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TV-Kritik

"Ich mag vor allem Slapstick"

08.02.2009 | 14:30 Uhr
"Ich mag vor allem Slapstick"

Essen. Christian Redl zeigt in den meisten Fällen seine düstere Seite. Trotzdem hat er Humor, wie er sagt. Im ZDF-Film „Tod in der Eifel”, in dem er den Dorfpolizisten spielt, geht es um Verletzungen und alte Wunden.

Lachen sieht man ihn selten, zumindest im Fernsehen. Kein Wunder! Christian Redl spielt bevorzugt Bösewichter und gramgebeugte Gestalten. Im ZDF-Film "Tod in der Eifel" (Montag, 9.Februar, 20.15 Uhr) sieht man ihn wieder mal als Mann, der schwer an einer Last zu tragen scheint: Redl spielt einen Dorfpolizisten, der in der rheinischen Provinz einen Kriminalfall aufklären muss. Dabei bekommt er es mit seiner Tochter zu tun, die inzwischen beim LKA ist. Alte Wunden brechen auf in diesem ausdrucksstark gespielten, psychologisch tiefgründigen Krimidrama.

Christian Redl: Ja, nicht? Klein aber fein! Was ich schön finde: Es ist nicht nur Krimi sondern auch Familiendrama. Das war nämlich der Hauptgrund, mich dafür zu interessieren. Da sitzt ein Vater - den ich spiele - in der Provinz fest, dann kommt seine Tochter, die Karriere gemacht hat. Einerseits freut man sich für sie. Andererseits sagt man, warum die? Was ist bloß mit mir?

Erzählen Sie ein bisschen über die Figur...

Redl: Der Mann ist in einer Situation, wo er demnächst pensioniert wird. Vor allem weiß er, dass er aus diesem kleinen Umfeld, aus diesem Dorf nie wieder hinaus kommt. Er ist zurückgenommen, verstockt, verletzt. Es ist ja oft im Leben so: Wird man älter, hat man das Gefühl, bestimmte Dinge versäumt zu haben. Irgendwann ist es zu spät. Für ihn ist es absolut zu spät. Das ist der Grundkonflikt dieser Figur.

Wie gut können Sie selbst das in Ihrer Lebensphase nachvollziehen?

Redl: Sehr gut! Eine Parallele in meinem Leben gibt es nicht. Ich glaube aber, ich habe eine Empfindung dafür, wie dieser Mann verletzt wurde. Vor allem, weil ich ja auch, nun ja, etwas älter bin, so dass ich weiß: Das geht noch, das und das und das geht leider nicht mehr.

Klingt das jetzt etwas resignierend?

Redl: Nein, ich bin schon sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Ich kann mir Angebote aussuchen und auch leisten, welche abzusagen - ein Riesenprivileg. Man kriegt ein Drehbuch, und normalerweise sagt man, gut, ich hab' Arbeit, mach ich das! Und dann denkst du, furchtbar, irgend so ein Action-Schwachsinn, so'n dünnes Zeug. Ich muss so etwas nicht machen. Ich brüste mich nicht damit, das hat sich so entwickelt.

Und über Deutschland hinaus zu gucken...

Redl: Auf die große internationale Hollywood-Karriere? Dieser ganze Blödsinn, das war eh nie mein Ding. Ich bin auch viel zu sehr mit dem Theater hier verflochten, das mach ich immer noch regelmäßig. Und vor allem: Im Theater bin ich eigentlich ein Komiker...

... was Sie in Ihren TV-Rollen nicht sind sondern fast immer der düstere, abgründige Typ. Fühlen Sie sich da eingeengt?

Redl: Hm... es hat ja Vor- und Nachteile. Man hat seine Duftmarke, hat seine Präsenz. Aber natürlich, das ist ein bisschen einseitig. Bestimmte Sachen werden einem nicht zugetraut.

In "Tod in der Eifel" sind Sie auch wieder so einer...

Redl: Aber immerhin diesmal kein Brutalinski. Na ja, so etwas scheint mir aber auch zu liegen. Wie der Regisseur Johannes Grieser so schön sagte, ich sei ein Spezialist für Schmerzen. Das ist privat bei mir überhaupt nicht so.

Wie denn? Wie sieht Ihre lustige Seite aus?

Redl: Im Humorbereich mag ich Slapstick, überdrehte Sachen. Mit den typischen TV-Komödien hab ich nichts zu tun. Eher mag ich dieses französische Theater, wo es etwas schriller zugeht, mit Verkleidungen und Perücken. Oder Sachen aus der Stummfilmzeit. Diese Art schätze ich nicht nur, das habe ich auch selbst im Theater gezeigt.

Woher schöpfen Sie aber diese so überzeugend gespielte Düsternis ihrer TV-Figuren?

Redl: Kann ich nicht sagen. Ich kann Ihnen verraten, ich bin das nicht. Ich arbeite ja nur und ganz stark mit meinen Phantasien.

Sie sind es nicht - aber solche Phantasien müssen ja in Ihnen drin stecken.

Redl: Na klar! Wir alle haben solche Phantasien, die allerdunkelsten, die abgründigsten. Wir trauen uns nur nicht, sie zuzugeben.

Wie intensiv versetzen Sie sich prinzipiell in eine Figur?

Redl: Überhaupt nicht! Ich finde da sofort wieder raus. Es gibt Kollegen, die sagen, ich brauche zwei Wochen, um aus der Rolle wieder rauszukommen. Das finde ich verlogen. 'Method Acting' ist nicht mein Ding. Wie soll ich denn einen Mörder spielen, einen Hannibal Lector? Einen Menschen aufzufressen - da kann ich doch nicht sagen, dass muss ich fühlen. Das geht nicht über einen Seins-Zustand, da schöpft man nur aus seinen Phantasien.

Eine fröhlichere Seite an Ihnen ist auch, dass Sie als Sänger und Chansonnier aufgetreten sind.

Redl: Ist schon etwas her. Aber ich habe viel gesungen und Gesangsabende gemacht: mit Brecht, Villon, Wedekind. Ist kein Thema mehr. Jetzt beschäftige ich mich mehr mit gespochener Lyrik. Mit Texten von Beaudelaire oder Rilke habe ich CDs gemacht. Die mag ich sehr.

Was war zuerst da - der Wunsch, Schauspieler zu werden oder Sänger?

Redl: Komischerweise war Beides vorhanden. Ich bin in Kassel groß geworden. In den 60er-Jahren, im Zuge der Beatles, war es gang und gäbe, Mitglied einer Band zu sein. In einer Schülerband saß ich am Schlagzeug. Dann bekam ich ein weiteres Angebot, gleichzeitig musste ich mich für oder gegen die Schauspielschule entscheiden. Ich habe mich dafür entschieden.

Was wird nun aus der Musik?

Redl: Oh, Musiker zu sein, wünsche ich mir nach wie vor. Vielleicht wird's da noch etwas geben. Nicht aus Karrieregründen, nur rein aus Spaß. Das Leben ist mir inzwischen, mit 60, zu kostbar, um Dinge zu tun, von denen ich sage, wann geht das bloß endlich vorbei.

Aber gibt es jetzt noch Ziele? Was wollen Sie noch erreichen?

Redl: Vielleicht noch mehr Unabhängigkeit. Aber es ist in Ordnung so. Auch im Privatleben, absolut. Freizeit ist für mich inzwischen wichtiger als Arbeitszeit. Früher war es umgekehrt - fürchterlich. Aber über Privates rede ich prinzipiell nicht.

Schade! Warum?

Redl: Schlechte Erfahrungen. Da gab es Sachen, meine Güte, die hält man nicht für möglich. Ehrlich gesagt: Privates ist bei mir auch nicht interessant. Es gibt Kollegen, die spreizen sich auf dem Roten Teppich, kommen sich auch privat so wichtig vor. Diese Anerkennung - die brauche ich wirklich nicht!

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Reinhard Meyer

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