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„Keine Ehe ohne Pause“: Heino Ferch zeigt seine weiche Seite

11.03.2016 | 08:31 Uhr
„Keine Ehe ohne Pause“: Heino Ferch zeigt seine weiche Seite
Max (Heino Ferch) reist Susanne (Inka Friedrich) hinterher. Die ruppige Schwiegermutter (Petra Kelling, Mitte) ist ihm keine Hilfe.Foto: ARD Degeto/Marc Meyerbröker

Berlin.  Der sonst harte Heino Ferch zeigt sich im ARD-Film „Keine Ehe ohne Pause“ von seiner sensiblen Seite. Ob er damit bei Frau Erfolg hat?

„Das entscheidest du? Ich zieh da nicht hoch!“ Max, tief verwurzelt in seinem Berliner Kiez, ist außer sich. Seine Frau Susanne, eine Juraprofessorin, will dem Ruf der Uni Rostock folgen. „Wer sagt denn, du sollst mitkommen“, entgegnet sie kühl. Sie will den Pausenknopf für ihre Ehe drücken. Ein Jahr getrennte Wege. Gerade jetzt, wo die Tochter ein Baby erwartet. „Vielleicht tut uns ja die Entfernung ganz gut“, sagt Susanne. Dabei, so wird schnell klar, sind die beiden schon Meilen voneinander entfernt. Oder, wie Susanne es ausdrückt: „Wir gehen zwar noch in dieselbe Richtung, aber zwischen uns ist ein breiter Fluss, und der ist voller Krokodile.“ Eine Tür knallt, und es wird schwer sein, sie wieder zu öffnen. Sie zieht erst einmal zur Mutter aufs Land, er folgt ihr verzweifelt-entschlossen und wohnt im Auto.

Heino Ferch spielt im ARD-Film „Keine Ehe ohne Pause“ (Freitag, 11. März, 2015 Uhr; Regie: Patrick Winczewski) den gedemütigten Mann an den Fersen einer Frau (Inka Friedrich), die die Hosen anhat. Max ist Autor für historische Romane, die er unter weiblichem Pseudonym verfasst, leidet unter einer Schreibblockade und eingebildeten Krankheiten. Ein Mann, der alles richtig machen will, aber alles falsch macht. „Ich war sogar im Stillkurs, ich weiß, welche Tabs wir für die Spülmaschine brauchen“, jammert er.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Unentschlossen schwankt der Film zwischen Ehedrama und Komödie. Die Konflikte bleiben oberflächlich gezeichnet. Und richtig lustig sind die Dialoge selten. Der knurrige Tankwart auf dem Land, der nach einer Großstadtkaffeemischung gefragt wird – solche Gags wirken abgenutzt. Auch Max bei seinen Hygieneproblemen zuzusehen, die das Camping mit sich bringt, ist eigentlich nicht witzig. Dabei ist das Spiel der Darsteller besser als die Sätze, die sie sprechen müssen. In Inka Friedrich spiegeln sich die nervösen Zweifel einer Frau, die nicht ganz eins ist mit ihrem Entschluss. Heino Ferch überzeugt als gebrochener Mann, der nicht nur um seine Frau, sondern auch um seine Männlichkeit kämpft.

Auch hat der Film seine großen Momente. Etwa, wenn das Navigationsgerät in der Einöde vermeldet: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, und Max flucht: „Wenn ich mein Ziel erreicht habe, warum ist hier nichts?“ Oder wenn er seine eigene Frau durch das Fenster beim Umziehen beobachtet – und die Distanz die Begierde neu entfacht. Doch dann steht Heino Ferch in Frauenkleidern seinen Mann, und der Streifen gerät zur Travestieklamotte. Und ja, die Fruchtblase der Tochter platzt im ungünstigsten Moment.

Fazit: Unterhaltsam und gut gespielt. Der Fluss mit den Krokodilen, von dem immer wieder die Rede ist, bleibt jedoch ein seichtes Gewässer ohne Biss.

• Freitag, 11. März, 2015 Uhr, ARD: „Keine Ehe ohne Pause“

Oliver stöwing

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2016-03-11 08:31
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