Das aktuelle Wetter NRW 22°C
"Ich bin ein Star"

Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?

19.01.2009 | 13:26 Uhr
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?

Essen. Die unverhohlene Verachtung der Moderatoren gegenüber allen Kandidaten stößt Westropolis-Autor Ingo Juknat bitter auf. Er hat reingeschaut - jetzt fühlt er sich schlecht. Es ist sein letztes Mal, denn der Ekel, den er verspürte, hatte nichts mit Maden oder Ratten zu tun.

Hatten Sie schon mal das Bedürfnis, sich nach einer Fernsehsendung zu waschen? Ich ja. Die Sendung heißt „Dschungelcamp“. Ich habe sie aus beruflichen Gründen geguckt. Das stimmt wirklich. Ich sagte mir, so schlimm kann es nicht sein, immerhin hast Du schon mehrmals „Galileo“ auf Pro Sieben durchgehalten, das ist die unterste Sprosse der Niveau-Leiter. Dachte ich.

Die anderen Camper schicken Schramm in geheimer Abstimmung zur Dschungelprüfung "Telefonterror". (c) RTL

Der Ekel, den ich beim Dschungelcamp empfinde, hat nichts mit Maden und Ratten zu tun, auch nicht mit den Kandidaten. Dafür umso mehr mit Sonja Zietlow, Dirk Bach und den Leuten hinter dieser Sendung. Zum Vergleich: Selbst bei superzynischen Formaten wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Popstars“ gibt es eine kleine Zahl von Teilnehmern, die die Jury mit Respekt behandelt. Das Dschungelcamp hingegen basiert auf der unverhohlenen Verachtung für alle Kandidaten. Das ist ein Novum.

Um nur ein Beispiel aus der der 60minütigen Beleidigungskaskade herauszugreifen (es geht um Günther Kaufmann, der sich gerade mit Christina Lugner die Badewanne geteilt hat):

Zietlow: „Günther sieht als, als wollte er Mausi [Lugner] gleich niederschlagen und in den Dschungel tragen.“

Bach: „Jaja, Günther und die weiße Frau“.

Fehlte nur noch die Bemerkung, Kaufmann kenne sich im Dschungel als Schwarzer ja sicher aus. Damit war der Tiefpunkt der Sendung allerdings noch nicht erreicht. Es ging noch geschmackloser. Den Rauswurf von Muskelprotz Meziani quittierte Zietlow mit der Bemerkung, der Arme sei ja so abgemagert, dass man nur hoffen könne, die Rote Armee werde das Lager bald befreien.

Ein perverser Ehrenkodex hat sich durchgesetzt

Christina "Mausi" Lugner und Günther Kaufmann gehen auf die Schatzsuche "Badefreuden". (c) RTL

Der einzige Grund, an dieser Stelle weiterzuschauen, bestand für mich in der vagen Hoffnung, einer – irgendeiner! – der Kandidaten möge aufstehen, sich von seiner Verdrahtung befreien, die Kameras umschmeißen und nach Hause gehen. Dass das nicht passierte (und nicht passieren wird), ist das eigentlich Frustrierende am Dschungelcamp.

Dort hat sich ein perverser Ehrenkodex durchgesetzt, der darin besteht, jede Demütigung zu erdulden und als Grenzerfahrung umzudeuten. Stolz berichtete Zietlow gestern, dies sei die erste Dschungelcamp-Staffel, in der keiner der Kandidaten freiwillig gegangen sei oder eine der Prüfungen abgelehnt habe. Diese an sich niederschmetternde Nachricht wurde von den Kandidaten mit stolzen „ahhs“ und „ohhs“ aufgenommen.

Unterschrift geleistet, Pech gehabt

Das Standardargument, das für Sendungen wie das Dschungelcamp (aber auch sämtliche Castingshows) vorgebracht wird, lautet, dass die Kandidaten freiwillig mitmachen und wissen, worauf sie sich einlassen. In derselben Logik müsste es erlaubt sein, über einen brüchigen Eissee zu gehen oder auf Hochspannungsmasten zu klettern. In der Regel stehen dort aber Verbotsschilder. Sie drücken einen gesellschaftlich-moralischen Konsens aus: dass es nämlich Fälle gibt, in denen man Menschen vor sich selbst schützen muss. Genau diesen Konsens brechen Sendungen wie das Dschungelcamp. Die Kandidaten sind Freiwild – Unterschrift geleistet, Pech gehabt.

Es geht hier zwar nicht um Leben und Tod. Dennoch muss man fragen, ob eine Sendung, deren Alleinprinzip (mit Betonung auf „Allein-“) in der Folter und Lächerlichmachung ihrer Kandidaten besteht, eine Existenzberechtigung hat. Ich sage auf jeden Fall, bye-bye, Dschungelcamp. Für mich war's das.

Mehr zum Thema:

Ingo Juknat

Facebook
 
Kommentare
19.01.2009
21:17
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von derbundesadler | #39

...der alter-Schwede verkennt, dass RTL Marktführer ist und der Eigentümer Bertelsmann ein sehr seriöses deutsches Unternehmen ist.
Liz Mohn hat schon ein Auge auf den Sender.
25 Jahre RTL sind gute Jahre für die TV Landschaft.
Beispiele für den Ekelsender
Stern TV mit Gnther Jauch,
Nachrichten mit Kloeppel, beste Sendung 9/11
CSI Import aus USA/Canada,
Die CL Berichterstattung in den 90, als Reif ncoh normal war,
(Grimme Preis für Jauch und Reif),
Formel 1 mit Schumi,
Frontman Henri Maske,
...für junge leute GZSZ seit gefühlten 20 Jahren
Etwas mehr Ausgewogenheit tut immer tut
..alter-Schwede

19.01.2009
20:20
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von Allgemeinwissen | #38

Peter Bond

Künstlerische Laufbahn
Peter Bond, der auch ausgebildeter Sänger ist, wirkte als Schauspieler in zahlreichen Fernsehproduktion mit, darunter die ZDF-Serie Hoffmann & Cupovic, Am Ufer der Dämmerung, Der Western leuchtete, Aktenzeichen XY … ungelöst und in der Daily Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. In den 1970er Jahren war Bond in Pornofilmen zu sehen.[2]

Ab 1988 moderierte Bond die tägliche Gameshow Glücksrad im wöchentlichen Wechsel mit Frederic Meisner auf Sat.1. Beim Wechsel der Show zum Sender kabel eins wurde Bond als Moderator nicht mit übernommen. Von 1994 bis 1996 präsentierte er zusammen mit Frederic Meisner Die goldene Schlagerparade.

Anfang 2006 äußerte Bond, dass er ab dem 1. Februar 2006 Arbeitslosengeld II beziehe und in München in einem Zimmer zur Untermiete wohne.[3][4] Im April 2006 übernahm er die wiederkehrende Rolle eines Gerichtsmediziners in der Krimiserie Der Alte.[4] Im Januar 2009 nahm Bond an der Fernsehshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (RTL) teil und verließ die Sendung als Zweiter.[5]


Politische Laufbahn
Peter Bond war politisch aktiv und engagierte sich für die FDP. 2002 kandidierte er für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis 012 Wismar – Nordwestmecklenburg – Parchim.[6] Er errang 7060 der Erststimmen, was 4,7 Prozent der gültigen Stimmen entsprach.[7] Dabei wiederholte er das Konzept aus dem Drehbuch des kurze Zeit vorher entstanden Spielfilms Der Kandidat. In dieser satirischen Pseudo-Doku, in der Peter Bond sich selbst spielte, wird er von einer PR-Agentur erfolgreich zum Kanzlerkandidaten gemacht. Der Kandidat hat darin kein Programm, dafür aber viel Charisma.[8]

19.01.2009
20:11
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von Der Schüler | #37

Jeder Bericht und Kommentar eines Schreiberlings ganz gleich welcher Zeitung oder Agentur sollte vollständig sein.

Dazu gehört insbesondere, dass auf die Gagen, zwischen 20000,oo und 60.000,00 und die kostenlose Urlaubsgestaltung außerhalb des Camps hingewiesen werden sollte,
Außerdem können sich Anschlusshonore für die kanditaten bis zu 200.000,00 ergeben.

Somit bleibt es jedem selbst überlassen, welche Verträge geschlossen und eingehalten werden.

19.01.2009
19:32
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von regen-sonne | #36

Kommentare von Zietlow/ Bach mögen diskriminierend sein:
„Günther sieht als, als wollte er Mausi [Lugner] gleich niederschlagen und in den Dschungel tragen.“ Bach: „Jaja, Günther und die weiße Frau“.
Aber:
1.) Jeder der Promis könnte jederzeit gehen. Aber sie bleiben freiwillig.
2.) Diskriminierung gibt es überall. Z.B. Blondinenwitze werden überall, auch öffentlich, vorgetragen und keiner regt sich deswegen auf, im Gegenteil, alle lachen darüber, obwohl sie negative psychische Auswirkungen bei den Betroffenen haben und die Leistungsfähigkeit ebenso negativ beeeinflussen. Sie sind genauso dikriminierend wie, z.B. Witze, zynischeBemerkungen über Schwarze. Dann gibt es die Ostfiesen-, Ossi-, Behinderten,- usw. -witze. Jeder sollte sich erst mal an die eigene Nase fassen, weil jeder in irgendeiner Form: zuhause, am Arbeitsplatz, etc. abfällig über andere spricht und diskriminiert.
Und außerdem: niemand muss diese Sendung sehen. Auch das Zuschauen ist freiwillig. Und doch zerreißt sich gerade der das Maul, der behauptet, die Sendung sei total unter seinem Niveau. Erstaunlich nur, dass gerade diejenigen über diese Sendung so gut bescheid wissen, die mit erhobener Nase, abfällig auf die anderen blicken, die nicht von sich zu behaupten wagen, etwas besseres zu sen. Und wer behauptet das zu sein, diskriminiert er nicht schon im gleichen Atemzug?

19.01.2009
17:43
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von Seajak | #35

Ich weiß nicht was ihr euch aufregt .

Es gibt einen Aus- Umschalter am Fernsehapparat . Wenn ihr den benutzt merk RTL sehr bald das sowas scheißfernseh ist. Dann wird es halt abgesetzt .

Aber wie ich die Macher von RTL kenne , haben die noch ne Menge weiteren Unsinn in ihrer Schublade.

19.01.2009
17:21
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von kopfschüttelnd | #34

Diese Sendung ist Menschenverachtend. Da kann man den Reich nur verstehen, dass er den Fernsehpreis ablehnt, mit sowas stellt sich wohl keiner auf eine Stufe, das wäre nur peinlich... Haben wir nicht schon genug Arschlöcher auf der Welt, die uns das Leben shwer machen, muss diese Menatalität auch noch im TV weitergeführt werden?

19.01.2009
17:21
Blockierter Kommentar.
von Beatrix.Gutmann | #33

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.01.2009
17:21
Blockierter Kommentar.
von Beatrix.Gutmann | #32

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.01.2009
17:17
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von DirkZietlow | #31

Nein, son ****** gucke ich mir nun wirklich nicht an. Meinetwegen könnt Ihr ja alle bei Kakerlaken-Bädern etc zusehen, ich werde da auch kein Verbot fordern. Aber mit der Kritik an dieser Sendung müsst Ihr einfach leben. Dass diese Sendung unterstes Niveau ist (sofern man dieses Wort in dem Zusammenhang überhaupt benutzen darf), ist ja wohl unbestritten. Aber es ist ja nichts Neues. Früher gabs Gladiatorenkämpfe, auf den Jahrmärkten wurden verkrüppelte Menschen ausgestellt etc. Wie gesagt, alles schon mal dagewesen. Nur die Illusion, dass die Menschheit sich weiterentwickelt hat, wird einem leider genommen.

19.01.2009
17:12
Mein letztes Dschungelcamp - Betreten auf eigene Gefahr?
von Tommynator | #30

Ich bin gerade am überlegen, was ich witziger finde: Die Show oder die Sammlung von Kommentaren, die teilweise noch deutlich menschenverachtender sind. Schon Nr 5 zückt das Totschlag-H4-Arguement :-)

Gibt es eigentlich eine neue Abwandlung des Godwyns Law?

Herrlich, wie sich die ach so elitäre Volkseele erzürnen kann.

Grüße, ich bin dann mal wieder Unterschichten Fernsehen gucken....

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1388871/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Roman Lob in Baku
Bildgalerie
ESC 2012
ESC-Delegations-Party
Bildgalerie
ESC 2012
Aus dem Ressort
Schweden gewinnt ESC - Engelke kritisiert Regime in Baku
ESC
Viel Pomp, ein Durchmarsch der Favoritin und Kritik am Regime in Aserbaidschan: Der ESC in Baku ist am Samstagabend mit einem überlegenen Sieg der Schwedin Loreen zu Ende gegangen. Moderatorin Anke Engelke richtete bei der Punktevergabe deutliche Worte in Richtung der Regierung Aserbaidschans.
Foto Text 7 Kommentare 7
"Monpti" - eine Hommage an die große Romy Schneider
Fernsehen
30 Jahre nach ihrem Tod widmet 3sat der großen Schauspielerin ein Filmreihe. „Sissi“ ist nicht dabei, aber die Reihe spiegelt die Schaffenskraft wider. Los geht es am Sonntagabend mit „Monpti“, einem Film aus den 50er Jahren.