Medienwächter werfen DSDS menschenverachtende Methoden vor

Vor allem "DSDS" mit Oberjuror Dieter Bohlen genießt bei der Landesanstalt für Medien keinen guten Ruf.
Vor allem "DSDS" mit Oberjuror Dieter Bohlen genießt bei der Landesanstalt für Medien keinen guten Ruf.
Foto: dapd
Verheizung der Gesangstalente, Ausschlachtung ihres Privatlebens: Die Landesanstalt für Medien übt massive Kritik an Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Popstars". Besonders im Fokus steht Dieter Bohlen. Ein Ex-DSDS-Kandidat urteilt: "Der hat menschlich nichts auf der Kante."

Essen.. Die NRW-Landesanstalt für Medien (LfM) äußert massive Kritik an den deutschen Castingshows. Vor allem die RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) bediene sich oft menschenverachtender Methoden, behaupten die Rundfunkwächter. "Einige Teilnehmer werden gezielt lächerlich gemacht", sagte LfM-Direktor Jürgen Brautmeier Dienstag während einer Fachtagung in der Essener Philharmonie.

Kritik an Castingshows ist nicht neu. Ungewohnt ist indes der Aufwand, mit dem die Landesanstalt an dem Format herummäkelt. Im Zuge der Tagung präsentierte die LfM neben einer wissenschaftlichen Studie über die psychischen Folgen, die eine Teilnahme an solch einer Musikersuche für junge Menschen haben kann, auch prominente Ex-Absolventen.

"Man kann bei DSDS niemandem trauen"

Einer der Ehemaligen ist David Pretters. Der 25-Jährige schaffte es 2012 in der neunten DSDS-Staffel in den "Recall". Später machte er auf sich aufmerksam, weil er RTL Nötigung vorwarf: Unter anderem soll der Sender ihn aufgefordert haben, eine homosexuelle Beziehung zu einem Mitkandidaten vorzutäuschen, sonst fliege er aus der Show. Petters ist noch immer schlecht auf DSDS zu sprechen: "Man konnte dort niemandem vertrauen. Wenn man sich bei Redakteuren oder anderen Kandidaten ausgeweint hat, war das oft am nächsten Tag im Fernsehen."

Der Psychologe Michael Thiel, der die Kandidaten bei "The Voice of Germany" (Pro Sieben) betreut, nutzte die Podiumsdiskussion zu einem harten Seitenhieb auf die RTL-Konkurrenz. Mit Blick auf die gängige Meinung, seine Show gehe relativ verantwortungsvoll mit jungen Menschen um, sagte er: "Ich bin so froh, dass The Voice DSDS mal so richtig den Hintern versohlt hat, auch quotenmäßig."

Im Zentrum der Kritik steht Dieter Bohlen

Er räumte aber ein, dass bei Castingshows nicht die Entwicklung eines Gesangstalents im Vordergrund stehe: "Das ist kein menschenfreundliches Business. Es geht ums Geschäft."

Auch wenn in den Medien immer wieder über das schleichende Ende des Formats spekuliert werde, übe ein Casting nach wie vor eine große Faszination aus. Viele hätten nichts dagegen, im Rahmen der Dramaturgie in eine bestimmte Charakter- Schublade gesteckt zu werden, und sagten sich: "Lieber ein berühmtes Schwein als ein unbekanntes Nichts."

Eines hatten die Funktionäre der Landesanstalt, die Autorinnen der Studie und die ehemaligen Teilnehmer gemeinsam: große Abneigung gegen DSDS-Chefjuror Dieter Bohlen. "Menschlich", so David Pretters, "hat der nichts auf der Kante. Es ist verrückt, dass man Leuten wie Bohlen diese Plattform überhaupt gibt."

Thomas Stein weist Kandidaten Mitverantwortung zu

Da die Produktionsfirma Grundy LE ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte, war es Thomas Stein überlassen, das Prinzip Castingshow zu verteidigen. Der Musikproduzent und ehemalige DSDS-Juror erklärte, die Kandidaten trügen selbst Verantwortung für ihr Handeln. "Solche Sendungen werden gemacht, um Leute zu unterhalten, und zwar von Leuten, die unterhalten wollen. Mit 18 darf man ja auch schon am Straßenverkehr teilnehmen. Da kann man auch nicht bei Rot über die Straße gehen und dann dem Auto die Schuld geben, wenn man überfahren wird."DSDS

Immerhin, die Entwicklung scheint positiv zu sein. In den aktuellen Staffeln gingen die Produktionsteams besser mit den Kandidaten als noch zu Beginn der Castingshow-Welle vor 13 Jahren, sagte LfM-Aufseher Holger Girbig: "Wir sind mit den Sendern in Kontakt, die sind durchaus gesprächsbereit."