Das aktuelle Wetter NRW 14°C
TV-Krimi

Kenneth Branagh leidet mit Kommissar Wallander

23.12.2010 | 07:00 Uhr
Kenneth Branagh leidet mit Kommissar Wallander
Kenneth Branagh als „Kommissar Wallander“. © ARD/Degeto/Yellow Bird

Essen/Los Angeles. Kenneth Branagh ist wieder „Kommissar Wallander“: In drei neuen Mankell-Verfilmungen ist der irische Charakter-Schauspieler in der ARD zu sehen. „Mörder ohne Gesicht“ läuft am zweiten Weihnachtsfeiertag.

© SWR/Degeto/Yellow Bird

Er ist ein Star, keine Frage. Den begehrten amerikanischen Fernsehpreis Emmy hat der Mime schon gewonnen, den Oscar verpasste das Multitalent nur knapp, vier Mal war der 50-Jährige schon nominiert. Wir erreichen den gebürtigen Nordiren in Hollywood. Vor dem Gespräch über seinen Job als „Kommissar Wallander“ (26. Dezember, ARD, 21.45 Uhr) stellte sich die Frage: Wird Kenneth Branagh den großen Mimen raushängen lassen?

Seine Stimme klingt hellwach und angenehm freundlich. Branagh spricht mit der klaren Präzision eines Bühnen-Mannes, bedächtig, aber keineswegs theatralisch. Er hat der ARD-Filmtochter degeto versprochen, Werbung für seine drei Weihnachtskrimis zu machen. Doch wie wird Branagh seiner Verpflichtung nachkommen? Wird der Shakespeare-Mime viel Lärm um nichts machen?

Lange Tage im schwedischen Sommer

© ARD Degeto/Yellow Bird

Die Befürchtungen erweisen als unbegründet. Selbst auf die Frage nach dem Wetter in der kalifornischen Film-Metropole antwortet Branagh verbindlich: „Es regnet so heftig, wie es in Kalifornien noch nie erlebt habe, Sturzbäche laufen die Betonfassaden herab, und der Los Angeles River, den wir beispielsweise aus dem ,Terminator’ kennen, sprudelt mit dem Tempo eines reißenden Gebirgsbachs. Und wenn ich gleich nach Großbritannien zurückfliege, komme ich ins andere Extrem - wenn wir bei den derzeitigen Schneemassen überhaupt in London landen dürfen.“

Von derlei Unbill war bei den Dreharbeiten im Sommer vorigen Jahres nichts zu merken. Branagh genoss die Dreharbeiten im südschwedischen Ystad kurz nach Mittsommar. „Die Tage waren lang, und die Schweden sind heiß darauf, jede freie Minute draußen zu verbringen“, erinnert sich der Charakter-Darsteller an die Dreharbeiten. Der helle schwedische Hochsommer stand in schreiendem Kontrast zu den dunklen Geheimnissen, die Branagh als trübsinniger Kommissar Wallander enttarnt.

„Auf den ersten Blick das exakte Gegenteil eins Superhelden“

PROGRAMM
Drei Folgen

Die ARD-Reihe „Kommissar Wallander“ startet am 26. Dezember, 21.45 Uhr, mit der Episode „Mörder ohne Gesicht“. Am Samstag, 1. Januar, 20.15 Uhr, folgt „Der Mann, der lächelte“, und am Dienstag, 4. Januar, 23 Uhr, ist „Die fünfte Frau“ zu sehen.

Sein Wallander-Debüt im Jahr 2008 war ein Erfolg, in jeder Hinsicht. Das Publikum mochte Branagh als alten Schweden mit Knitter-Gesicht und Drei-Tage-Bart, dies- und jenseits des Atlantiks, in Deutschland sowieso. Die Zuschauer zwischen Flensburg und Füssen lieben die Krimis von Henning Mankell, und so haben sie noch jedem Wallander bereitwillig Asyl geboten.

„Er ist ein Einzelgänger, isoliert, auf den ersten Blick das exakte Gegenteil eines Superhelden“, beschreibt Branagh seine Figur, „er leidet an der Welt, weil er zu viele Leichen gesehen hat. Er ist sich der Vergänglichkeit des Lebens bewusst. Aber: Er ist mutig, brillant in seinem Job und allem Elend zum Trotz warmherzig geblieben.“ Branagh macht eine kleine Pause und fügt hinzu: „Außerdem hat Wallander einen sehr, sehr trockenen Humor.“

„Der einsame Wolf Wallander hat mir klar gemacht, wie wichtig Familie ist“

© ARD Degeto/Yellow Bird

Branagh sieht auch eine gesellschaftliche Ebene bei seiner Figur: „Wallander ist misstrauisch, auch innerhalb der Polizei. Er hat ein distanziertes Verhältnis zu Autoritäten. Er pflegt, wie Henning Mankell, einen altmodischen Traum, den Traum des schwedischen Modells, den Traum, dass die Sozialdemokratie eine gerechtere Gesellschaft schaffen kann. Und Wallander steht als Symbol dafür.“

Mag sein. Aber macht es wirklich Spaß, einen verzweifelten Fahnder zu spielen? „Es ist faszinierend“, erwidert Branagh, „Spaß im klassischen Sinn macht es nicht. Aber eine derartige Rolle zu spielen, bringt einen dazu, die Welt mit anderen Augen zu sehen, auf die Natur, aber auch auf die Menschen. Mich fasziniert, wie geschärft Wallanders Sinne sind, er kriegt so viel mit, was um ihn herum passiert.“

Ob ihn der traurige Wahrheitssucher verändert habe? Branagh antwortet launig: „Durchaus. Der einsame Wolf Wallander hat mir klar gemacht, wie wichtig Familie ist - und wichtig es ist, mehr als Tiefkühl-Pizza zu essen. Ich jedenfalls möchte Diabetes um jeden Preis vermeiden.“

Jürgen Overkott



Kommentare
24.12.2010
08:21
Kenneth Branagh leidet mit Kommissar Wallander
von Robert_Reisen | #1

Ich möchte Rolf Lassgård wiedersehen !!!!!

Aus dem Ressort
Heino Ferch, der Krebs und die Perspektive aufs Leben
TV-Kritik
Heino Ferch zeigt in einem bemerkenswerten ZDF-Drama, was in ihm steckt.Peter ist einsam, und als er die Krebsdiagnose bekommt, will er sein Leben aufräumen „Wenn es am schönsten ist“ beweist sensible Eleganz im Umgang mit einem schwierigen Thema.
RTL zieht bei "Rising Star" die Notbremse
Castingshow
Was braucht eine erfolgreiche Castingshow? Eine Jury, eine Videowand - und Kandidaten, die "entdeckt" werden wollen. Bei der RTL-Show "Rising Star" hat das aber nicht gereicht. Denn eine gute Castingshow braucht noch etwas: genug Zuschauer. Der Sender zieht nun die Konsequenzen.
Udo Wachtveitl findet Schweiger-"Tatort" merkwürdig
ARD-Krimi
Der Münchner "Tatort"-Kommissar Udo Wachtveitl findet den Hamburger "Tatort" mit Til Schweiger merkwürdig. Es sei komisch, Bruce Willis sein zu wollen. Der jüngste Münchner "Tatort" ("Der Wüstensohn") schaffte es mit den Ermittlern Leitmayr und Batic am Sonntag auf fast zehn Millionen Zuschauer.
"Hitlers Vorkosterin" Margot Woelk im RBB-Porträt
RBB-Doku
Als junge Frau wurde die Berlinerin Margot Woelk gezwungen, das Essen von Adolf Hitler auf Gift zu testen. In der RBB-Dokumentation "Hitlers Vorkosterin" erzählt die heute 96-Jährige, wie sie zusammen mit 14 anderen Frauen zu diesem Dienst gezwungen wurde.
"Dame, König, As, Spion" - Thriller aus dem Kalten Krieg
ProSiebenMaxx
"Dame, König, As, Spion" ist ein Spionage-Klassiker aus der Feder von John le Carré. Einen Bestseller ins Filmformat zu pressen, ist riskant. Doch die Kritiker waren voll des Lobes für den Thriller. Er ist an diesem Dienstag als Free-TV-Erstausstrahlung auf ProSiebenMaxx zu sehen.
Umfrage
Die Stadt Dortmund lehnt Pfandringe an Mülltonnen ab: Sie seien zu gefährlich . Teilen Sie diese Einschätzung?

Die Stadt Dortmund lehnt Pfandringe an Mülltonnen ab: Sie seien zu gefährlich . Teilen Sie diese Einschätzung?

 
Fotos und Videos
Roter Teppich bei den Emmy-Awards
Bildgalerie
Fernseh-Oscar
Glaskasten für Galileo angeliefert
Bildgalerie
TV-Experiment
Die 20 "Bachelorette"-Kandidaten
Bildgalerie
Fotostrecke
The Voice Kids
Bildgalerie
Unterhaltung