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Janine Kunze bei Beckmann über ihr Leben als Pflegekind

05.04.2013 | 07:49 Uhr
Janine Kunze bei Beckmann über ihr Leben als Pflegekind
Schauspielerin Janine Kunze Foto: Archiv-Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool

Essen.  Das Schicksal von Pflegekindern wollte Reinhold Beckmann diskutieren. Nicht nur Schauspielerin Janine Kunze - selbst bei Pflegeeltern aufgewachsen - forderte, auf das Kindeswohl zu achten. Bei der ganzen Einigkeit fehlte die zweite Meinung. Warum aus einem mutigen Thema eine langatmige Sendung wurde.

Reinhold Beckmann hat ein Herz für Kinder. 2005 gründete der Moderator eine Initiative, die sich um Jugendliche aus Hamburger Problemstadtteilen bemüht. Für sein Engagement wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Es mag also durchaus ein Herzensanliegen Beckmanns gewesen sein, als er in seiner Sendung am Donnerstagabend ein überaus soziales Thema behandelte: „Streit ums Pflegekind – zerrieben zwischen zwei Familien“. Das ernüchternde Fazit nach 75 Minuten: Das ehrenwerte Motiv funktionierte in seiner Talkshow einfach nicht.

Nun werden die Gesprächssendungen der Öffentlich-Rechtlichen seit Langem schon besonders kritisch beäugt. Um den Verdacht der Miesmacherei auszuräumen – der Mut der Beckmann-Redaktion, dieses nicht sehr populäre Thema ohne aktuellen Anlass auszuwählen, ist anerkennenswert.

Vielleicht ist die Redaktion durch das Buch der Schauspielerin Janine Kunze darauf aufmerksam geworden. Kunze beschreibt darin, wie sie als leibliche Tochter einer Prostituierten bei Pflegeeltern aufwuchs. Die Frau, deren Karriere durch eine Rolle in der Sat.1-Serie „Hausmeister Krause“ befördert wurde, gehörte dann auch zu den Studiogästen.

50.000 Pflegekinder in Deutschland

„Man muss mehr auf die Kinder hören“, sagte Kunze und plädierte für mehr Mitsprache derer, um die es hauptsächlich im Konflikt zwischen leiblicher Familie und Pflegeeltern geht. 50.000 Pflegekinder leben in Deutschland. Jedes zweite werde von der leiblichen Mutter freiwillig abgegeben, schätzte Heinzjürgen Ertmer, langjähriger Leiter des Hertener Jugendamts. „Ein bis zwei Prozent aller Eltern sind ihrer Aufgabe nicht gewachsen, je nach Stadt.“

Das fanden alle bedrückend – Beckmann, Kunze, eine Berliner Pflegemutter und die Vorsitzende des Vereins „Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien“. Große Einigkeit also. Genau das war der Punkt, an dem aus einer mutigen Sendung eine langatmige wurde. Bei diesem Thema gab es, zumindest bei Beckmanns Gesprächsführung, keine zwei Meinungen.

Es fehlte die Kontroverse

Alle vertraten die nachvollziehbare Ansicht, das Kindeswohl müsse oberste Priorität haben. Eine Talkshow aber ohne Kontroverse und ohne Dramatik macht es dem Zuschauer schwer. Mögen die Politdebatten, die sonst oft in Talkshows stattfinden, noch so ritualisiert wirken: Sie vermitteln immerhin ein Gefühl dafür, welche Meinungen möglich sind.

Geradezu diffus wurde es, als der Moderator ein Ehepaar aus Niedersachsen dazu bat. Die Pflegeeltern erzählten von einem jahrelangen Streit mit den leiblichen Eltern ihres Kindes. Leider ging der Anspruch, Exemplarisches aus dem Adoptionsalltag zu erfahren, in der allzu detaillierten Beschreibung dieses Einzelschicksals verloren. Wer nach einer Dreiviertelstunde betroffener Einigkeit nicht wegzappte, musste schon sehr am Thema interessiert sein.

Es gibt schlicht geeignetere Formate für dieses Sujet. Dem Schicksal von Pflegekindern gebührt zweifelsohne weitere Sendezeit. Aber demnächst lieber als Dokumentation. Nicht als Diskussionssendung ohne Diskussionsstoff.

Jonas Erlenkämper

Kommentare
09.04.2013
07:26
ergänzend:
von Steffylein | #4

Ich selbst bin auch Pflegemutter und stehe in der selben Situation -
Kampf GEGEN Behörden zum WOHLE unseres 2 3/4 Jahre alten Pflegesohnes der seit 2...
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Janine Kunze bei Beckmann über ihr Leben als Pflegekind
Janine Kunze bei Beckmann über ihr Leben als Pflegekind
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http://www.derwesten.de/kultur/fernsehen/janine-kunze-bei-beckmann-ueber-ihr-leben-als-pflegekind-id7802361.html
2013-04-05 07:49
Beckmann, TV, Talkshows, Pflegekind
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