„Masserberg“ – große geniale Gefühle
18.05.2010 | 16:29 Uhr 2010-05-18T16:29:00+0200
Essen.Verschärfte Anerkennung, MDR. Der kleine Sender hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebenswirklichkeit der Menschen in der DDR nachzuzeichnen. In „Masserberg“ (ARD, 20.15 Uhr) geht es allerdings weniger um Stasi-Repressalien und Fluchtversuche. Es geht vor allem um die Gier nach Leben. Und um Liebe.
Thüringer Wald, 1984. Hoch oben auf dem Rennsteig liegt Masserberg, eine Augenklinik, die für viele Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates die letzte Chance ist, nicht zu erblinden. Zu ihnen zählt die 19-jährige Melanie (Anna Fischer), die alle nur Mel nennen. Sexy, schrill und aufgebrezelt, eine Provokation für den Staatsapparat und deshalb verdächtig. Aber zugleich mitfühlend und fürsorglich den anderen Patienten gegenüber. Sie leidet an einer schweren Augenkrankheit, die ohne teure Therapie nicht heilbar ist.
Der neue Arzt kommt aus Kuba. Doch Carlo Sanchez (Pasquale Aleardi) zahlt einen hohen Preis dafür, dass er nach dem Studium in der befreundeten DDR nicht gleich wieder zurück in Fidels Reich musste. Die Stasi hat ihn am Gängelband, zwingt ihn zum Verrat. Und dazu, auf die Melanie – sorry – ein Auge zu werfen. Das macht der smarte Dottore dann auch. Aber anders, als sich das sein Führungsoffizier Schmidt (Oliver Breite) vorgestellt hat. Mel und Carlo verlieben sich, sie wird schwanger. Dabei hat der smarte Mediziner ja gerade erst seine linientreue Ehefrau Tinka (Maria Simon) in frohe Erwartung versetzt. Die Stasi erhöht den Druck, die Gattin erleidet eine Fehlgeburt. Und der Chefarzt Dr. Studer (Jürgen Heinrich) verweigert Mel einen wichtigen Test. Alle Zutaten für die Katastrophe liegen bereit.
„Masserberg“ heißt auch der Roman von Else Buschheuer. Natürlich tuckern Trabis und Wartburgs über den Rennsteig und die Stasi ist immer dabei. Doch längst nicht so perfide wie in „Das Leben der Anderen“ oder so satirisch wie in „Good bye Lenin“. Regisseur Martin Enlen hat bei der Umsetzung der Vorlage auf die großen Gefühle gesetzt und mit der Grimme-Preisträgerin Anna Fischer eine geniale Protagonistin gefunden, die als eines der größten Talente Deutschlands gilt.
Zeitreise zurück
Jürgen Heinrich war schon in der DDR ein Star, Maria Simon, 1976 in Deutschland-Ost geboren, verbrachte mit ihrer Tante Wanderurlaube in Massenberg und erlebte – umgeben vom alten DDR-Interieur – vor einem Jahr bei den Dreharbeiten eine Art Zeitreise. Ein sehenswerter Film, gut besetzt.
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