HDTV-Regelbetrieb bei Olympia
17.12.2009 | 14:06 Uhr 2009-12-17T14:06:24+0100
Essen. Was vereint die Fußball-Weltmeisterschaft von 1974 und die olympischen Winterspiele im kommenden Jahr? Beide Ereignisse dienen dazu, eine neue Generation von TV-Geräten unters Volk zu bringen. Was einst Farbfernseher waren, sind derzeit HD-fähige Bildschirme. Nicht zufällig starten ARD und ZDF ausgerechnet bei Olympia den HDTV-Regelbetrieb.
So glaubt denn ARD-Programmchef Volker Herres, dass bei der Jagd nach Gold, Silber und Bronze auch „ein Stück Fernsehgeschichte“ geschrieben werde. Wie scharf der Kampf um olympisches Edelmetall ausfällt, bleibt abzuwarten. Sicher indes ist: Die Fernsehbilder werden so scharf wie nie zuvor sein.
Sendezeiten vor 20 Uhr sind für die Öffentlich-Rechtlichen gut und schlecht zugleich. Einerseits sehen abends deutlich mehr Menschen TV-Sendungen. Andererseits bieten Sendezeiten während des Tages die Möglichkeit, die TV-Rechte durch Werbung zu refinanzieren. Ein 30-Sekunden-Spot kostet beispielsweise bei der ARD zwischen 9000 Euro und 55 500 Euro, Sonderwerbeformen zwischen 16800 bis 38 850 Euro.
Bereits im Sommer, bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin, testeten die Öffentlich-Rechtlichen das sogenannte High Definition Television – nach eigenem Bekunden mit doppeltem Erfolg. Die Ausstrahlung in HD-Qualität habe technisch gut funktioniert, hieß es, und das Publikum habe jubiliert – vor allem über superscharfe Bilder in Sportarten mit schnellen Bewegungsabläufen.
Inzwischen gibt es nach Schätzung des noch amtierenden ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender bis zu 1,5 Millionen Geräte zwischen Flensburg und Füssen, bei denen der qualitative Sprung bei der Übertragung auch zu sehen ist. Sie müssen die Full-HD-Technologie bieten oder doch zumindest als HD-Ready-Geräte auf diesen Standard aufrüstbar sein. Brender: „Wir hören jetzt aus der Geräteindustrie, dass sich der Verkauf auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele erhöht.“ Ein Blick in die aktuellen Anzeigen der Elektronikmärkte bestätigt seine Aussage.
ARD und ZDF berichten, wie von sportlichen Großereignissen gewohnt, abwechselnd insgesamt mehr als 320 Stunden lang von den 21. Olympischen Winterspielen. Sie finden vom 12. bis 28. Februar statt. Die beiden Sender nutzen wieder gemeinsame Technik und Studios. Ein Teil der Wettbewerbe findet in Whistler statt. Der Ort liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Vancouver. Auch die Berichterstattung über die Paralympics vom 12. bis 21. März teilen sich die Öffentlich-Rechtlichen.
Bei den Olympischen Winterspielen darf das Erste zuerst übertragen. Die ARD startet seine insgesamt neun Sendetage mit der Eröffnungsfeier. Auch der ARD-Hörfunk berichtet umfänglich. Das Zweite zeigt an acht Tagen. Obendrein bleibt den Mainzern die Schlussfeier.
Die Sendezeiten dürften die Quoten des Sport-Spektakels mindern. Wegen der Zeitverschiebung von neun Stunden laufen die Live-Übertragungen in Deutschland zumeist zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens. Überdies gibt es mittägliche Zusammenfassungen.
Auch Eurosport dabei
„Die für die Deutschen wichtigen Sportarten wie Biathlon sind aber zur besten deutschen Sendezeit angesetzt“, wie Brender zufrieden hinzufügte. ARD und ZDF wollen mehr sein als ein Geschmacksverstärker sportlicher Euphorie. Berichterstattung über Doping soll gar ein zweiter Schwerpunkt werden.
Die ARD verpflichtete als Experten für die Winterspiele die ehemaligen Profisportler Katarina Witt, Ricco Groß, Markus Wasmeier, Peter Schlickenrieder, Dieter Thoma, sowie Meteorologe Jörg Kachelmann. Die Experten des Zweiten: Sven Fischer, Hilde Gerg, Christoph Langen, Gunda Niemann-Stir- nemann sowie Jens Weißflog.
Der private Sender Eurosport berichtet nach Angaben eines Sprechers in München vom 12. bis 28. Februar täglich 24 Stunden von den Olympischen Winterspielen, davon rund 160 Stunden live.
ARD-Programmchef Herres und ZDF-Chefredakteur Brender richten ihren Blick aber schon über die aktuellen Wettkämpfe hinaus. Sie kämpfen beim IOC für gemeinsame TV-Rechte, um über die Olympischen Spielen 2014 und 2016 zu berichten. Eine Entscheidung über die Vergabe der Übertragungsrechte steht derzeit allerdings noch aus. ARD und ZDF haben bereits ein Angebot auf den Tisch gelegt.
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