Judith Richter: "Dr. House ist mein Typ Mann"
11.03.2009 | 12:39 Uhr 2009-03-11T12:39:00+0100Judith Richter ("Die Landärztin", ARD, Freitag, 20.15 Uhr/"Two Funny", Sat.1, Freitag, 23.15 Uhr) hat eine berühmte Mutter: Klimbim-Komikerin Beatrice Richter. Und sie spricht gern darüber, wie Jürgen Overkott feststellte.
WR: Sie sind Tochter eines berühmten Schauspieler-Paares. War für Sie das Schicksal, selbst auf der Bühne zu stehen, unausweichlich?
Judith Richter: Kann man so ausdrücken, ja. Ich bin bei meiner Mutter groß geworden, und die hat mich gewarnt: Überleg’ Dir das gut. Mit 13, 14 bin ich auf den Geschmack gekommen, beim Schultheater. Aber meine Mutter meinte eher: Lern’ doch was Vernünftiges!
WR: Lass doch den Klimbim...
JR: ...ich habe aber gemerkt, dass dieser Klimbim mir ganz gut gefällt.
WR: Wie war denn damals das Verhältnis zu Ihrer Mutter?
JR: Meine Mutter hat eine unheimliche Präsenz. Da kann es schon mal sein, dass sie dem einen oder anderen weniger Platz lässt. Für sie selbst war das gut: Das hat ihr schließlich zu einer Riesenkarriere verholfen. Ich selbst war eher die introvertierte Tochter, die sich alles von außen angeguckt hat.
WR: Aber letzten Endes sind Sie doch bei der Schauspielerei gelandet...
JR: ...na ja, wenn der Vater auch in dem Beruf arbeitet, und selbst der Halbbruder in der Filmprodukt arbeitet, gehört man selbst früher oder später auch zu der Branche.
WR: War Ihr Nachname eine Eintrittskarte oder eher ein Hemmnis?
JR: Beides. Zu Schauspielschul-Zeiten war es nicht so einfach. Da hieß es oft: Ach, da kommt die Tochter von..., und die denkt, hier kommt man ganz einfach rein. Da hieß es für mich, Gas geben, und ich musste mich als Wesen mit wenig Selbstbewusstsein dadurchkämpfen. Da war gut, weil ich zeigen musste, dass ich auch was kann. Auf der anderen Seite: Wenn man einsteigt und ein bisschen Vitamin B braucht, hat es seine Vorteile, weil man schneller an die Kontakte kommt.
WR: Können Sie Ihrer Mutter jetzt Paroli bieten?
JR: Im Privaten mit Sicherheit. Ich habe die innere Ruhe und kann ihr gelegentlich sagen: Stopp! Stopp! Stopp! Aber um Missverständnisse zu vermeiden: Sie legt großen Wert auf meine Meinung. Wir können uns jetzt, im Erwachsenenleben, ganz gut stützen und helfen.
WR: Ich war ein bisschen gemein und habe hauptsächlich nach Ihrer Mutter gefragt. Lassen Sie uns über Sie reden. Was haben Sie gedacht, als Ihnen „Two Funny“ angeboten wurde?
JR: Ich war erst ein bisschen abgeneigt, weil es in die Richtung von „Sketchup Up“ geht, „Sketchup Up 2009“. Ich wollte eigentlich eben nicht das machen, was meine Mutter gemacht hat. Aber dann habe ich doch gemerkt, dass ich komisches Potenzial habe, dass ich von Mutters Genen was abgekriegt habe. Ich habe mich dann auch sehr schnell wohlgefühlt in dem Format. Ich hatte mit 600 Rollen, die ich innerhalb eines halben Jahres gespielt habe, so ziemlich alles gespielt, was man spielen kann. Das ist eine unfassbare Herausforderung, dafür zu sorgen, dass die Rollen von einander unterscheidbar sind. Dazu kommt natürlich auch, dass ich mit Alexander Schubert einen wunderbaren Partner habe. Wenn man nur zu zweit spielt, muss man sich unheimlich konzentrieren.
WR: Worüber können Sie denn selbst lachen?
JR: Ich bin ein Fan vom schwarzen Humor. Ich bin amerikanisch groß geworden.
WR: Sie finden „Dr. House“ gut.
JR: Ich liebe „Dr. House“.
WR: Das ist die logische Konsequenz von dem, was sie gesagt haben.
JR: Ja, der hat was von einem gebrochenen Menschen, er hat einen trockenen Humor. Man liebt ihn als Frau, obwohl er ein Arschloch ist. Er ist mein Typ Mann.
WR: Könnten Sie sich in „Dr. House“ verlieben?
JR: Ja! Das eine Art von Mann, die mich reizt. Da muss man gucken, wie tickt der. Da hat man eine Riesenaufgabe. Das ist voll mein Ding.
"Das ist eine arme, verlorene Seele"
WR: Wenn ich böse wäre, würde ich sagen: „Dr. House“ ist selbst ein Therapiefall.
JR: Ja eben. Das ist eine arme, verlorene Seele, die nur Sehnsucht hat nach Liebe und Zuneigung, die sie nicht preisgeben kann. Bei dem kann ich darüber hinwegsehen.
WR: Gehen wir mal von „Dr. House“ zum „Landarzt“. Das ist ja das genaue Gegenstück. Ist das nicht manchmal ein bisschen zu lieb?
JR: Ja, klar. Meine Rolle Verena ist gar nicht so lieb und brav und süß, wie sie wirkt. Sie ist bauernschlau und sorgt für ganz viele Intrigen in dem Dorf. Sie hat’s faustdick hinter den Ohren.
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