Martin Luther - Arte zeigt Dokumentation über den Reformator

Durch die Veröffentlichung seiner berühmten 95 Thesen legt sich Martin Luther (Alexander Beyer) mit dem Vatikan an.
Durch die Veröffentlichung seiner berühmten 95 Thesen legt sich Martin Luther (Alexander Beyer) mit dem Vatikan an.
Foto: MDR/makido film
Was wir bereits wissen
Die katholische Kirche war vor 500 Jahren auf einem Höhepunkt ihrer Macht. Widersacher bekamen das deutlich zu spüren. Auch Martin Luther. Arte will das in "Strafsache Luther" modern erzählen, übertreibt es aber zuweilen.

Hamburg/Berlin.. 2017 ist ein Jubiläumsjahr. Dann werden 500 Jahre Reformation gefeiert. Aus diesem Anlass wird etwas Ungewöhnliches geschehen. Am Dienstag, 31. Oktober 2017, wird nicht nur in den fünf östlichen Bundesländern, sondern bundesweit Feiertag sein.

Kirchentag Martin Luther soll am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zu Ablass und Buße am Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben - eindeutig bewiesen ist das bis heute nicht. Der Ablasshandel steht nun im Mittelpunkt der Dokumentation "Strafsache Luther", die an diesem Samstag, 6. Juni, auf Arte zu sehen ist.

Ablasshandel bedeutete, dass die Erlösung von einer Sünde durch einen Ablass in Form einer Geldzahlung an die Kirche möglich war. Luther vertrat jedoch die Ansicht, dass der Sündenerlass bereits durch das Opfer Jesu am Kreuz geschehen sei. Es ging ihm dabei weniger um die umstrittenen Finanzpraktiken der römischen Kirche als vielmehr um die verkehrte Bußgesinnung, die mit dem Ablasshandel zum Ausdruck kam.

Seine Thesen waren kurz und knapp formuliert und damit sehr modern, um möglichst viel Öffentlichkeit zu erzeugen. Nachdem Luther seine Thesen zunächst in Briefform an mehrere geistige Würdenträger im Reich zugesandt, aber keinerlei Antwort erhalten hatte, soll er sie an die Kirchentür des Universitätsstädtchens genagelt haben. Wie auch immer: Mit dieser schier ungeheuren Herausforderung leitete Luther die Reformation der Kirche ein.

Martin Luther legt sich mit Papst an

Martin Luther (1483-1546) war ein Theologieprofessor, ein Visionär, ein Macher und ein mutiger Mann - und ein Mönch seiner Zeit, der sich engagiert mit seinem Glauben und mit seiner Kirche auseinandergesetzt hat.

Und der sich mit Papst Leo X. in Rom angelegt hat, dessen Autorität er ebenso massiv infrage gestellt hat wie die Macht der geschäftstüchtigen Kirche. Und so konnte der Vatikan denn auch mit großem Nachdruck verkünden, dass Luther widerrufen müsse.

Doch er weigerte sich mehrfach, zuletzt 1521 vor dem Reichstag zu Worms mit den Worten: "Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen." Er wurde daraufhin auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt.

Kulturgeschichte Mit seinen Predigten, Schriften und vor allem mit seiner Bibelübersetzung, der Lutherbibel, hat Luther die von der reformunwilligen römisch-katholischen Kirche dominierte Gesellschaft nachhaltig verändert. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht kam es jedoch zu einer Kirchenspaltung und zur Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und einiger anderen Richtungen des Protestantismus. Der Kirchenbann gegen Luther ist übrigens bis heute nicht aufgehoben.

Dies alles wird im viel zu kurzen Film nur angerissen, aber ob Luther deshalb ein Ketzer war, klärt der Film leider nicht. Immerhin geht er der nicht minder spannenden Frage nach, ob der Papst und seine Bischöfe nicht eine Spaltung der Kirche hätten verhindern können, indem sie einfach klarer und eindeutiger mit Luther kommuniziert hätten.

Comedy-Elemente und schneller Schnitt prägen Luther-Doku

Die beiden jungen Autoren Thomas Furch und Florian Kröppel decken also ziemlich innovativ, aber doch nahezu nebenbei ein damaliges PR-Desaster auf. Natürlich haben sie auch in vatikanischen Archiven nachgeforscht und allerhand Fachleute befragt. Damit das Ganze nicht gar zu dröge wirkt, haben sie ihren Film teilweise wie einen Krimi inszeniert und bedienen sich durchweg einer sehr lockeren Sprache, die stellenweise schon an Satire grenzt.

Hinzu kommen kleine Spielszenen mit Schauspielern (Alexander Beyer als Luther), die im Zug fahren, mit dem Laptop arbeiten und Musik über Ohrstöpsel hören - alles also schon nahezu hypermodern. Luthers Anhörung in Augsburg (1518) wird als Schauprozess mit Reporterin dargestellt.

Comedy-Elemente und ein schneller Schnitt sorgen dafür, dass der Zuschauer nahezu atemlos durch den Film gezogen wird. Insbesondere für jüngere Zuschauer mag das okay sein - frei nach dem Motto: War ja 'n cooler Typ, der olle Luther. Heute hätte er seine Thesen vermutlich ins Internet gestellt. (dpa)

Samstag, 6. Juni, Arte, 20.15 Uhr