Kalkofe bringt neue "schlechteste Filme aller Zeiten"

Oliver Kalkofe begutachtet die "schlechtesten Filme aller Zeiten" - aber nicht nur zum Spaß. "Das ist eine hochwissenschaftliche Arbeit", sagt der Kritiker und lacht beim Interview.
Oliver Kalkofe begutachtet die "schlechtesten Filme aller Zeiten" - aber nicht nur zum Spaß. "Das ist eine hochwissenschaftliche Arbeit", sagt der Kritiker und lacht beim Interview.
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Was wir bereits wissen
Trash als Therapie: Mit Nostalgie und Herzblut nehmen Oliver Kalkofe und Peter Rütten bei Tele 5 die "schlechtesten Filme aller Zeiten" auseinander.

Berlin.. Fernsehkritiker Oliver Kalkofe therapiert sich selbst. In seiner Jugend ist er sonntags oft ins Kino gegangen. Um 15 Uhr im niedersächsischen Peine, wie er sagt. "Und dann gab's immer die ganzen schlechten Godzilla- und Godzilla-ähnlichen-Filme." Damals habe er nicht hinterfragt, ob die Streifen gut oder schlecht seien. "Natürlich sind das alles super Filme gewesen. Dachte man."

Trashkino Heute weiß Kalkofe es besser. Der 49-Jährige widmet sich mit Detailliebe dem Edelschund aus den Filmarchiven. Beim Sender Tele 5 kommentiert er von Freitag an (19. Juni/22.10 Uhr) wieder die "schlechtesten Filme aller Zeiten" (kurz "SchleFaZ"). Den Sommer über führt er mit Co-Moderator Peter Rütten durch zwölf vermeintlich miserable Streifen.

Ist das nicht Zeitverschwendung? Auf keinen Fall, sagen die beiden. "Wir nehmen Leute an der Hand", sagt Kalkofe. "Dass der Film schlecht ist, das weiß man auch so. Aber man weiß nicht, warum eigentlich. Und man weiß auch nicht: Kann das nicht vielleicht trotzdem was Schönes sein?" Ihre Aufgabe sei es, mehr herauszufinden, manchmal auch eine versteckte Botschaft zu finden.

Irrsinn ist nicht gleich Irrsinn

Das klingt fast nach einer Vorlesung an der Universität. "Ist es. Das ist eine hochwissenschaftliche Arbeit", sagt Kalkofe und lacht bei dem Interview in einer Berliner Hotelbar. Der Grundgedanke sei aber ganz simpel gewesen. "Tele 5 hatte immer ganz viele schlechte Filme. Da war einfach die Idee: Warum steht man nicht dazu? Anstatt immer so zu tun, als wären sie viel toller, als sie sind."

Jubiläum Einige Titel der neuen Staffel klingen so grausig, dass man mit Flips nach dem Fernseher schmeißen möchte. Im Programm: Hulk Hogans "Der Hammer", "Pudelnackt in Oberbayern" (die Beschreibung ist nicht ganz jugendfrei) und "Der Dampfhammer von Send-Ling" - "ein Kung-Fu-Martial-Arts-Gewitter aus den 1970ern mit deutscher Mundart-Synchronisation", sagt Rütten. "Also ein Leckerbissen für alle, die kompletten Irrsinn lieben."

Dass Irrsinn aber nicht gleich Irrsinn ist, haben die Kritiker gelernt. "Am Anfang dachten wir auch: Schlecht ist schlecht, ist doch egal", sagt Kalkofe. "Aber nee, wir sehen schon: Charme ist wichtig, die vertrottelte Tollpatschigkeit der Filmemacher." Auch in Deutschland gibt es für Trashkino den einen oder anderen Fanclub.

Es geht albern zu

Einer von Kalkofes Lieblingen von früheren "SchleFaZ"-Filmen ist "Monster des Grauens greifen an". Man habe das Gefühl, das Team habe vor dem Dreh eine Platte mit Meeresfrüchten gegessen und die Tiere dann aus Gummi nachgebaut, sagt Kalkofe. "Der Film ist hochgradig doof und bescheuert. Aber ich hab' den trotzdem sehr lieb gehabt."

In seiner Jugend habe er oft im Kino gesessen und die Schuld bei sich gesucht, wenn ein Film ihn nicht berührt habe. "Dass das einfach nur scheiße war, kam einem ja nicht in den Sinn", sagt Kalkofe. "Das war noch so eine wirklich mediale Naivität, die man da mitbrachte."

Das wollen die beiden Kritiker jetzt aufarbeiten - so mehr oder weniger. Vor allem geht es natürlich albern zu in der Sendung. Die Moderatoren stellen im Anzug oder im Kostüm "cineastischen Abfall" vor, spielen Szenen nach und kommentieren. Die ausgesuchten Filme sollen gewollt, aber nicht gekonnt sein. Schaltet man bei der Vorbereitung einen Film nicht auch mal ab, wenn er unerträglich wird? "Nein", sagt Rütten. "Das ist eine Frage der Ehre!" (dpa)