Das aktuelle Wetter NRW 12°C
The Voice

Ist "The Voice of Germany" das Ende der Erniedrigungskultur?

22.12.2011 | 18:22 Uhr
Ist "The Voice of Germany" das Ende der Erniedrigungskultur?
Die Jury von "The Voice of Germany" geht bisher respektvoll mit den Kandidaten um.Foto: SAT.1/ProSieben/Richard Hübner

Essen.  Das Casting-Format "The Voice of Germany" ist der Überraschungs-Quoten-Hit. Selbst Günther Jauch mit "Wer wird Millionär" hat es schwer gegen die hervorragenden Talente und die sympathische Jury. Geht jetzt die Glanzzeit von "Deutschland sucht den Superstar" zu Ende?

„Die Show ist gut“, hat Christoph Körfer schon vor gut einem Monat gesagt, wenn er über „The Voice Of Germany “ gesprochen hat. Und dass mit guten Quoten rechne hat er auch gesagt. Nun ist Körfer allerdings stellvertretender Geschäftsführer von Pro7. Da muss er so etwas sagen. Vier Wochen später aber hat man festgestellt: Die Show ist gut. Und die Quoten sind es auch.

Niemand wird von der Jury bei "The Voice of Germany" fertiggemacht

Sie sind auch nicht schlechter geworden, obwohl die „Blind Auditions“, bei denen die Jury die Kandidaten, nur hört aber nicht sieht, längst vorbei sind. Seit zwei Wochen schon kämpfen die Sänger und Sängerinnen in so genannten „Battles“ von "The Voice of Germany" eins gegen eins ums Weiterkommen. Das wollten beim letzten Mal mehr als fünf Millionen Menschen sehen, obwohl zur gleichen Zeit bei der Konkurrenz Günther Jauch wieder einmal fragte: „Wer wird Millionär?“

Woran das liegt, weiß niemand so genau. Zum einen wohl daran, dass bei „The Voice“ niemand von der Jury fertig gemacht wird und es trotzdem unterhaltsam ist. Weil die Jury aus Xavier Naidoo, „The BossHoss“, Nena und Rea Garvey sich gerne selbst und noch lieber gegenseitig nicht ernst nimmt.

Hohe Qualität bei den "The Voice"-Talenten

Zum anderen ist die musikalische Qualität der Show so hoch wie bei noch keiner anderen Star-Suche zwischen Alpen und Nordsee. Nahezu jeder Kandidat schon der ersten Runde  hätte  – das erlaubte Alter vorausgesetzt – bei Deutschland sucht der Superstar gesanglich in Finale gehört. Viele aber wären - weil zu dick, zu dünn oder zu unattraktiv – nie dorthin gekommen. Und nahezu jeder Zweikampf in den Battles von "The Voice of Germany" wie bei Percival und Pamela Falcon ließe sich problemlos auf CD pressen und herausbringen – so gut waren die musikalischen Schlachten.

Und die Höhepunkte der Staffel kommen erst noch. Am 5. und 6. Januar starten die Live-Shows, bei denen erstmals auch die Zuschauer (mit)entscheiden dürfen, welcher der dann noch 24 Kandidaten weiterkommt. Mit Beginn dieser Live-Shows verabschiedet sich dann  ProSieben aus der Zwei-Sender-Kooperation. Vom 6. Januar an wird nur noch bei Sat.1 nach „The Voice of Germany" gesucht – bis zum Finale am 10.Februar.

DSDS und Supertalent sollen es künftig schwer haben

Angesichts des überraschenden Erfolges von „The Voice “ sehen Optimisten bereits das Ende der Erniedrigungskultur am Horizont heraufziehen. Eine Kultur, die vor allem RTL seit Jahren bei DSDS und der Suche nach dem Supertalent pflegt und deren bekanntester Vertreter Dieter Bohlen ist. Ob sich diese Hoffnungen erfüllen, wird sich Anfang 2012 zeigen, wenn die neunte DSDS-Staffel startet. Nur John de Mol ist bereits jetzt sicher, dass sie kein Erfolg mehr wird. „Affenzirkus will keiner mehr sehen“, hat die TV-Produzenten-Legende neulich gesagt. Aber das muss er auch sagen. Er hat „The Voice“ erfunden.

Andreas Böhme

Facebook
 
Kommentare
22.12.2011
22:59
Richtet sich an musikalisch interessierte Menschen?
von soulseeker | #2

Da kann ich nur grinsen - musikalisch sein bedeutet nicht, irgendwelche ollen Kamellen nachzusingen und dabei "total emotional" zu sein ... geile Musik entsteht von alleine, Beatles, Bowie, Queen, Adele usw usf brauchten auch keine Castings, denn sie haben eigene Songs. Nur guter Gesang reicht eben nicht, ist nur eine Zutat für ein Gesamtbild.

22.12.2011
19:35
Eine andere Zielgruppe
von kikimurks | #1

Während DSDS und Supertalent mehr niedrige Instinkte, wie Schadenfreude, anspricht und die Musik nachrangig ist, richten sich Shows, wie the Voice oder X Factor, mehr an musikalisch interessierte Menschen. Vielen von diesen fühlen sich von den anderen Shows abgestoßen und schalten deshalb nicht ein. Maßgeblich für die Struktur der Show ist die Jury. Während die eine Showklasse auf Dieter Bohlen und Detlef D! Soest setzt, setzt der andere Typus auf gestandene Musiker, die es nicht nötig haben. sich permanent zum Deppen zu machen. Damit gibt es eine Ausgangssituation, die die Shows ernsthafter erscheinen lässt und damit auch einen ernsthaften Wettbewerb ermöglicht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6187621/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Roman Lob in Baku
Bildgalerie
ESC 2012
ESC-Delegations-Party
Bildgalerie
ESC 2012
Aus dem Ressort
"Monpti" - eine Hommage an die große Romy Schneider
Fernsehen
30 Jahre nach ihrem Tod widmet 3sat der großen Schauspielerin ein Filmreihe. „Sissi“ ist nicht dabei, aber die Reihe spiegelt die Schaffenskraft wider. Los geht es am Sonntagabend mit „Monpti“, einem Film aus den 50er Jahren.
RTL II bestreitet, für Übertreibungen gezahlt zu haben
„Gangster“-Doku
Nach einem RTL-II-Bericht über angebliche Gangster und Gewalt in Hochheide widerspricht der Fernsehsender den Vorwürfen der gefilmten Jugendlichen. RTL II habe kein Geld bezahlt, um übertriebene Aussagen zu erhalten. Die Produktionsfirma habe lediglich „Motivkosten“ erstattet.