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Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger "Hexenjagd"

06.03.2013 | 06:43 Uhr
Für viele verbreiten sie Angst und Furcht. Die Rocker der "Hells Angels" selbst sehen sich aber völlig zu unrecht unter Generalverdacht gestellt.Foto: dapd

Essen.  Sie sprechen von "Hexenjagden und Sippenhaft". Millionengewinne aus Schutzgelderpressung und Prostitution? Das sehen die Rocker der Hells Angels beim Talk von Sandra Maischberger nicht. Eine Wirtin aus Flensburg hält dagegen: Als sie die Rocker nicht mehr bezahlte, gingen Haus und Auto in Flammen auf.

Es ist längst nationales Thema, was sich regional in der Rockerszene des Ruhrgebiets tut. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass für Hells Angels und Bandidos Deutschland die zweitwichtigste Arena ist – nach den USA. Und: „Das Ruhrgebiet und Berlin sind die traditionell am heißesten umkämpften Schauplätze“.

Bei „Menschen bei  Maischberger“ sind es Erich Rettinghaus von der Deutschen Polizeigewerkschaft in NRW, der Stuttgarter Innenminister Reinhold Gall (SPD) und der Schriftsteller Jürgen Roth, die vor den Motorradbanden warnen. Rettinghaus, weiß man, sieht einen „Staat im Staate“ heranwachsen: „Das ist Anarchie und sehr gefährlich für unser System“.

Die Schüsse von Sterkrade vor mehr als einer Woche haben das Klima zwischen den Motrorrad-Gangs angeheizt und die Öffentlichkeit zwischen Flensburg und Füssen aufgeschreckt. Die Motive des Überfalls auf den 23-jährigen Höllenengel werden zwar lokal verortet: In einer Auseinandersetzung der Oberhausener Türsteherszene. Ihr Echo aber ist jetzt bundesweit.

Immer mehr Geschichten werden erzählt über Rocker, ihre Taten, ihre Opfer – und ihre Expansionen und Pläne. Auch in TV-Talks. „Menschen bei Maischberger“ hat Dienstagabend einen Einblick gegeben, wie die Betroffenen Auseinandersetzungen selbst empfinden. Oder wie sie sie darstellen.

Flensburger Wirtin berichtet von Schutzgelderpressung der örtlichen Gang

Ute Johannsen ist eine vierfache Mutter. Die Flensburger Wirtin berichtet: Über Jahre wurde sie gezwungen, ihren „Shamrock Irish Pub“ zu horrenden Honoraren - 3000 Euro im Monat - durch die örtliche Gang-Szene beschützen zu lassen. Als sie nicht mehr mitmachte, sind Haus und Auto in Flammen aufgegangen. Das Lokal konnte sie nicht mehr führen. Sie klagt jetzt in der Öffentlichkeit an: „Ein Gast wurde bei mir verprügelt“. Die aus Hamburg angereisten Clan-Chefs hätten mit der Randale ‚Spaß haben’ wollen. „Und das Geld, was ich verdiente, musste ich weitergeben“.

Doch Johannsens Berichte und auch die Kritik der drei Männer an den Rockern sind in der Sendung blaß geblieben. Den beiden Vertretern der Szene aber ist es gelungen, ohne großen Widerstand zum einen das Rocker-Opfer Ute Johannsen in schlechtes Licht zur rücken („überschuldet“), dann aber die ganze Sendung zur Plattform ihrer Unschuldsparolen zu machen.

„Wir sind keine Engel, aber auch keine Schwerverbrecher“, sagt da Lutz Schelhorn. Schelhorn ist Fotograf, Hells Angels-Präsident in Stuttgart. Er ist ein PR-Profi. Sein Hells Angel-Kumpel Rudolf  „Django“ Triller beherrscht den öffentlichen Auftritt nicht weniger gut: „Wir halten Werte hoch wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Respekt“. Man liebe die Freiheit, das Motorradfahren. Er wehre sich dagegen, dass sein Club pauschal in den Verdacht der kriminellen Vereinigung gerate. Millionengewinne aus Schutzgelderpressung und Prostitution?  „Die sehe ich nicht“. Was die Rocker dagegen wittern: „Hexenjagden und Sippenhaft“. Die Gesellschaft gegen sie.

Rockerkrieg in NRW – Chronik der Gewalt

Schelhorn, 54, beteuert: „Der Club hat mir viel gegeben“. Er streitet wie „Django“ eine grundsätzliche Gewalttätigkeit der Gruppierung ab: „Seit Jahren wird mit Hochdruck gegen uns ermittelt. Es gibt aber keine Resultate, die diesen Aufwand rechtfertigen“. Doch er hat auch in einem Zeitungsgespräch gesagt: „Wenn mir einer blöd kommt, sage ich: hau ab. Beim zweiten Mal sage ich’s noch mal. Beim dritten Mal brettert es“.

Der Kern ihres Auftritts: Die Rocker-Protagonisten, die in der Szene gegen neu auftretende Konkurrenz zu kämpfen haben, scheinen gegenüber der bürgerlichen Welt eine neue leicht eingängige Verteidigungslinie zu suchen. Komme es zur Gewalt, sei das „Gewalt, die sich aus Armut entwickelt“, will Schelhorn Glauben machen. Triller ergänzt: „Ich bin vor zwei Jahren in Duisburg gewesen. Viele junge Leute sind da arbeitslos. Sie sitzen in Cafes rum. Deutsche und Ausländer. Das ist deprimierend“.

Mädchen haben bei den Rockergruppen keine Chance

Mitleidsheischend erzählt man dann, wie Rocker Jungs aus kleinsten Verhältnissen eine Chance geben, die große Welt kennenzulernen. Mädchen übrigens, das räumen sie ohne großes Federlesen ein, ist das Mitmachen in der Männergesellschaft sowieso verbaut.

Erich Rettinghaus und der Innenminister von Baden-Württemberg, Reinhold Gall (SPD) sind einer Meinung, der harten Tour der Rockerbanden sei mit einer harten Tour des Staates zu begegnen. Ihre Waffe ist vereinsrechtlich und heißt: Verbot. „Das Verbot einzelner Vereine ist der beste Weg, die organisierte Kriminalität, die von Schutzgelderpressung bis zu Drogen- und Menschenhandel reicht, zu bekämpfen“, glaubt der NRW-Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Innenminister Gall setzt sich für ein „bundesweites Vorgehen“ aus.

Doch richtig zum Zug ist bei Maischberger die Linie nicht gekommen. Gut, dass es noch Gerichte gibt. Verbote funktionieren. Das Verwaltungsgericht Kassel hat gestern zwei, die in Hessen verhängt wurden, bestätigt . Triller sagt, das habe seine Leute überrascht.

Dietmar Seher



Kommentare
08.03.2013
17:23
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von Sentinel | #24

Die beiden Herrn haben versucht ihre nicht vorhandene Intelligenz über ihren Kutten strahlen zu lassen aber dabei vergessen, wer die Bühne sucht sollte seinen Text beherrschen. Sie wirkten überfordert, waren verbal nicht flexiebel und konnten nur mit alten Geschichten zu Traditionen und Werten aus vergangenen Easy-Rider-Zeiten aufwarten. Wer angeblich so gesetzestreu ist und es sich bei den Kriminellen in eigenen Reihen um Ausnahmen handelt, wer seine Regeln (Rules) achtet, der müsste im Stande sein, den Club von innen zu reinigen. Das kann aber nicht passieren denn dann würde man seine Geschäftsfelder aufgeben müssen und der Euro würde nicht mehr fließen. Schöne Show der Herrn aber mehr nicht außer das Bild des einfach gestrickten Rockers mit der Intelligenz eines Maikäfers.

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #24-1

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07.03.2013
11:32
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von FilouDuisburg | #23

Ich habe diese ARD-Sendung gesehen. Unglaublich! - Und wieder erhielten diese alternden Kriminellen die Möglichkeit, sich einem Millionenpublikum zu präsentieren. Die Fragen von Maischberger zeichneten sich vor allem aus durch Inkompetenz zur Sache und Naivität. Sie nannte diese Kriminellen Schläger verharmlosend "harte Jungs".

Heinz-W. Geisenberger

07.03.2013
10:38
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von sejournet | #22

Zahlen der Herrn total überzogen,nach den Aussagen müßten wir jeden Fußballverein in Deutschland verbieten das ist Gewalt pur.
Desweiteren sollte mann sich fragen wer hat HA und andere dann die Plattform gegeben
das waren Oberbürgermeister und Co. weil sie das Rotlicht nicht mehr in die Reihe bekammen.
Weiter will ich anmerken wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen,
siehe Rheinland Pfalz dort werden Millionen verballert und keiner weiß von was oder wird Krank und entzieht sich jeder Veratwortung das ist kriminel.usw. Berlin ect.

06.03.2013
20:37
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von Wickederin | #21

Genauso wie man die Hells Angels in eine Talkshow einlädt müsste man das mit NPD Mitgliedern machen. Jeder muss sich seine Meinung über solche Menschen bilden können. Alles andere ist schlechte Demokratie.
Im Studio gestern waren doch 3 Menschen die die Argumente der Hells Angels widerlegt/zerlegt haben.
Und die Wirtin die keine Hells Angels als Türsteher haben wollte, und deren Auto und Haus angezündet wurde war auch ein gutes Beispiel.
Der Pressesprecher hat der HA doch nur etwas wirres über Grundgesetze usw. gestottert. Das Zb. ein Häftling in seinen Grundrechten eingeschränkt ist doch selbstverständlich. Alleine das Grundrecht auf freie Information und das Recht auf Freiheit sind doch zwangsläufig ein geschränkt. Jeder Häftling hat nicht das Recht rund um die Uhr TV zu sehen, oder 5 Zeitungen zu abonnieren. Oder freie Arztwahl, so etwas gibt es nicht in einer JVA.
Wer so wieder Mann Körperverletzung mit Todesfolge begeht muss zwangsläufig mit Einschränkungen rechnen.

06.03.2013
16:50
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von Pase_Lacki | #20

"Mädchen übrigens, das räumen sie ohne großes Federlesen ein, ist das Mitmachen in der Männergesellschaft sowieso verbaut."

Erinnert mich ein bisschen an die katholische Kirche, finden da aber wohl die meisten nicht so schlimm als bei diesem Thema.

06.03.2013
16:48
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von ditku | #19

Können die Jungs nicht eine eigene Talkshow im ZDF bekommen?

06.03.2013
16:23
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von Leerlauf_duese | #18

It`s boring. Seit den 70ern versucht man gegen die HA vorzugehen, mit welchem Ergebnis? Ohne Ergebnis!

06.03.2013
15:49
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von Hubelwusel | #17

Man sollte eine Studie in Auftrag geben, ob der Durchschnittsdeutsche nicht durch einen Politiker mit Lobby-Lenkung gefährdeter ist , wie durch einen Rocker mit welcher Kutte auch immer...........

06.03.2013
15:36
Hells-Angels-Rocker beklagen bei Maischberger
von Entschuldigung | #16

So ist es nun mal,
bei "unseren" Talkshows dürfen insbesondere
solche Menschen sich ausgiebig darstellen.
Vernünftige Positionen sieht/hört man selten, werden, falls es sie gibt, stets unterbrochen. So wird mit öffentlichen Geldern Dummeheit verordnet.

06.03.2013
13:31
Freie Meinungsäußerung gilt für alle...
von Kuman-Kuman | #15

...auch, wenn das einigen Zuschauern oder Usern hier nicht gefällt. Ein Grundrecht in unserer Demokratie, das wir zum Glück noch haben! Jedenfalls im Grundsatz. Erstaunlich, dass manche Leute es gerne direkt abschaffen würden bzw. sich vorbehalten zu bestimmen, wer in einer Talkshow zu Wort kommen darf, und wer nicht.
Ich habe die Sendung nicht gesehen, daher kann ich zu den Inhalten und den Statements der Beteiligten der Runde nichts sagen. Jedoch gilt: auch "unbequeme" Talkgäste muss man aushalten können. Wer das nicht tut, der disqualifiziert sich eigentlich selbst, jemals in einer solchen Runde Platz zu nehmen. Insofern: Daumen Hoch für Frau Maischberger und ihre Redaktion!

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