"Leben im Todestrakt" - Kabel eins zeigt schaurige Doku

Studenten haben mit der Kamera die Geschichte von verschiedenen Leuten  dokumentiert, die in den USA auf ihre staatlich angeordnete Tötung warten.
Studenten haben mit der Kamera die Geschichte von verschiedenen Leuten dokumentiert, die in den USA auf ihre staatlich angeordnete Tötung warten.
Foto: Paul Buck/dpa
Was wir bereits wissen
Die Todesstrafe existiert in Deutschland seit 1949 nicht mehr. In den USA gibt es sie noch in 34 Bundesstaaten. Und sie sorgt noch immer für Aufsehen.

Berlin.. Lebenslang ohne Bewährung kommt man hierzulande in aller Regel hinter Gitter, wenn man eine besonders schwere Straftat (meistens Mord) begangen hat. In den USA kann die Todesstrafe verhängt werden, nur 18 (von 52) Bundesstaaten haben sie abgeschafft.

Im Jahr 2013 wurden dort 79 Menschen zum Tode verurteilt, 39 von ihnen wurden hingerichtet. Der leichte Rückgang der Hinrichtungen (es sind 45 pro Jahr im Durchschnitt) ist zum Teil auf 'technische' Probleme zurückzuführen: mehrere Bundesstaaten konnten die für die Exekution per Giftspritze nötigen Substanzen nicht erwerben.

Sie werden in Europa produziert, einige Regierungen haben jedoch den Export in die USA zur Vollstreckung der Todesstrafe verboten. Daher wird in mehreren Bundesstaaten überlegt, ältere Hinrichtungsarten wieder einzuführen: Tod durch Erhängen, die Gaskammer oder den elektrischen Stuhl.

Richard Cobb wurde mit der Giftspritze getötet

Soweit zu den Fakten. In der dreiteiligen Dokumentation "Leben im Todestrakt", die an diesem Dienstag ab 22.55 Uhr auf Kabel eins zu sehen ist, werden drei sehr junge Kandidaten aus Texas vorgestellt, die in der Todeszelle sitzen.

Strafrecht Richard Cobb hatte - gerade 19 Jahre alt - eine Tankstelle überfallen und drei Menschen entführt, einer davon starb; verurteilt wurde er wegen dreifachen versuchten Mordes, die Hinrichtung mittels Giftspritze ist erfolgt.

Er war ein hübscher Junge (was man auf Fotos erkennen kann), wovon nicht mehr viel zu sehen ist. Er sagt schwer seufzend vor der Kamera, dass es ihm leid tue: "Aber naja - ich will mich nicht herausreden, und ich kann es nicht rückgängig machen."

Polizistenmörder droht die Hinrichtung

Auch Anthony Haynes ringt sichtlich mit sich; der nette schwarze Junge ist ein Polizistenmörder - etwas Schlimmeres gibt es in den USA kaum. "Es geht doch immer um die eigene Vergangenheit", sagt er im Film.

Auch er bereut seine Tat und verweist auf seinen Gottesglauben: "Es tut mir unendlich leid." Seine Hinrichtung wurde aufgeschoben, er wartet auf die Prüfung des Verfahrens - die Strafe könnte in lebenslänglich umgewandelt werden, die Hinrichtung könnte aber auch jeden Tag neu angesetzt werden. Diese quälende Ungewissheit ist ebenso furchtbar wie der Prozess gegen Guy Heinze (22) - er soll acht Mitglieder seiner Familie erschlagen haben.

Studenten kämpfen für verurteilte Mörder

Die Autoren der drei Filme sind Jurastudenten der "Death Penalty Clinic" in Houston, Texas. Sie arbeiten freiwillig ein Semester lang daran, die Todesstrafe von verurteilten Mördern in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln. Dabei müssen sie nachweisen, dass das Gericht etwa mildernde Umstände nicht berücksichtigt oder die Polizei nachlässig ermittelt hat.

Anklage Im Zuge ihrer Arbeit sprechen sie sowohl mit Angehörigen der Verurteilten als auch mit denen der Opfer - also mit Eltern, Geschwistern, Nachbarn. Diese gefilmten Gespräche sind auszugsweise in der Doku zu sehen - beispielsweise das mit Nikki Daniels, die von Richard Cobb vergewaltigt worden war und nun mit ihrer kleinen Tochter zu seiner Hinrichtung fährt und dabei mit ihr darüber diskutiert, ob die Todesstrafe denn richtig sei.

Das ist schon harter Tobak, der obendrein noch mit unschönen Fotos der Tatorte (die teilweise auch aufgesucht werden) und der übel zugerichteten Opfer angereichert wird - auch aus erschütternden Vernehmungsprotokollen wird zitiert, oder es werden Aufnahmen der Zellen und Todespritschen gezeigt.

Dazwischen gibt es auch Bilder von demonstrierenden Gegnern der Todesstrafe, die sich allerdings in der Minderheit befinden. Denn die Mehrheit der US-Amerikaner (deutlich über 60 Prozent) ist für die Todesstrafe. (dpa)