Herr Mann, wie geht es Ihnen in der spaßfreien Zone WDR?
31.12.2009 | 07:00 Uhr 2009-12-31T07:00:00+0100
Köln. Tobias Mann (33) gilt als Spaß-Hoffnung des WDR. Der diplomierte Kaufmann, verheiratet, ein Sohn, verbindet Kabarett und Musik – so gut, dass der gebürtige Mainzer 2008 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis bedacht wurde. Am 2. Januar startet er seine neue Comedy „Mann an Bord" (WDR, 22.45 Uhr).
Der WDR galt zuletzt als spaßfreie Zone. Warum lassen Sie sich auf das Abenteuer ein?
Tobias Mann: Da muss ich widersprechen! Der WDR hat bei Kabarett und Comedy eine sehr große Kompetenz. Da gibt es Stratmann, Mitternachtsspitzen, Funk(h)aus. Deshalb lag ich meine Entscheidung für den WDR sehr nahe. Ich hatte ja bereits mit dem WDR bei meinem Soloprogramm kooperiert, und es war eine super Zusammenarbeit.
Die Botschaft höre ich wohl. Aber der WDR gilt doch eher als Behörde, die auch Fernsehen macht.
Tobias Mann: Das höre ich oft. Tenor: Bei denen sind doch die Entscheidungswege so lang. Ich spüre das überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich habe richtig Feuer gespürt; jeder hatte voll Bock. Bei der Aufzeichnung spürt man, da ist Herzblut drin.
Der „Spiegel“ hatte bei seinem Porträt von Oliver Welke herausgehoben, er veralbere überparteilich die Macht. Ist das der neue Weg des Kabaretts?
Tobias Mann: Ach Gott. Überparteilich die Macht veralbern – das macht ja die „Bild“-Zeitung schon ganz gut. Und die Leser dazu! Aber im Ernst: Ich glaube, dass heute bei Kabarettisten eine leichtere Herangehensweise gefragt ist. Ich versuche eben nicht dem erhobenen Zeigefinger die Dinge zu benennen, und ich gehe auch nicht komplex-analytisch an die Sache heran. Ich glaube sogar, das ist der schwerere Weg.
Sie haben gesagt, die „Bild“-Zeitung macht das beste Kabarett – und das fast täglich. Können Sie das überhaupt noch toppen?
Tobias Mann: Die „Bild“-Zeitung tut es teilweise, ohne es zu wissen…
…und das unterscheidet Sie?
Tobias Mann: Was ich in erster Linie versuche: neue Gesichter auf den Bildschirm zu bringen, zu zeigen, dass auch die junge Garde in der Lage ist, politisches Kabarett zu machen, blutjunge Comedians und Kabarettisten, die jung aussehen.
Jung aussehende Kabarettisten machen ein Programm für ein reifes Publikum. Kann das gut gehen?
Tobias Mann: Das muss sogar gut gehen. Das habe ich schon bei meinen Programmen in den Kabaretthäusern gespürt, wo teilweise ein Abo-Publikum sitzt. Diese Leute kommen nachher zu mir und sagen: Mensch, das war ja so was Frisches, Neues, das brauchen wir einfach. Und das wird sich auch beim Fernsehen durchsetzen.
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