„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg - Götterdämmerung für Fleischesser?

Ernährungs-Talk bei "Hart aber fair". Am Ende waren sich alle einig, dass jeder essen soll, was er will.
Ernährungs-Talk bei "Hart aber fair". Am Ende waren sich alle einig, dass jeder essen soll, was er will.
Foto: ARD
Bei der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg diskutierten die Gäste über Fleischesser, Veganer und Massentierhaltung. Doch irgendwie waren sich alle einig.

Essen.. Ohne einen Verfechter der Massentierhaltung am Tisch fehlte es der jüngsten Hart-aber-fair-Diskussion an Feuer. Entertainer Jürgen von der Lippe, Wurstfabrikantin Sarah Dhem, Grünen-Politikerin Bärbel Höhn, Sternekoch Alexander Herrmann und die vegane Köchin Nicole Just sollten am Montagabend in der ARD mit Moderator Frank Plasberg erörtern, ob die Wurst die neue Zigarette ist und inwieweit Fleischesser in der Gesellschaft am Pranger stehen.

In der Runde waren sich allerdings alle einig, dass jeder das essen sollte, was er möchte. Am Pranger stand die Massentierhaltung. „Wie viel Platz lassen wir einem Schwein?“, fragte Bärbel Höhn rhetorisch und gab die Antwort mit einem Vergleich, der in der Sendung zum Running Gag wurde: „Sie müssen sich mal vorstellen, in einem Bett von einem mal zwei Meter gibt es drei Schweine von 110 Kilo. Und ich finde, drei Schweine in einem Bett sind zu viel“, meinte Höhn trocken und erntete dafür Gelächter und Applaus aus dem Publikum.

"Hart aber fair" - Höhn fordert bei Frank Plasberg eine neue Tierhaltung

Die ehemalige NRW-Umweltministerin forderte vehement eine andere Form der Tierhaltung und eine differenzierte Kennzeichnung auf den Produkten. Applaus für Höhn. Da wollte auch Sabine Dhem, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes er Deutschen Fleischwarenindustrie, nicht widersprechen.

Vegane Ernährung Jürgen von der Lippe kritisierte, dass die Tierschutzgesetze nicht richtig greifen würden: „Ich möchte, dass da nur noch zwei Schweine in diesem Bett sind. Und wir sollten gucken, dass wir dahin kommen.“ Höhn nahm den Ball wieder auf: „Zwei Schweine im Bett sind okay, sag‘ ich immer.“

"Hart aber fair" - Genussmensch Von der Lippe will ein teures Steak

Die Veganerin und Köchin Nicole Just machte dem bekennenden Genussmenschen Jürgen von der Lippe einen Vorschlag, wie er die Zahl der Schweine pro Bett zu reduzieren könnte: häufiger auf Fleisch verzichten und mehr Gemüse essen. Jürgen von der Lippe möchte aber lieber deutlich mehr Geld für sein Steak bezahlen, um artgerechte Tierhaltung mitzufinanzieren. „Wenn ich will, dass etwas weniger konsumiert wird, dann mache ich es teurer“, sagte der 67-Jährige.

Sarah Dhem lobte die hohen deutschen Standards in der Fleischverarbeitung, kritisierte aber, dass nicht alle Körperteile des Tieres verwendet würden. Gegen Justs Vorschlag, einfach mal etwas weniger Fleisch zu essen, hatte sie nichts einzuwenden.

Alexander Herrmann erinnerte daran, dass nur derjenige bewusst darüber entscheidet, was er ist, der auch entsprechend informiert ist. Deshalb forderte er die Politik auf, die Themen Ernährung und Esskultur auch an den Schulen zu vertiefen. Dem Sternekoch ist im Übrigen auch vor allem daran gelegen ist, „dass es der Sau gut geht“.

"Hart aber fair"-Redaktion deckt müde Marketing-Tricks auf

Apropos Sau und Gut. Die Hart-aber-fair-Redaktion hat herausgefunden, dass es das Bauern-Gut, auf dem die Sau zur Edeka-Wurst werden soll, gar nicht gibt. Und dass die Wurst von der Rügenwalder Mühle überhaupt nicht in einer Mühle produziert wird. Die Tricks der Marketing-Menschen auf der Verpackung vermitteln also nicht die Realität. Überraschung.

„Mich interessiert der Geschmack. Die Verpackung ist mir scheiß egal“, zeigte sich von der Lippe unbeeindruckt. Dhem gestand, dass die verschleierte Realität dem Konsumenten das Produkt schmackhaft machen soll. Überraschung.

Außerdem nutzte sie ihre Sprechzeit noch, um Moderator Frank Plasberg klarzumachen, dass „Schinken auch nur der Arsch vom Schwein“ ist. Damit wollte sie den Ekelfaktor bei der Zungenwurst zu relativieren, die die Geschäftsfrau in ihrem Unternehmen herstellen lässt.

„Die Menschen müssen ja nicht alles wissen“

Bei einer Umfrage in einem Essener Einkaufszentrum waren die Testesser geschmacklich zwar durchaus angetan von eben jener Zungenwurst - aber nur solange, bis ihnen der unverarbeitete Körperteil des Tieres präsentiert wurde. „Die Menschen müssen ja nicht alles wissen“, sagte eine Testesserin in dem Einspieler frei heraus.

Eine Vertreterin der Stiftung Warentest bescheinigte im Studio den meisten Bratwürsten eine gute Qualität. Anders sehe es beim Hackfleisch aus. 50 Prozent der getesteten Produkte seien mit zum Teil krank machenden Keimen belastet gewesen. Nach den jüngsten Untersuchungen der Stiftung Warentest erfüllen die Bio-Produkte im Allgemeinen höhere Qualitätsstandards.

Am Pranger stand am Ende der Sendung jedenfalls keiner der Diskutanten. Wäre es nach Jürgen von der Lippe gegangen, wären sie auch alle gemeinsam eine Wurst essen gegangen. Wobei Nicole Just dann ihre vegetarische mitgebracht hätte.

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