Mannis Krönung
11.05.2007 | 01:22 Uhr 2007-05-11T01:22:37+0200Manfred Breuckmann kommentiert heute auf WDR 2 den Fußballhit Schalke gegen Dortmund.Der Radioreporter mit einem Herz für Königsblau ist tatsächlich nervöser als sonst . . .
Essen. Dortmund gegen Schalke. Vermutlich acht Millionen Hörer, etwa doppelt so viele wie sonst, fiebern heute mit, wenn "die Stimme des Westens" auf WDR 2 bei "Liga Live" Emotionen aus dem Pott rüberbringt. Zuvor sprach Manfred Breuckmann mit WAZ-Redakteur Ralf Ritter.
Hand aufs Herz: Schlägt Ihres heute königsblau?
Breuckmann: Ich bin innerlich für Schalke. Viele wollen es ja nicht verstehen, aber ich kann differenzieren am Mikro. Ich bin Journalist, es wäre eine Todsünde, Partei zu ergreifen. Ich bin eher wie der Vater, der mit seinem Lieblingssohn kritischer umgeht und bestimmt kein Jubelarien-Absonderer.
17.17, 17.18 Uhr, Schalke ist Meister. Dann aber doch: "Mannis Jubelarien"?
Breuckmann: Ich würde sicher nicht auf Deubel-komm-raus versuchen, besonders originell zu sein. Ich würde Meisterjubel rausbrüllen, klar. 2002 oder 1995, als Dortmund Meister wurde, habe ich auch geschrien wie am Spieß. Wenn bei 80 000 im Stadion die Post abgeht, kann ich gar nicht anders. Damals haben mir im Ernst Schalke-Fans vorgeworfen, warum ich mich da so gefreut hätte. Furchtbar.
Die Spannung steigt. Nervös?
Breuckmann: Ich bin etwas angespannt, überhaupt nicht locker. Ich glaube, ich brauche Baldrian. Das Spiel hat einfach was von Fußball-WM, wenn's in die K.o.-Spiele geht.
Wie bereiten Sie sich vor?
Breuckmann: Heute praktisch gar nicht. Ich werde wie immer 50 Seiten Statistik bekommen, das meiste kann ich diesmal in die Tonne kloppen. Zu viel Statistik ist eh schädlich.
Sicher, die Konferenz lebt von Emotionen - oder warum ist die Sendung ein Dauerhit?
Breuckmann: Von der Dramaturgie her ist die Schluss-Konferenz nicht zu toppen. Der Hörer muss sich Bilder im Kopf machen. Im Fernsehen schreit einer "Tor", wenn du längst Spieler siehst, die sich jubelnd umarmen. Im Radio bringen wir das authentischer rüber.
Wobei man den Eindruck hat, dass mittlerweile manche auch bei Grottenkicks etwas arg am Rad drehen . . .
Breuckmann: Das kann ich nicht bestätigen, auf mich trifft das keinesfalls zu. Wenn ein Spiel schlecht ist, ist es eben schlecht, das sage ich auch so.
Hat sich denn viel verändert seit Ihrer Premiere?
Breuckmann: Vor allem sind die Einblendungen vor der Schlusskonferenz viel kürzer geworden. Früher bekamen wir zwei, drei Minuten, heute hat man 45 Sekunden, exakt nach Plan, das ist ja eine reine Uhrguckerei. Grausam.
Auf den Zeiger ging Ihnen nach Ihrem Zweijahres-Ausflug zu "Sport im Westen" im WDR-Fernsehen wohl auch die Moderation vor Kameras.
Breuckmann: Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, mich inszenieren zu lassen. Das fing damit an, dass ich Sonntagmorgens mit dem Gedanken aufstehen musste, welche Klamotten ich anziehe. In der Sendung sagst du einen Satz in Kamera 1, drehst dich nach rechts, sagst einen Satz in Kamera 2. Das ist wie eine Fessel. Ich bin Hörfunk-Mensch.
. . . seit 35 Jahren - wäre Schalkes Titel in Dortmund auch für Sie die Krönung?
Breuckmann: Es gibt viele große Spiele, die ich kommentiert habe. Schalkes Uefa-Cup-Sieg gegen Mailand, Dortmunds Champions-League-Sieg gegen Juventus . . . Aber wenn die Schalker wirklich Meister werden - das hat sicher was.
Und, werden sie es?
Breuckmann: Heute nicht, ganz sicher. Mein Tipp ist: Schalke gewinnt in Dortmund 2:1, Bremen gegen Frankfurt 2:0, Bochum spielt 1:1 gegen Stuttgart. Also alles offen.
Offen bis nächste Woche, wenn Sie Schalke gegen Bielefeld kommentieren. Feiern Sie denn mit, im Meisterfall?
Breuckmann: Aber hundertprozentig. Ich habe ein Zimmer für mich und meine Frau Susanne in einem Hotel gebucht, direkt an der Arena. Für diesen und nächsten Samstag."45 Sekunden, das ist eine reine Uhrguckerei. Grausam"
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