Krupp - im falschen Film
10.03.2009 | 07:28 Uhr 2009-03-10T07:28:00+0100
Essen. Aus der politisch und menschlich packenden Geschichte der Industriellen-Dynastie macht Produzent Oliver Berben ein Mutter-Sohn-Psychodrama, das dem Potenzial des Stoffes nicht gerecht wird. Ende März läuft der Dreiteiler im ZDF.
Schon diese Episode hätte stutzig machen können: Die Dreharbeiten waren in vollem Gang, Produzent Oliver Berben hatte Journalisten in die Film-Studios nach Bottrop gebeten und tischte auf Nachfrage erst mal eine kleine Legende auf. Nein, er habe seinen Krupp-Film gar nicht in der Villa Hügel drehen wollen, die sei ja Außen wie Innen (!) komplett verändert, daher ungeeignet. Das klang unglaubwürdig und tatsächlich: Berben und Regisseur Carlo Rola, heißt es bei Krupp, hätten sehr wohl gewollt, doch Berthold Beitz erwartete nichts Gutes und versagte die Drehgenehmigung. Wie richtig der alte Fuchs damit lag, macht der fertige Film deutlich. Das viereinhalbstündige Epos, das Ende März an drei Abenden im ZDF läuft, ertrinkt in Psycho-Kitsch und banalen Mono- wie Dialogen und schert sich wenig um historische Genauigkeit. Das Phänomen Krupp mit all seinen Licht- und Schattenseiten wird eher verkleistert denn erhellt.
Der Film behandelt die Zeit von ca. 1900 bis 1967 - wahrhaftig eine Epoche, in der die Krupps „eine deutsche Familie” waren, wie es im Untertitel des Films heißt. Kein Unternehmen war so eng verwoben mit den deutschen Höhenflügen und den Katastrophen, kaum eine andere prominente Familie hat derart intensiv die Folgen ihrer Staatsnähe zu spüren bekommen - Tod und Haft inklusive. Um diesen überaus ergiebigen Stoff erschöpfend zu erzählen, bedarf es Zeit. Zeit, die der Film hat, doch leider überwiegend verschwendet. Und zwar für ein „klaustrophobisches Familiendrama”, wie der Branchendienst „teleschau” treffend feststellt.
Lange, erfundene Monologe
Im Mittelpunkt des Films steht der Mutter-Sohn-Konflikt zwischen Bertha Krupp von Bohlen und Halbach und ihrem Sohn Alfried, dem fünften und letzten Alleininhaber, wenn man so will: dem letzten Krupp. Alfried, geboren 1907, war als Erstgeborener durch eine zeittypisch strenge Erziehung auf seine Aufgaben vorbereitet worden, und auch als Erwachsener versuchten die Eltern sein Leben zu bestimmen - etwa bei der Wahl der Ehefrau.
Der Konflikt ist verbürgt, doch was der Film daraus macht, ist heillos übertrieben: In langen, erfundenen, meist gestelzt wirkenden Monologen lamentiert Bertha, dargestellt von Iris Berben, über das Krupp-Sein an sich, den Ärger mit ihrem Sohn und den Undank der Welt. Weil die Rollen-Dramaturgie und die Generalthese des Films es erfordern, müssen Bertha und ihre Mutter Margarethe Krupp (Barbara Auer) zu wahren Familien-Drachen aufgedonnert werden, was sie nicht waren. Berthold Beitz, der die 1957 gestorbene Patriarchin Bertha noch kannte und schätzte, hat diese Verfälschung im NRZ-Gespräch heftig bedauert.
Der Film-Beitz wirkt wie ein blasser Buchhalter
Bei Alfrieds Bruder Berthold von Bohlen leistet sich der Film sogar die Freiheit, einen, soweit man weiß, noblen Charakter in eine schmierige Gestalt umzudichten. Beitz selbst wirkt wie ein blasser Buchhalter, der vom schneidigen Alfried im „Erstens, zweitens, drittens”-Stil Bescheid bekommt. Abgesehen davon, dass der Film-Beitz eine schauspielerische Fehlbesetzung ist, gelingt es nicht, dieser subtilen Männer-Freundschaft auch nur annähernd gerecht zu werden.
Viel zu kurz kommen über das Psycho-Drama die politischen Zusammenhänge, die der Film ja laut Titel im Auge haben will. Wenn beispielsweise Kaiser Wilhelm II. auftritt, fühlt man sich ins Kabarett versetzt. Zum Beispiel war dem Regenten gewiss nicht egal, wer bei Krupp einheiratet, dass er aber anhand von Bewerbungsunterlagen (mit Passfoto) den passenden Gatten für Bertha Krupp auswählte, ist so lächerlich-falsch wie es aussieht. Die einzigartige Betriebskultur, das Wir-Gefühl der Kruppianer, die sozialen Leistungen - vieles wird angetippt, doch so gut wie nichts sauber durchgespielt, weil Kitsch und Effekthascherei Vorrang genießen.
Die Verstrickung der Krupps in den Nationalsozialismus wird im Groben immerhin korrekt dargestellt, doch deutet das Drehbuch die Entscheidungszwänge, das Balancieren zwischen Skepsis, Anpassung und Hitler-Begeisterung allenfalls an. Statt menschliche und politische Entwicklungen plausibel zu machen, stolpert der Film voran, vom Ehrgeiz beseelt, möglichst jede Kolportage mitzunehmen, die über Krupp existiert. Und da haben Autoren wie etwa Bernt Engelmann, in dessem süffigen Buch sich das Drehbuch fleißig bedient, in Boulevard-Manier so einiges zusammengetragen.
Ein Filmemacher wie Breloer zeigt, wie es geht
Bei Krupp war man gewarnt, seit Historiker das Drehbuch gelesen hatten. Von der mangelnden Faktentreue abgesehen, hält man den Film auf dem Hügel aber auch künstlerisch für gescheitert - wegen der kreuzbiederen Atmosphäre und der oftmals wie tot wirkenden Charaktere. Die wenigen stimmigen Szenen, etwa in Alfried Krupps kühl-modernem Bungalow, reißen es nicht raus. Allzu offen will man sich bei Krupp allerdings nicht exponieren. Beitz kündigte jedoch an, der Premierenfeier im Essener „Lichtburg”-Kino fern zu bleiben, „weil das so aussehen könnte, als würde ich den Film damit gutheißen”.
Verstehen kann man ihn. Wo Krupp drauf steht, sollte auch Krupp drin ein - sonst hätte Berben sein Stück halt Krause oder Müller nennen müssen. Dann hätten die Drehbuchmacher ihrer blühenden Phantasie freien Lauf lassen können. Dass man historische Stoffe korrekt und dennoch unterhalsam verfilmen kann, hat ein Könner wie Heinrich Breloer („Die Manns”, „Speer und er”) mehrfach bewiesen. Und wie sauber sich das viel geschmähte Hollywood in deutsche Geschichte einzuarbeiten versteht, haben zuletzt die Drehbuchschreiber von Tom Cruise' „Walküre” gezeigt.
Schade um den phantastischen Stoff. Die Krupps haben manches auf dem Kerbholz, es gibt viel Licht und viel Schatten. Diese Schmonzette aber haben sie nicht verdient.
- Fotostrecke: Premiere in der Lichtburg - Mythos Krupp
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- Video: Der Krupp-Film und die echte Bertha
- Bericht zum Film: Die Krupps - eine deutsche Familie
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14:08
In Kenntnis aller bisherigen Krupp-Filme wage ich schon jetzt nach dem ersten Teil das Urteil: ein überflüssiger, allerdings stellenweise durchaus spannender Film mit einigen guten und einigen grottenschlechten Darstellern. Gut zu gebrauchen als Lehrfilm für allzu strenge Eltern: Die Kinder werden dann schwul. Und allzu dick aufgetragen das Märchen von den sozialen Taten, die meist dem Bedürfnis entsprangen, die Kruppianer unter Kontrolle zu halten (Margarethenhöhe), über den Gesundheitszustand der Arbeiter stets informiert zu sein (Krupp-Krankenhaus) und den Familien das verdiente Geld sofort wieder abzuknöpfen (Krupp -Konsum) usw. . Hinzu kam eine gekonnte PR-Arbeit, um das Image des Waffenschmiedes gegen das des Wohltäters zu tauschen.
12:46
Wer sich ein wenig mit den Krupps beschäftigt hat ,wird nach dem ersten Teil im ZDF die weiteren Fersehteile ignorieren .Leider ,guter Stoff ,aber langweilig und verdreht dargestellt .Zweiter /Dritter Teil nein danke (MIST )!!
10:25
Naja, handwerklich an sich ganz nett anzusehen, und die Berben wird was ihre Leistung angeht dem Drehbuch auch gerecht. aber das war es dann schon.
Leider. Wenn man schon keine Genehmigung für den Hügel hatte, dann hätte man entweder die Aussenszenen weglassen sollen. (Waren eh belanglos) oder das ganze im Greenscreen Virtuell machen sollen. Weil jeder der den Hügel kennt sich sofort im falschen Film wähnt.
In der Voraufführung gab es auch nur den Zweiten Teil, aber schon bei dem wurde mir von den ganzen Vor- Rück und zurückblenden ganz schwummerig, vorallem am Anfang des besagten zweiten Teils ist ein Zeitsprung völlig sinnlos.
Ich bin was den Spielort Hügel angeht schon vorgewarnt gewesen, aber gestört hat es mich trotzdem. Ausserdem sind aus meiner sicht die Karaktere total überzeichnet. So intrigant und arogant wie die Bertha dargestellt wird, wird sie in keiner Biographie beschrieben. Insofern hoffe ich daß sich irgendjemand noch in naher Zeit an das Thema wagt, und der Beitzsche Riecher sagt, jep das ist es. Dann könnte es wirklich ein interessanter Film werden. So ist es leider nur eine bessere Traumschiff-Folge. Welche viel Gebührengeld gefressen hat.
10:41
Kleine Korrektur: Als Kanonenkönig (Bildunterschrift zu Margarethe) bezeichnet man nicht Fritz, sondern seinen Vater Alfred Krupp. Wenn man dem Film schon (wahrscheinlich zurecht) kistorische Ungenauigkeit vorwirft muss man etwas aufpassen.
07:23
ZDF halt, anstatt Traumschiff versucht man sich jetzt am Thema Krupp. Was soll dabei rauskommen?
19:15
Die Kritik an dem Film erstaunt ein wenig, zumindest was die fehlenden politischen Aspekte angeht. Auch die Berichterstattung der WAZ über die Familie Krupp in Zusammenhang mit dem Film hat die Nazi-Zeit geflissentlich unter dem Begriff der Höhen und Tiefen subsumiert. Hier von dem Film mehr zu erwarten bzw. ihm dieses Defizit vorzuwerfen (auch wenn in der NRZ), erscheint mir dann doch nicht ganz sauber.
18:56
Mit allem wenn und aber, man muß der Familie Krupp einen eine gewisse Hochachtung zollen !
Sie haben über ein Jahrhundert Hunderttausenden Menschen Brot u. Arbeit, sowie eine Zukunftsperspektive gegeben. Sie ist auch nicht immer den richtigen Weg (Waffenlieferant u. Zwangsarbeiter) gegangen, es zählen aber beiweiten die positiven Punkte! Ich bin stolz ein sogenannter Kruppianer zu sein! Ich habe alle Höhen und Tiefen des Stahls mit erlebt, ich stehe zu meinem Unternehmen ! Das Berthold Beitz die Geschicke des Unternehmens führt ist der reinen Glücksfall. Er und Helmut Schmidt sind Personen, die die BRD im postiven Sinne gestaltet haben. Diesen Menschen kann man nicht genug Achtung zollen.
Auf ein erfolgreiches nächstes Jahrhundert.
GÜCK AUF !!!!
18:48
Schade, leider aber war die Schmalspurigkeit des Fims schon abzusehen,
wenn man sich die Fließbandmanier von Sohn und Mutter Berben betrachtet.
18:43
Iris Berben, die selber Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar und dergleichen scharf kritisiert, liefert seit Jahren nur noch Herzschmerzfilmchen, die zwar ein anderes, kaum aber ein besseres Niveau haben, als die von ihr kritisierten Sendungen, ab. Dies als qualitativ hochwertiges Fernsehen zu beschreiben, spottet jeder Beschreibung.