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Helmut Schmidt

Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung

08.08.2012 | 06:39 Uhr
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
Helmut Schmidt hat in der ARD-Talkshow von Moderatorin Sandra Maischberger von seiner neuen Lebensgefährtin Ruth Loah gesprochen - und mal kurz erklärt, warum die Eurokrise gar keine Eurokrise ist.Foto: Max Kohr/WDR

Essen.   Altkanzler Helmut Schmidt hat bei ARD-Talkerin über seine neue Lebensgefährtin Ruth Loah gesprochen: Sie wohnten nicht zusammen, aber man sei „aneinander gewöhnt“. Viel wortreicher äußerte sich Schmidt allerdings über die Eurokrise, deutsche und Weltpolitik.

Die Krise des Euro, die Bedrohung der europäischen Idee – es gibt wahrlich genug offene Fragen, auf die man sich von einem wie Helmut Schmidt eine kluge Antwort erhofft. Der Auftritt des Altbundeskanzlers bei Sandra Maischberger am späten Dienstag Abend im Ersten war allerdings noch aus einem anderen Anlass mit größter Spannung erwartet worden: Vor wenigen Tagen hatte der 93-Jährige nämlich öffentlich erklärt, dass es knapp zwei Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Loki eine neue Lebensgefährtin an seiner Seite gibt .

Wird der stets auf den Schutz seines Privatlebens bedachte Hanseat vor der Kamera dazu Stellung nehmen, gar ein wenig sein Herz öffnen , den überraschenden Romantiker offenbaren – das waren die Themen, die natürlich auch über dieser Talkshow schwebten, und Sandra Maischberger redete denn auch nicht lange herum. Kaum war der Vorspann gelaufen und Schmidts erste von vielen Zigaretten in Brand, konfrontierte die Talkmasterin ihren prominenten Gast mit den aktuellen Schlagzeilen der Boulevardpresse – eine Umgebung, in der sich Schmidt als „Ikone des klugen Politikers“ nicht unbedingt zu Hause fühlt.

Helmut Schmidt und Lebensgefährtin Ruth Loah sind „aneinander gewöhnt“

Bei jedem anderen Fragesteller hätte der Altkanzler wahrscheinlich wortlos die Kippe ausgedrückt und wäre aus dem Studio gerollt – mit Sandra Maischberger verbindet den 93-Jährigen allerdings eine besondere Beziehung. Die TV-Journalistin durfte nicht nur die Laudatio anlässlich der Verleihung des „Milleniums-Bambi“ halten, ihre Sendung hatte Schmidt auch kurz nach dem Tod seiner Frau Loki besucht.

Die Antworten auf die unerlässlichen Fragen nach der Neuordnung des Privatlebens blieben allerdings ziemlich einsilbig. Ja, mit Ruth Loah verbinde ihn eine besondere Beziehung , und das schon über viele Jahrzehnte – „man sei aneinander gewöhnt“. Nein, von Glück könne man wohl nicht reden, das sei ein relatives Ding und außerdem Definitionssache. Gut, das Verlangen nach Nikotin teile die 79-Jährige, die schon die Wahlkämpfe organisierte, aber ob die treue Freundin der Familie jetzt mehr oder weniger als er selbst paffe, darauf wisse er keine Antwort „und damit sei jetzt auch mal gut“.

Gewohnt glänzenden Analysen vom Altkanzler bei Maischberger

Sandra Maischberger fügte sich und wurde belohnt mit einem Gesprächspartner, der die weiteren 70 Minuten der höchst unterhaltsamen Sendung mit präziser Offenheit gestaltete. Kürzte noch Einsilbigkeit die Antworten auf die einleitenden Fragen zum Privatleben, ging der Altkanzler im politischen Themenkreis wie gewohnt in die Vollen und glänzte mit Detailkenntnis und klarer Analyse.

Nein, es gibt keine Eurokrise – es gibt eine Schuldenkrise. Nein, Schmidt sieht keinen Politiker in Europa, der in der aktuellen Krise den Gesamtüberblick behält. Von konkreten Verurteilungen nimmt er allerdings Abstand, um die „Unruhe nicht noch zu verstärken“. Ein paar Seitenhiebe gegen Philip Rösler oder Markus Söder, die sich einen Ausschluss Griechenlands durchaus vorstellen mögen, konnte er sich allerdings im weiteren Verlauf der Unterhaltung nicht verkneifen.

Immer öfter stahl sich im Laufe des Interviews dann sogar ein Lächeln in die Züge, schlich sich ein trockener Witz in die Ausführungen, etwa wenn er die Auszüge aus seiner Antrittsrede als Kanzler im Jahr 1974 mit den Worten „War gar nicht schlecht, was?“ kommentierte.

Schon vor 40 Jahren warnte Schmidt vor einer Überforderung Deutschlands

War wirklich nicht so schlecht, und vor allem höchst aktuell: Schon damals, also vor fast vierzig Jahren, warnte der überzeugte Europäer Helmut Schmidt, der zudem als einer der Väter des Euro gilt, nämlich vor einer Überforderung Deutschlands in der Union und warb darum, dass die Mitgliedsländer ihre Probleme erst mal selbst lösen sollten.

Und nach Ausflügen in die Weltpolitik, Abstechern nach China oder Singapur, wurde es dann am Ende doch noch mal privat, und sehr menschlich. Also: Ruth Loah, die neue Frau an Schmidts Seite, lebt nicht unter einem Dach in Schmidts Privathaus, das „inzwischen zum persönlichen Altersheim umgebaut wurde“. Das würde die Dinge denn doch sehr komplizieren. Aber den weiteren Lebensweg geht man schon gemeinsam, und auf eins freut sich das Paar sehr: Demnächst will man eine Kreuzfahrt machen, mit einem Schiff der Hurtigruten zum Nordkap. Und wieder zurück.

Ulrich Schilling-Strack



Kommentare
10.08.2012
13:38
Helmut Schmidt erklärt die Eurokrise
von Wurstilein | #29

+lol+

und ich könnte ihm ja mal erklären, wie man eine Kippe ausdrückt und sich an den Nichtraucherschutz hält.

09.08.2012
12:02
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von kuba4711 | #28

Ich bin gegen Personenkult.
Helmut Schmidt hat zu seiner Zeit meiner Meinung nach in vielen Dingen falsch gelegen.
Ich zähle dazu den sog. Nato -Doppel-Beschluss.
Auch die Tatsache ,dass er die schon damals als neoliberale Infiltrations - Truppe agierende FDP - vor allem den später vorbestraften Graf Lambsdorff - fulminant unterschätzt hat.
Jedoch unterscheiden sich die Gedanken des über 90 ig jährigen Schmidt in ihrer Klarheit immer noch wohltuend von dem derzeit bei den aktiven Politikern der CDUFDPCSUSPD/Grünen vorherrschenden , ideologischen Geschwurbel in Sachen Euro - und Schuldenkrise.
Und mit dem Ende der Ära Schmidt begann auch das Ende der Teilhabe der breiten Arbeitnehmerschaft an den Produktivitäts -Fortschritten in unserer Gesellschaft
Es begann die Zeit des erklärten Klassenkampfes von Oben nach Unten.
Helmut Kohl ,die Freunde in der Industrie und Finanzwirtschaft ,mit der FDP , haben dieses Nachkriegs-Deutschland - Zug um Zug - zu einer Bananen -Republik gemacht.

1 Antwort
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von unweit | #28-1

@ Kuba: Ich teile Ihre Abweisung von Personenkult und stimme auch mit Ihnen zu als Sie schreiben das SCHMIDT damals den LAMBSDORFF sehr unterschätzt hat.
Jedoch meine ich - noch immer - das den NATO Doppel-Beschluss uns damals von viel Ellend ferngehalten hat weil dadurch damals die letzte geplante Agitpropwelle aus dem Osten auch geplatzt ist. Vergessen Sie bitte nicht das man in Moskau damals doch wieder an einem Angriffskrieg bastelte auch wenns vielleicht nur darum ging um damit auch die Gemütern im eigenen Kamp zu beruhigen oder gar zum Schweigen zu bringen!

09.08.2012
09:35
Helmut Schmidt schwätzt klug
von meigustu | #27

nur was nutzt Klugschwätzerei wenn das Ergebnis seiner Wirtschaftsphilosophie schlicht verheerend ist.

Da sollte er lieber eingestehen, dass er seinen ohne Zweifel vorhandenen Gehirnschmalz für den offensichtlich falschen Lösungsweg verschwendet hat.

09.08.2012
08:57
@JLosHintern-ich habe mehr mitbekommen...
von mspoetnik | #26

...als"der raucht ja im Fernsehen".Das war zu Zeiten,als der Typ
noch Kanzler war.Und ich sage Ihnen,dass hätte ich gerne verpasst.

09.08.2012
08:05
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von Hui-Buh | #25

Wäre ich Raucher, würde ich mich zu Schmidt in die Sendung setzen und wenn er sich die erste anzündet, würde ich das auch tun. Den möchte ich dann sehen, der mir das verbietet.

08.08.2012
22:09
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von JLosHintern | #24

Ganz Erstaunlich wie viele Wirtschaftsexperten hier ihren Kommentar abgeben. Wie beim Fußball wissen alle wie es geht.
Ich fand das Interview sehr interessant.Bei Altkanzler Schmidt lohnt es sich mal hin- und zuzuhören, auch wenn man nicht immer seiner Meinung ist.
Wer mehr als: "Der raucht da ja im Fernsehn" nicht mitbekommen hat tut mir Leid - Sie haben etwas verpasst.

08.08.2012
19:57
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von DerMerkerNRW | #23

Helmut Schmidt hat mit 93 Jahren in seinem Kleinhirn mehr Grips, als die ganze CDU Gilde zusammen! Mit Kohl begann die geistige und moralische Vergreisung in Deutschland! Dieser Mann hat in seinem Interview mehr Durchblick bewiesen, als der Sprechende ********** in seiner gesamten Amtszeit.

Armes Deutschland

08.08.2012
18:50
Von Schmidt kann man nur lernen,
von meigustu | #22

das es gar nichts bringt sich von klugen Gedanken faszinieren zu lassen. Das Ergebnis seiner Ideologie ist verheerend, auch wenn er es andere waren, die seine naiven Ideen umsetzten.

2 Antworten
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von ambros41 | #22-1

jo mei, gusto hat abgsondert.

Gruss
von meigustu | #22-2

an alle Flachlandtiroler.

08.08.2012
18:43
#19 Bravo, gut aufgepasst
von meigustu | #21

es fehlte ein - nach

Richtig: "Was uns helfen würde, all die Regeln die nach der Brandtregierung abgeschafft wurden genau zu durchleuchten um festzustellen welche davon dazu führten, dass der Breitenwohlstand ständig sinkt."

Richtig, eure Generation war in der Lage sich trotz der Kurzschuljahre in verständlichem Deutsch zu artikulieren, leider war sie nicht in der Lage Deutschland vernünftig zu führen. Oder war es gar nur selbstsüchtige Bequemlichkeit die euch veranlasste immer wieder die Typen zu wählen, die den Bürgerbesitz ausverkauften und dann noch Schulden ohne Ende machten. Ihr hinterlasst weniger als die Nazigeneration. Die haben ihren Sch.eiss wenigstens materiell soweit es ging ab 1945 wieder in Ordnung gebracht.

2 Antworten
Kann es sein,...
von Cebulon | #21-1

...dass Sie zu der Generation gehören, die große Lücken in dem Wissen um die Deutsche Geschichte haben? Angesichts der immensen Zerstörung, dem großen Leid, das Nazideutschland über Europa und vielen Anrainern gebracht hat, war es der ersten Nadchkriegsgeneration überhaupt nicht möglich irgendetwas "...in Ordnung" zu bringen. Welche Typen sind denn gewählt worden, die den Bürgerbesitz(?) verkauft haben?

Beginnend mit Helmut Schmidt
von meigustu | #21-2

begann der systematische Ausverkauf des Bürgervermögens bei gleichzeitiger Schuldenaufnahme. Merkel brachte dann noch die DDR Komponente, die dafür sorgte, dass Banken und einige Unternehmen von ihren Haftungsrisiken befreit wurden. Ganz im Stile des Kommunismus bleiben für die Verantwortlichen Manager in der Regel kaum persönliche Nachteile wenn sie ein Unternehmen gegen die Wand fahren.

Wo sind denn da die großen Lücken ? Lebendig machen konnte die Nazigeneration sicherlich keinen, aber materiell haben die Nazideppen Deutschland auf die Beine gestellt und Reparationen an die Opfer außerhalb von Deutschland geleistet.

08.08.2012
16:14
Helmut Schmidt erklärt bei Maischberger die Eurokrise und seine neue Beziehung
von unweit | #20

Fand die Sendung sehr interessant und man konnte auch sehr gut bemerken das es da offensichtlich eine bestimmte Leitung zwischen den SCHMIDT und die MAISCHBERGER gibt wonach SCHMIDT auch etwas gewillt war vielleicht hin und wieder mal etwas mehr von sich zu geben (oder zeigen) als wie er es bei jemand anders gemacht hätte.
Persönlich fand ich seine Bemerkungen zu seiner Freundin genügend für jemand der nicht gerne über solche Sachen sprechen möchte.
Seine wirtschaftliche Bemerkungen halte ich nach wie vor für sehr interessant.

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