Irak-Krieg - ARD zeigt Doku über Sturz von Saddam Hussein

Er war der wichtigste Informant über Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen: Rafed Ahmed Alwan. 2011 gab er zu, gelogen zu haben.
Er war der wichtigste Informant über Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen: Rafed Ahmed Alwan. 2011 gab er zu, gelogen zu haben.
Foto: Julia Schlingmann/SWR
Was wir bereits wissen
Ein Iraker flieht vor der Diktatur Saddam Husseins - und hilft dabei, den Machthaber zu stürzen. Doch was Rafid Ahmed Alwan behauptet, sind Lügen. Zwölf Jahre nach Kriegsbeginn nähert sich eine Dokumentation dem Mann an, der von den Massenvernichtungswaffen im Irak sprach.

Baden-Baden.. "Ist es wirklich möglich, dass ich so schlau bin, dass ich die Geheimdienste der Welt betrügen kann?" Das fragt der Mann, dessen Lügen die Rechtfertigung für den Irak-Krieg lieferten. Rafed Ahmed Alwan flieht 1999 aus dem Irak nach Deutschland. Wegen seiner Ausbildung als Chemie-Ingenieur gerät er ins Visier der Geheimdienste - und liefert die Informationen, die sie brauchen.

Eine Quelle könne die Existenz von Massenvernichtungswaffen belegen, sagt US-Außenminister Colin Powell 2003 vor der UN-Vollversammlung. Diese Quelle war Alwan, Deckname "Curveball". Doch er hatte gelogen - und das wussten auch die Geheimdienste, wie er sagt. Wie dieser Mann sein Handeln erklärt, erfährt man am Dienstag in der ARD-Dokumentation "Krieg der Lügen - Curveball und der Irak-Krieg".

50 Stunden Interview-Material mit "Curveball"

50 Stunden Interview-Material hat Regisseur Matthias Bittner mit "Curveball" gedreht, über drei Jahre hinweg trafen sie sich immer wieder. Er wolle eine Plattform bieten, damit Alwan seine Geschichte selbst erzählen kann, sagt Bittner über seinen Film. "Ich bin dankbar, dass er sich mir gegenüber so geöffnet hat." In Alwans Augen gab es ein gegenseitiges Einverständnis. Die Geheimdienste und er wollten das Gleiche: den Sturz von Saddam Hussein.

IS-Terror Nach seiner Ankunft in Deutschland verstrickt Alwan sich immer tiefer in ein Netz von Lügen, Halbwahrheiten und Andeutungen. Er wird umschmeichelt und bedroht. Mal bekommt er eine Wohnung und ein Auto gestellt, mal soll seiner marokkanischen Frau die Einreise verweigert werden.

Die angeblichen mobilen Waffenfabriken im Irak seien einfach der Grundriss eines bereits zerstörten Chemiewerks, auf Lastwagengröße übertragen. "Er wusste, dass das alles nur ein Fantasiekonstrukt ist", sagt Alwan über seinen BND-Kontakt. "Aber wir beide hatten dasselbe Ziel."

Obwohl sein ehemaliger Chef Alwans Behauptungen leugnet, kommen die Geheimdienste nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf ihn zurück. Sie wollen Fotos, Beweise, Akten, sagt er, die Saddams Waffen belegen - und Alwan liefert wieder. Die Vereinigten Staaten nutzen das, und der Krieg beginnt. Erst 2007 wird Alwan von der Presse enttarnt.

Nachgespielte Szenen aus subjektiver Sicht

Nachgespielte Szenen aus der subjektiven Sicht illustrieren seine Ausführungen, Archivbilder von Nachrichtensendungen und UN-Missionen ordnen sie ein. Regisseur Bittner will nicht alle Hintergründe des Irak-Kriegs aufzeigen, sondern einen Menschen erklären, indem er ihn zu Wort kommen lässt. "Mir geht es eher um die tiefen Abgründe und die Psyche eines Menschen. Was er erzählt, muss er für sich selbst verantworten."

So zeichnet die SWR-Produktion das Bild eines Mannes, der so sehr von einer Sache überzeugt ist, dass er für sie lügt. Fragen nach seiner Schuld am Kriegsleid im Irak weicht er aus. Erst zum Schluss wirkt er betroffen, in die Ecke gedrängt. Bittner fragt ihn, ob er sich angesichts all der Zerstörung in seinem Heimatland für seine Lügen schäme. Alwan stockt. Schließlich sagt er: "Ganz ehrlich: ja" (dpa)

Dienstag, 9. Juni, ARD, 22.45 Uhr