Jörg Pilawa ist vor "Quizduell"-Neustart zuversichtlich

Das "Quizduell" kehrt ins ARD-Vorabendprogramm zurück. Moderator Jörg Pilawa nimmt die Pannen der ersten Sendungen gelassen.
Das "Quizduell" kehrt ins ARD-Vorabendprogramm zurück. Moderator Jörg Pilawa nimmt die Pannen der ersten Sendungen gelassen.
Foto: ARD/Ralph Baiker
Was wir bereits wissen
Am 2. Februar kehrt das "Quizduell" ins ARD-Vorabendprogramm zurück. Nach den zahlreichen Pannen in den ersten Sendungen soll nun alles anders werden.

Essen.. Nach dem holprigen Start des "Quizduells" wagt ARD im Februar einen Neustart. Jürgen Overkott sprach mit Moderator Jörg Pilawa über das neue Konzept.

Beim ersten „Quizduell“ hat mich fasziniert, wie Sie mit dem Scheitern umgegangen sind. Sind Sie über sich selbst hinausgewachsen?

Jörg Pilawa: Da ist etwas sichtbar geworden, was man sonst nicht mitbekommt: Im Fernsehen passieren unglaublich viele Pannen. Der Zuschauer sieht es normalerweise nicht, weil die meisten Sendungen aufgezeichnet sind, und was nicht geklappt hat, wird einfach rausgeschnitten. Deshalb hat mich im ersten Moment gar nicht geschockt, was beim „Quizduell“ passiert ist. Ich habe einfach das getan, was ich in solchen Situationen immer mache.

Ich glaube, Ihr Verhalten wurde aber auch aus einem anderen Grund als etwas Besonderes wahrgenommen.

Pilawa: Wir haben den Mund so voll genommen. Wir haben gesagt, wir revolutionieren das Fernsehen. Wir waren fasziniert von der Idee, die wir hatten. Und dann starten wir wie ein Sprinter, der aus dem Startloch hochkommt und sich sofort aufs Mett legt. Wir sind so kläglich gescheitert, und mir war im ersten Moment klar, jetzt geht es nur noch weiter, wenn wir uns über uns selbst lustig machen. Das Schöne war aber, dass alle, die Kandidaten und das ganze Team, sofort mitgezogen haben. Aber ganz ehrlich: Das Ganze hätte genauso gut nach hinten losgehen können. Unterm Strich war die Reaktion eher reflexbedingt als rational.

Bei der zweiten Ausgabe gab es noch einen Sicherheitsmodus.

Pilawa: Alle Techniker haben gesagt, wir brauchen keinen Plan B. Zum Glück gibt es bei uns konservative Geister, die sagen: Nee, ich möchte aber einen Plan B. Und das waren die Abstimmgeräte im Publikum. Die Geräte waren von Anfang eingebaut, und plötzlich wurden sie gebraucht.

Hatten Sie zwischendurch das Gefühl, jetzt reicht's?

App-Shows Pilawa: Natürlich hatte ich das. Aber dann war es auch wieder so unglaublich spannend. Was passiert im nächsten Moment vor der Kamera? Was passiert hinter der Kamera? Plötzlich hast Du die Sendung hinter dir. Dann bist Du erst mal froh, dass Du's überhaupt geschafft hast. Und dann erst setzt das blanke Entsetzen ein. Da standen Techniker, gestandene Männer, und die haben geweint. Da habe ich gesagt: Da ist ein Problem, es ist unser Problem, und jetzt haben wir die Größe, über uns selbst zu lachen.

Wie haben Sie die Reaktionen aus den sozialen Netzwerken beeinflusst?

Pilawa: Mein Anspruch ist schon, eine ordentliche Sendung abzuliefern und nicht „Pleiten, Pech und Pannen“. Deshalb habe ich eine zwiespältige Haltung zu dem, was in den sozialen Netzwerken passiert ist. Es ist ja schön, wenn registriert wird, dass mit einer Panne professionell und lustig umgegangen wird. Aber ich ärgere mich auch, dass wir vorher den Mund so vollgenommen haben.

Zu den sozialen Netzwerken muss ich sagen: Schön, dass sie uns begleiten, ich schätze sie sehr, aber wir machen immer noch Programm für eine schweigende Mehrheit. Also muss ich fragen, wie hat denn eine ältere Dame aus Hamburg-Barmbek das Ganze wahrgenommen? Und ich habe festgestellt, mit Verzögerung kamen auch aus dieser Ecke positive Rückmeldungen. Wir haben unglaublich viele Faxe bekommen. Wir können also für uns in Anspruch nehmen, dass wir die junge Internet-Gemeinde und die Älteren mit ihren Fax-Geräten zusammengebracht haben.

Sie hätten nach der ersten Staffel sagen können: Puh, geschafft, das war's. Sie machen aber trotzdem weiter. Warum?

Pilawa: Weil ich das Gefühl habe, dass wir etwas nicht zu Ende gebracht haben. Wir wollen wissen, ob es funktioniert, das alte, konservative Fernsehen mit der hippen digitalen Welt zusammenzubringen. Bis heute sind wir diesen Beweis schuldig geblieben. Entweder funktioniert es. Oder wir stellen fest: Es gibt genügend App-Nutzer, die das „Quizduell“ spielen, aber die Fernsehzuschauer interessiert das gar nicht so sehr.

Was hat sich geändert?

ARD Pilawa: Wir haben eine eigene App erstellt. Sie sieht genauso aus wie das Original, aber man muss sie extra 'runterladen: „Quizduell im Ersten“-App. Im Sommer war es so, dass User von der Original-App über einen Button auf eine Internet-Seite geleitet worden sind, die der Masse der Nutzer nicht gewachsen war. Und deshalb sind die Leitungen zusammengebrochen.

Was gibt’s sonst Neues?

Pilawa: Wir haben einige Kategorien dazugenommen: zum Beispiel die Kategorie „70er-, 80er-, 90er-Jahre“ und eine Zufallskategorie, die eine Überraschung ist, dazu werde ich jetzt noch nichts sagen. Und wir haben eine Risiko-Kategorie eingeführt. Sie soll die Interaktion zwischen dem Team Deutschland und dem Studio-Team verstärken.

Beide Teams können je einmal die Risiko-Kategorie wählen. Wenn das Studio die Risiko-Kategorie wählt, müssen draußen mindestens 50 Prozent der Spieler richtig antworten. Wenn das Team Deutschland die Kategorie wählt, darf nur einer im Studio diese Frage beantworten. Und es gibt noch eine Änderung: Für jede Frage, die vom Team Deutschland mit mindestens 50 Prozent richtig beantwortet wurde, gibt es einen Zusatzgewinn.

Wie sehr waren Sie selbst an der Entwicklung beteiligt?

Pilawa: Bei technischen Fragen verlasse ich mich auf die Experten. Bei inhaltlichen Fragen bin ich natürlich dabei. Mir geht es auch darum, dass Du spüren musst, dass wir live senden.

Ein Plädoyer fürs Live-Fernsehen.

Pilawa: Natürlich. Aber das ist eine Kostenfrage. Andererseits: Wir müssen uns beim Eventfernsehen viel mehr trauen, etwas live zu machen. Ganz ehrlich: Wir sind beim Fernsehen so steril geworden, dass da nichts mehr passiert, und das ist nicht gut. Das Leben ist auch nicht so. Jeder Tag ist anders. Das ist live.

  • ARD, Montag, 2. Februar, 18 Uhr