Das aktuelle Wetter NRW 15°C
WDR

Intendant Buhrow ermuntert WDR zu Experimenten

17.07.2013 | 16:20 Uhr

Köln.   Es hätte eine lahme Jubelveranstaltung werden können, mit viele Nettigkeiten und wenig Substanz. Es sollte anders kommen. Als Ex-WDR-Chefin Monika Piel den Staffelstab an ihren Nachfolger Tom Buhrow übergab, nutzten beide die Gelegenheit zu grundsätzlichen Worten.

Der WDR nahm auf, was Intendant Tom Buhrow unmittelbar nach seiner Wahl durch den Rundfunkrat versprochen hatte. „Ich bringe die Liebe mit“, hatte die rheinische Frohnatur verkündet. Und so spielte das WDR-Rundfunk-Orchester, das demnächst als Funkhaus-Orchester firmiert, zum Amtsantritt des bekennenden Marathon-Manns den Klassiker der Neuen Deutschen Welle. Tatsächlich könnte den Sender bald so etwas wie eine neue Welle erfassen, wenn Buhrow meint, was er sagt: mehr Experimente.

Piel äußerte sich zu den Gründen ihres Rückzugs

Doch bei der Staffelstab-Übergabe im Funkhaus Wallraf-Platz äußerte sich zunächst die überraschend nach sechsjähriger Amtszeit ausgeschiedene Intendantin. Piel ließ erstmals konkreter durchblicken, warum sie sich für nahezu alle Beteiligten überraschend von ihrem Amt zurückgezogen hatte – und das kurz vor Beginn ihrer zweiten Amtszeit. Bei einem medizinischen Check-Up sei ihr die gelbe Karte gezeigt worden, bekannte die Rundfunk-Managerin, die die erste Frau auf dem WDR-Chefsessel und die erste ARD-Vorsitzende war.

Piel wirkte im Vergleich zur Schlussphase ihrer Amtszeit erholt, entspannt, ja witzig. Die Gremien-Vorsitzenden, Ruth Hieronymi vom Rundfunkrat und Ludwig Jörder vom Verwaltungsrat, dankten ihr für Offenheit und Kooperationsbereitschaft.

Mehr zum Thema:
Symbolträchtiger erster Auftritt für Buhrow

Tom Buhrow eröffnete bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als WDR-Intendant in Köln ein Schüler-Studio des Senders. Am Rande der Veranstaltung widersprach er ZDF-Programmchef Himmler. Der hatte behauptet, der Mainzer Sender beweise mit ZDFneo und ZDFinfo, dass er jünger sei als die ARD.

„Tom Buhrow, passen Sie gut auf den Sender auf“

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) attestierte Piel überdies, sich uneitel auf die Sache konzentriert zu haben.

Buhrow würdigte seine Vorgängerin, sie habe die Qualität der Sender-Inhalte gehalten, obwohl sie habe sparen müssen.

Piel wiederum nutzte die Gelegenheit, Buhrow ins Gewissen zu reden. Er solle nicht vergessen, Frauen in die Führungsetage zu holen. Zudem solle auch künftig die Bedeutung von Hörfunk sowie Klangkörpern - sprich: Chor, Orchester, Big Band - zu schätzen wissen. Piel: „Tom Buhrow, passen Sie gut auf den Sender auf!“

Buhrow nahm die Vorlage auf und bekannte sich demonstrativ zu Hörfunk und den mobilen Musikeinheiten des Senders. „Die Klangkörper müssen im Land sichtbar sein“, sagte er im Hinblick auf Konzerte zwischen Rhein und Weser.

„Wir wollen kein Mittelmaß“

Der neue Intendant skizzierte vor Würdenträgern aus dem Sender, aber auch aus der Politik, wo er Schwerpunkte setzen will. So ermutigte der Senderchef seine Mannschaft zu mehr Experimenten. Es dürfe auch mal etwas schiefgehen. Doch als Gesamtziel formulierte Buhrow: „Wir wollen kein Mittelmaß, wir wollen was wagen.“ Wobei er weiß: „Die Zukunft ist crossmedial.“ Das heißt: Buhrow weiß, dass sich die Grenzen zwischen den klassischen Medien Fernsehen, Hörfunk und Internet zunehmend auflösen. Den Zeitungsverlegern bot Buhrow Kooperation an. Als Gegner sieht er nicht näher bezeichnete „Global Player“ auf dem Medienmarkt. Es liegt nahe, dass Buhrow dabei an Unternehmen wie Google und Facebook denkt.

Lesen Sie auch
2,24 Millionen sahen Buhrows Abschied von den "Tagesthemen"

Nach knapp sieben Jahren hat sich "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow von seinen Zuschauern verabschiedet. In der Sendung ging es ums Hochwasser, die SPD und die Türkei - und um Theodor Fontane. Derweil wird weiter über Buhrows Nachfolge spekuliert.

Zugleich ist sich Buhrow klar darüber, dass die Gebühren-Einnahmen nicht wachsen werden. Im Gegenteil: „Wir werden mittel- und langfristig sparen müssen.“ Dabei setzt er auf Gespräche mit dem Personalrat. Nebenher sandte Buhrow die Botschaft aus, an der Qualität der Inhalte zuletzt sparen zu wollen. Gut gemeint, gewiss. Was Buhrow von seinen guten Absichten tatsächlich umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Sein Erfolg hängt auch von der Zusammenarbeit mit den Gremien ab.

Intendant sieht sich als „Botschafter des WDR“

Die Vorzeichen stehen gut. Kommunikationstalent Buhrow wurde mit breiter Mehrheit gewählt. Und er sieht sich selbst auch als „Botschafter des WDR“. Der Mann, der im Nebenfach Rheinische Landeskunde studierte, will nicht nur im Funkhaus Präsenz zeigen, sondern auch bei den Gebührenzahlern, im Rheinland wie in Westfalen. Verwaltungsratsvorsitzender Jörder vernahm die Botschaft gern. Er kommt aus Dortmund.

Jürgen Overkott



Kommentare
18.07.2013
13:05
Intendant Buhrow ermuntert WDR zu Experimenten
von ippzippzapp | #2

Ach Gott, Selbstbeweihräucherung der selbstverliebten Gebührenempfänger ...
Da wird mir nur noch schlecht!

18.07.2013
12:35
"mit viele Nettigkeiten"
von kumpelanton | #1

Liest denn niemand mehr Korrektur?

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Disney Channel sieht noch deutliches Wachstumspotenzial
Kinder-TV
Mit einer gewaltigen Werbekampagne ist der Disney Channel Anfang dieses Jahres im deutschen Kinderfernsehen angetreten. Nach neun Monaten hat sich der Sender als vierte Kraft im frei empfangbaren Kidner-TV etabliert. Die Macher ziehen eine positive Bilanz - auch wenn nicht alle Formate glänzten.
Mutter und Tochter in neuer Krimi-Reihe auf Verbrecherjagd
ARD-Krimi
In der ARD beginnt am Donnerstag eine neue Krimi-Reihe mit Katrin Sass und Lisa Maria Potthoff als ermittelndes Mutter-Tochter-Gespann. Der Film spielt auf der Ostsee-Insel Usedom. Regisseur Andreas Herzog plant schon vor der Premiere weitere Folgen der Krimi-Reihe.
„Lilyhammer“ – keiner guckt so böse wie Steven Van Zandt
Serienstart
Die Serie hat TV-Geschichte geschrieben. „Lilyhammer“ war die weltweit erste Fernsehserie, die im Internet startete. Eine Zusammenarbeit von Video-Portal Netflix mit dem norwegischen Sender NRK machte es möglich. Jetzt zeigt Arte die in vieler Hinsicht wegweisende Serie im frei empfangbaren...
Wer überfuhr Christian M.? - Fall aus Witten im ZDF
Ermittlungen
Christian M. wurde vor vier Jahren im Hammertal überfahren, nachdem der damals 20-Jährige zuvor auf Burg Blankenstein Halloween gefeiert hatte. Der Unfallfahrer flüchtete, die Ermittlungen liefen ins Leere. Am Mittwoch, 29. Oktober, nimmt sich die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" des Falls an.
Pia nicht ohne John - auch von Jascheroff zurück zu GZSZ
RTL-Soap
Neun Monate mussten die Fans von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auf ihr Soap-Traumpaar verzichten - jetzt kommen Pia und John zurück. Nach Schauspielerin Isabell Horn hat auch Felix von Jascheroff angekündigt, wieder für GZSZ vor der Kamera zu stehen. Der Abgang sei "nicht so glücklich" gewesen.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

 
Fotos und Videos
Die "WWM"-Gewinner
Bildgalerie
Wer wird Millionär
Das war "Wetten, dass..?"
Bildgalerie
TV-Show
1500 Folgen Lindenstraße
Bildgalerie
Fernsehen
So viel verdienen die TV-Stars
Bildgalerie
Stars