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In der „Stadt ohne Namen“ regiert der Turbokapitalismus

11.02.2016 | 08:17 Uhr
In der „Stadt ohne Namen“ regiert der Turbokapitalismus
Der Film „Stadt ohne Namen“ entwirft eine düstere Zukunftsvision. Foto: © Kelija/Jean-Claude Lother

Essen.  Der Thriller „Stadt ohne Namen“ erzählt von einer düsteren Zukunft: Jobs sind sehr selten geworden – der Kampf um sie ist mörderisch.

Ein beklemmender Blick in die Zukunft: In einem anspruchsvollen Thriller schildert die Serie „Stadt ohne Namen“ eine futuristische Welt, in der die meisten Leute arbeitslos sind. Wer einen Arbeitsplatz hat, gehört zur Elite. Die Jobs sind extrem begehrt – und es beginnt ein mörderischer Ausscheidungswettkampf.

Hier herrscht der Turbo-Darwinismus: Mitarbeiter Garcia (Pierre Deladonchamps) sieht einen Toten auf dem Flur und sagt: „Mein Chef ist gerade gestorben. Ich würde mich gerne auf seine Stelle bewerben.“ Kein Erschrecken, keine Trauer, sondern die kalte Logik der hierarchischen Notwendigkeit. Wenn die nächsthöhere Position frei geworden ist, wirft man halt seinen Namen in den Ring.

Deklassierte leben hinter der Mauer

In der ambitionierten französischen Kurzserie geht es um mehr als nur Karrierefragen. Es geht um die pure Existenz. Je höher die Position, desto sicherer. 80 Prozent der Bürger sind arbeitslos. Weil man mit so viel Unbeschäftigten buchstäblich keinen Staat machen kann, wurde vor 30 Jahren eine Mauer hochgezogen. Jenseits dieser Mauer leben die Deklassierten, die Ausgesperrten und Vertriebenen, in der „Zone“. In dieser „Zone“ trinken die Menschen, nehmen Drogen, träumen von der Flucht.

In der richtigen Gesellschaft, in der es Jobs gibt und Wohlstand, laufen die Menschen im Hamsterrad, sie tun es, um zu überleben – aber manchmal, siehe toter Chef, fällt einer hinten runter. Schwund ist gar nicht selten, „drei Suizide, sieben Burnouts“, resümiert einer der Lemminge in der Eisbergwelt einmal emotionslos. Es gibt Rebellen, die an dem Zustand etwas ändern wollen. Hier setzt die Thrillerhandlung ein: Mit der Entführung des Arbeitsministers gelingt es den Untergrundkämpfern, das Establishment in der Stadt unter Druck zu setzen.

Fazit: „Stadt ohne Namen“ ist ein gut gemachter Film über Abstiegsangst, die es nicht nur in Frankreich gibt.

Donnerstag (11.2.), Arte um 20.15 Uhr

Thomas Andre

Kommentare
11.02.2016
10:03
In der „Stadt ohne Namen“ regiert der Turbokapitalismus
von barchettaverde2 | #1

Die Vorlage hat Fritz Lang mit seinem Meisterwerk Metropolis geliefert. Nur hat er es schon 1927 erkannt.

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2016-02-11 08:17
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