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Günther Jauch

Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken

13.05.2013 | 07:33 Uhr
Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
Günther Jauch diskutierte über die Missstände in deutschen Krankenhäusern.Foto: dpa

Essen.  Das Idyll der TV-Serie Schwarzwaldklinik hat mit der Realität in Deutschland leider nichts zu tun. Zu viele Operationen, falsche Eingriffe: Günther Jauch diskutierte in seiner ARD-Talkrunde über die Missstände im deutschen Gesundheitssystem und die Profitgier zu Lasten des Patienten.

Der Talk begann mit dem kitschigen Vorspann der TV-Serie „Schwarzwaldklinik“. Günther Jauch kommentierte dies: „So schön kann Krankenhaus sein - zumindest im Fernsehen.“ Der Fokus seiner Talkrunde in der ARD lag aber diesen Abend nicht auf dem öffentlich-rechtlichen Ärzte-Idyll, sondern auf den Schattenseiten und Mängeln des deutschen Gesundheitssystems .

Zu viele Eingriffe, falsche Eingriffe, das den Krankenhäusern und Ärzten Ausgeliefert-sein und der Patient als ökonomische Einheit in dem Milliardengeschäft der Gesundheitsbranche kamen zur Sprache – einen großen Erkenntniszuwachs konnte die Sendung jedoch nicht übermitteln. Unter dem Namen „Patientenfalle Krankenhaus – unnötige OPs für satte Gewinne?“ sollte ein kritischer Blick auf die Vorgänge in deutschen Krankenhäusern geworfen werden. Dies gelang nur bedingt.

Sonia Seymour Mikich berichtet bei Jauch von schmerzhaften Erfahrungen

Eingeleitet wurde die Sendung von Günther Jauch mit den Erfahrungen von der Journalistin Sonia Seymour Mikich, die ihre persönliche, schmerzhafte Odyssee durch deutsche Krankenhäuser schildert. Vormals bei der Sendung Monitor jahrelang selber mit der Aufdeckung von Medizinskandalen beschäftigt, erzählte sie von ihrem persönlichen Horror in deutschen Krankenhäusern: „Es fing mit ganz banalen Bauchschmerzen an“, erzählte Mikich. Es folgten mehrere Operationen. Sie durchlitt Todesängste und erfuhr erst im Nachhinein, dass Alternativen zu den erfolgten Operationen bestanden hätten.

Damals stand sogar auch die Diagnose Darmkrebs im Raum. Die Devise habe gelautet, einfach zur Vorsicht zu operieren , davon ist Mikich heute überzeugt. Sie schildert eindringlich aber unaufgeregt ihren Marathon durch die Krankenhäuser: „Ich fühlte mich verwaltet.“

Sie bemängelte hierbei tiefgreifende strukturelle Probleme, wie die ökonomische Erfordernis, dass möglichst viel und schnell operiert werden müsse, um Gelder einzunehmen, aber auch um neue technische Geräte zu amortisieren. Viele Menschen, auch Ärzte, meldeten sich bei ihr und stimmten ihr zu, dass einiges in deutschen Krankenhäusern im Argen sei. Viele berichteten ihr vom Erleben des Kontrollverlustes und der Ohnmacht als Patient.

Wenig Gegenpositionen bei Jauch-Talk

Patientenrecht
Das sollten Sie über das neue Patientenrechtegesetz wissen

Muss mein Arzt mich über Zusatzkosten informieren? Welche Rechte habe ich bei einem Behandlungsfehler? Fragen wie diese stellen sich viele Patienten. Seit diesem Jahr gibt es darauf Antworten im Patientenrechtegesetz. Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale NRW gibt einen Überblick.

Die Schilderungen der Journalistin Sonia Seymour Mikich werten die Sendung auf, aber es fehlten Glanzmomente oder wirklich neue Erkenntnisse; auch weil die Runde wenig konkrete Gegenpositionen aufwies. Rhetorische und argumentative Duelle waren Mangelware. Mit Jens Spahn, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, hatte Günther Jauch einen Politiker in seiner Runde – der einzige der Sendung. Spahn verwies darauf, dass Deutschland nach wie vor eines der besten Gesundheitssyteme der Welt habe und stellte fest: „Nicht jede Mehroperation ist falsch.“

Interessantere, aber nur kurze Einblicke in den Alltag bundesdeutscher Krankenhäuser bot der Gast Hendrik Schneider. Der freie Anästhesist kritisierte sowohl das Überstundenpensum von Ärzten und Pflegekräften, als auch die zunehmende Ausrichtung auf das Geldmachen mit dem Patienten. Auf die Frage von Jauch ob das derzeitige System unsinnige Behandlungen fördere, antwortete der Arzt: „Das Patientenwohl hat immer weniger Relevanz.“

  1. Seite 1: Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
    Seite 2: Häufig steht der Profit im Vordergrund - nicht der Patient

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Kommentare
13.05.2013
11:51
Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
von Shy_Eye | #5

Mal aus der Praxis: Ein junger Mensch kommt in die Arztpraxis und hat einen Knoten hinterm Ohr.
Der erste Arzt sagt "Es ist ein Lipom"
Der zweite Arzt sagt "Da ist nichts"
Der dritte Arzt sagt "Es ist ein Lymphknoten"
Der vierte sagt "Hmm... ich weiß es nicht"

Der Radionloge sagt "Da ist nichts zu sehen"


Die Liste könnte mit verschiedenen Beispielen weitergeführt werden. Einfach nur peinlich! Die haben überhaupt keine Ahnung!

13.05.2013
11:44
Systemimmanent
von Stefan2 | #4

Das Profitstreben privater kapitalistischer Unternehmen als verwerfliche "Gier" zu bezeichnen, ist eine moralisierende und personalisierte Kritik, die in die falsche Richtung geht, weil sie den handelnden Personen unrecht tut und weil sie die Zusammenhänge verschleiert. Unter den Bedingungen kapitalistischer Konkurrenz ist das beständige Streben nach Profitmaximierung nicht "Gier", sondern Überlebensgarantie. Es ist absolut systemimmanent. Das Unternehmen, das nicht so handelt, wird untergehen.

Wer dieses Prinzip nicht möchte, weil es so destruktiv, in seiner Konsequenz auch mörderisch ist, der muss den Kapitalismus als solchen in Frage stellen, nicht seine ganz zwangsläufigen Erscheinungen. Nicht zufällig gab und gibt es viele Menschen, Organisationen und Bewegungen, die den Kapitalismus deswegen ablehnen und durch eine andere, eine sozialistische, kontrollierbare und dem Gemeinwohl verpflichtete Ordnung ablösen wollen.

13.05.2013
11:02
Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
von meinemeinung47 | #3

Mehrere Meinungen einzuholen ist ja ganz gut und schön, aber wie entscheide ich welche Meinung die richtige ist? Fragen Sie 3 oder 4 Ärzte und Sie bekmmen 3 oder 4 Meinungen bzw.Diagnosen!
Der menschliche Organismus ist nun mal keine Maschine bei dem es für eine bestimmte Fehlfunktion nur eine oder zwei bestimmte Ursachen gibt!
Es ist ja nicht so, daß es hier nur um die Reparatur einer Waschmaschine oder eines Autos geht, sondern um Gesundheit und Leben eines Menschen.
Früher bekamen die Krankenhäuser ein Tagegeld für jeden Patienten, da war man bemüht, den Patienten so lang wie möglich im Krankenhaus zu halten!
Heute gibt es die Fallpauschale, da will man den Patienten so schnell wie möglich wieder los werden! In beiden Systemen versuchen bzw. versuchten die Krankenhäuser möglichst viel Profit mit den Patienten zu erzielen, weil die Häuser von privaten Betreibern geführt werden.
Und da liegt der Hase im Pfeffer!

13.05.2013
09:44
Die bestmögliche Behandlung im Krankenhaus ist kein Zufall!
von nvd324 | #2

Hallo zusammen,

ich habe folgenden Hintergrund-Artikel einer Ärztin vor kurzem passend zum Thema der Sendung gelesen, den ich aus Patientensicht sehr hilfreich fand, um eine unnötige OP zu vermeiden:

http://bit.ly/18ayvb8

Die Patienten müssen sich im Ernstfall immer eine zweite Meinung einholen, um 1. einen qualifizierten Spezialisten zu finden 2. abzuklären, ob eine OP wirklich notwendig ist.

Beste Grüße aus Köln

13.05.2013
08:24
Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
von Shy_Eye | #1

Zumindest eine Forderung wurde genannt: Qualität, und nicht Quantität, sollte bezahlt werden. Professionalität in Arztpraxen und im Krankenhaus lässt auch zu wünschen übrig. Wie viele Menschen müssen immer von einem zum anderen Arzt tingeln, weil viele Mediziner überhaupt keine Ahnung haben. Was lernt man in der Mediziner-Ausbilden? 60% BWL und der Rest ist die Basis, Operation und typische Erkrankungen wie Diabetes. Heutzutage gibt es weit mehr...

2 Antworten
Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
von denkstewohl | #1-1

60% BWL - da erkennt man gleich gleich den Eingeweihten. *lach*

Viele Menschen tingeln überdies von Arzt zu Arzt weil sie ihre "altersbedingten Wehwehchen" nicht akzeptieren wollen und mit 60 noch so springen möchten wie in ihrer Jugend...

Jauch diskutiert über die Profitgier an deutschen Kliniken
von Shy_Eye | #1-2

Ich hab absichtlich 60% geschrieben... ;-)
Und nein, es sind NICHT IMMER die Alten, die von Arzt zu Arzt tingeln! Auch Junge Leute.

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