KiKA-Chef Stumpf begrüßt Konkurrenzkampf mit Disney-Channel

KiKA-Programmchef Michael Stumpf: "Die Konkurrenz hat den Kinderfernsehmarkt eindeutig belebt."
KiKA-Programmchef Michael Stumpf: "Die Konkurrenz hat den Kinderfernsehmarkt eindeutig belebt."
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Was wir bereits wissen
Vor einem Jahr übernahm der neue Programmgeschäftsführer Michael Stumpf den Chefsessel beim KiKA. Jetzt muss er den Kanal gegen einen weiteren Konkurrenten, nämlich den Disney Channel, wappnen. Für den Herbst kündigte Stumpf unter anderem eine Internet-Frischkur für den KiKA an.

Erfurt.. Der Kinderkanal (KiKA) von ARD und ZDF sieht trotz der seit Jahresbeginn größer gewordenen Konkurrenz durch den Disney Channel keine Gefahr. Zwar habe der öffentlich-rechtliche Sender leichte Einbußen im Marktanteil hinnehmen müssen, sagte der KiKA-Programmgeschäftsführer Michael Stumpf im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Dennoch sei das kein Grund, um nervös zu werden. Für den Herbst kündigte Stumpf unter anderem eine Internet-Frischkur für den KiKA an.

Wie hat sich die Disney-Konkurrenz am Markt ausgewirkt?

Michael Stumpf: Nun, die Konkurrenz hat den Kinderfernsehmarkt eindeutig belebt. Der Kuchen ist ein Stückchen größer geworden. Es schauen mehr Mädchen und Jungen fern, obwohl die Gesamtzahl der Kinder in Deutschland weiter schrumpft. Vor einem Jahr erreichten die drei Sender Super RTL, KiKA und Nickelodeon rund 52 Prozent der Drei- bis 13-Jährigen. Inzwischen schaffen es die vier Sender mit Disney Channel auf etwa 60 Prozent.

Dennoch haben die KiKA-Marktanteile leicht nachgegeben. Wie erklären Sie sich das?

Stumpf: Unser Marktanteil bei den Kindern zwischen 3 und 13 Jahren lag im ersten Halbjahr 2014 bei 18,2 Prozent nach 18,9 Prozent im ersten Halbjahr 2013. Das ist aber kein Grund, um nervös zu werden. Die Quote ist nicht unser Hauptkriterium. Außerdem gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit den Olympischen Winterspielen und der Fußball-WM Großereignisse, die auch bei Kindern zu einem völlig veränderten Sehverhalten führen.

KiKA Wo sehen Sie den größten Unterschied zur Konkurrenz?

Stumpf: Wir richten uns mit unserem werbefreien Programm ausschließlich an Kinder und nicht gezielt an Familien. Super RTL und Disney nehmen hingegen am Abend auch Erwachsene in den Blick. Zudem gibt es bei uns nicht nur heile Welt zu sehen. Wir haben unserem öffentlich-rechtlichen Profil entsprechend auch ernste Themen im Programm wie gerade aktuell die Ausbreitung des Ebola-Virus und sparen mit Irak oder Israel die Krisenherde der Welt nicht aus.

Gibt es Neuerungen im Programm?

Stumpf: Unser Vorschulprogramm Kikaninchen bekommt zu seinem fünfjährigen Jubiläum in diesem Herbst 40 Minuten mehr Sendezeit geschenkt. Künftig starten wir dann schon um 6.10 Uhr mit dem blauen Kaninchen in den Tag. Für ältere Kinder wollen wir außerdem Anfang nächsten Jahres ein neues wöchentliches Medienmagazin auflegen, das auch digitale Spiele als Thema behandelt. In dem neuen Format werden die bisherigen Sendungen "Trickboxx", "Quergelesen" sowie "Kurz & Klick" zusammengefasst.

Das Internet spielt in den Kinderzimmern eine immer größere Rolle. Wie reagieren Sie darauf?

Stumpf: Zunächst einmal werden wir unseren gesamten Internetauftritt neu gestalten. Dieser Schritt ist überfällig, weil unsere bisherige Seite nicht mehr zeitgemäß und viel zu kompliziert aufgebaut ist. Sie soll ab Herbst einfacher zu handhaben sein. Um besser navigieren zu können, wird es unterschiedliche Layouts für Smartphones, Tablets und PCs geben. Auch wollen wir den direkten Austausch zwischen den jungen Internetnutzern und unserem Programm. Themen aus dem Netz sollen sich künftig mehr in unseren Sendungen wiederfinden und umgekehrt. Neben einem eigenen Angebot für Youtube planen wir außerdem noch einen Blog für Erwachsene, in dem wir Fragen von Eltern aufgreifen und Tipps zur Mediennutzung der Kinder geben wollen. (dpa)

ZUR PERSON: Michael Stumpf hat sein Amt als KiKA-Programmgeschäftsführer im August 2013 angetreten. Zuvor hatte der 41-Jährige unter anderem das Online-Team der Kinder- und Jugendredaktion beim ZDF geleitet. Er studierte Anglistik, Betriebswirtschaft und Kommunikationswissenschaften.