auf ex herunter, den Vater, der doch endlich mal mit ihr über ihren toten Bruder reden will, schmeißt sie raus. Und obwohl der Alkohol die junge Polizistin so fest im Griff hat, sieht sie klarer als ihre Kollegen.

Louise Boni, deren Verstand wach ist, die in ihren schwankenden Stimmungen zwischen unnahbar und empfindsam für Freund und Feind, aber stets unberechenbar bleibt, ist indes nicht wieder irgendeine Kommissarin, der ein Drehbuchautor seelischen Ballast auf die Schultern lädt, weil das gerade in Mode ist. Was Melika Foroutan im Film „Begierde – Mord im Zeichen des Zen“ schauspielerisch aus dieser psychisch verletzten, aber dennoch rastlosen Ermittlerin herausholt, das ist auf spannende Art und Weise verstörend und von einer emotionalen Wucht, wie man sie in einem deutschen Fernsehkrimi nicht oft erlebt.

Blick in verfinsterte Seelen und gefährliche Begierden

Regisseurin Brigitte Maria Bertele und Drehbuchautorin Hannah Hollinger haben den Bestseller von Oliver Bottini zu einem Blick in verfinsterte Seelen und gefährliche Begierden verdichtet, zu einem düsteren, rauschhaften Traum, in dem manche der stark fotografierten Bilder beinahe surreal anmuten. Eine Prise Zen-Buddhismus als philosophische Würze kommt so spielerisch daher, dass man es nicht als aufdringlich empfindet.

ARD Schon zu Beginn setzt der Film eher auf Irritation als auf Erklärung. Und wer mit einem Krimi nur glücklich wird, der jede Frage abschließend beantwortet, der steuert hier ins Unglück.

Ein Mönch mit einer schweren Wunde am Kopf zieht unbeirrt durch Felder und Wälder, die Aachener Polizisten, die ihn befragen wollen, scheitern, er verschwindet, seine Existenz bleibt vorerst ein Rätsel. „Ich habe Angst in seinen Augen gesehen“, sagt Boni; tags darauf liegt aber nicht er tot im Wald, sondern einer ihrer Kollegen, ein anderer ist schwer verletzt und nicht ansprechbar. Spuren führen in ein fernöstlich geprägtes Kloster in der Nähe und zu einer dubiosen Kinderhilfsorganisation.

"Begierde" ist ein ungewöhnliches Seherlebnis

Dass die Polizistin im Alleingang ermitteln muss, verdankt sie dem Misstrauen ihres Chefs (Anian Zollner), dessen starrköpfige Haltung zu den wenigen Elementen gehört, die einem auch aus zahllosen anderen Krimis bekannt sind. Er suspendiert sie, aber ihr Antrieb, dem Geheimnis des Klosters und seiner Bewohner auf die Schliche zu kommen, ist ungebrochen.

Dabei folgt der Film keineswegs einer herkömmlichen Krimidramaturgie, sondern flüchtet sich in leise Beobachtungen und verzichtet auf den finalen Knalleffekt. Das muss man nicht mögen, aber wer sich drauf einlässt, wird mit einem ungewöhnlichen Seherlebnis belohnt.

Fazit: Ein verstörender Krimi-Alptraum, inhaltlich und vor allem formal deutlich über dem Fernsehdurchschnitt. Und eine grandiose Hauptdarstellerin.

ARD, Donnerstag, 5. Februar, 20.15 Uhr