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Harald Schmidt

Harald Schmidt Show setzt bei Sky auf Hochkultur statt Quote - bei Sprüchen ist noch Luft nach oben

05.09.2012 | 06:00 Uhr
Harald Schmidt Show setzt bei Sky auf Hochkultur statt Quote - bei Sprüchen ist noch Luft nach oben
Der Start der "Harald Schmidt Show" bei Sky verlief am Dienstag durchwachsen. Foto: dapd

Essen.  Mit der "Harald Schmidt Show" ist das populärste Nischenprodukt Deutschlands beim Pay-TV-Sender Sky in einer Quoten-Nische angekommen. Harald Schmidt wirkte bei der Premiere voll motiviert, rutschte aber zu oft in den Durchschnitt ab. Und dann war da noch der Trotzkopf des Entertainers.

Dirty Harry ist zurück. Gut gelaunt, voll motiviert und mit typisch bissig-bösen Spitzen startete Harald Schmidt am Dienstagabend um 22.15 Uhr die Premiere seiner „Harald Schmidt Show“ auf Sky . Doch der Elan und der Enthusiasmus eines Neuanfangs – des wohl letzten in seiner „Late Night Ära“ im deutschen Fernsehens – war schon nach wenigen Minuten weitesgehend verpufft.

Harald Schmidt machte da weiter, wo er bei Sat.1 aufgehört hat: Das Niveau früherer Tage kann er nicht über die gesamte Show durchhalten. Zwischen grandioser Ironie – „Mir ist es lieber, ein Senior wühlt in der Mülltonne als im Supermarkt vor mir nach Kleingeld“ – mischt sich zu viel Durchschnitt.

Der große Wurf war selten bei den Gags von Harald Schmidt

Da kann auch der freche Sidekick Klaas Heufer-Umlauf nicht helfen, mit dem Harald Schmidt über den Riva-Verlag herzog, der ein Buch von Bettina Wulff herausbringen wird. Süffisant zeigen die beiden Bücher mit zweifelhaften Titeln wie „Arschlöcher kommen immer zuerst“ oder „Überleben unter Opfern“ – einem Buch über die YouTube-Lieblinge DieAussenseiter. Schmunzeln ist bei den Sprüchen durchaus drin, der große Wurf ist unter den Gags in der „Harald Schmidt Show“ aber eher selten.

Das dürfte den Entertainer aber nicht stören. Bei Sat.1 wegen mieser Quoten in die Wüste geschickt, hat das populärste Nischenprodukt des deutschen Fernsehens bei Sky jetzt auch in der Reichweite seine Nische gefunden. Kaum vorstellbar, dass bei rund drei Millionen Sky-Abonnenten die 730.000 Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe wie zuletzt noch bei Sat.1 auf Dauer erreicht werden.

Dass es am Ende aber laut Meedia nur 20.000 waren, die bei der Premiere einschalteten, dürfte auch nicht spurlos an den Sky-Verantwortlichen vorbeigegangen sein. Sky verbreitete am Mittwoch die Meldung, dass die Harald Schmidt Show eine Netto-Reichweite von 60.000 erreicht habe. Dazu sagt Gary Davey, Programmchef Sky Deutschland: "Wir sind sehr zufrieden mit der Auftaktsendung der Harald Schmidt Show. Mit der zusätzlichen Verbreitung über Sky Go und Sky Anytime haben wir zudem eine neue Ära des TV-Erlebnisses eingeläutet. Harald hat gezeigt, dass er der König des Late Nights ist und in punkto Qualitätsfernsehen Maßstäbe setzt. Damit passt er perfekt zur Strategie von Sky, die konsequent Qualität und nicht Quote in den Mittelpunkt stellt."

Schmidt hat bei Sky Narrenfreiheit

Hochkultur statt Quote - Harald Schmidt schenkte zur Premiere seiner Show auf Sky den Weltstars der klassischen Musik Helene Grimaud und Sol Gabetta eine Viertelstunde seiner Sendezeit.Foto: dapd

Harald Schmidt ist für Sky ein Aushängeschild. Harald Schmidt hat nie um Publikum gebuhlt. Er bietet ein Produkt an, das entweder angenommen wird oder auch nicht. Ist das Geradlinigkeit oder eher Sturheit? In der ARD und bei Sat.1 ist er mit dieser Haltung gescheitert. Bei Sky ist Harald Schmidt – wie er selbst sagt – „endlich angekommen“. Sein Programmchef gewährt dem Trotzkopf Narrenfreiheit.

Der Meister der Ironie braucht bei Sky keine gigantischen Quoten machen. Auch die Erwartungshaltung, mit dem Entertainer neue Abonnenten zu gewinnen, dürfte realistisch gesehen eher gering sein – deshalb ist Dirty Harry erstmal für alle Sky-Kunden unabhängig vom gebuchten Paket freigeschaltet. Und Schmidt wäre nicht Schmidt, Eine Marke, die den Pay-TV-Sender schmückt und zur Image-Offensive passt.

Vergleich von Sky mit Nordkorea

Harald Schmidt sieht sich selbst als Kunstprodukt, wenn er das nicht gleich zum Anlass nehmen würde, seinem neuen Arbeitgeber einen Seitenhieb zu verpassen. Also zeigt er zum Showstart erstmal ein paar heruntergekommene Kneipen mit Sky-Schild an der Tür. Und Klaas Heuer-Umlauf toppt das noch, in dem einen vagen Vergleich zwischen Nordkorea und Sky zieht – beides „hermetisch abgeriegelt“.

Klaas Heufer-Umlauf servierte Harald Schmidt zur Premiere auf Sky die Sidekicks.Foto: dapd

das seine Daseinsberechtigung daraus schöpft, ständig gegen den Strom zu schwimmen. Natürlich hätte er zur Premiere der „Harald Schmidt Show“ auf Sky einen Quotenbringer aus Film und Fernsehen zu einem netten Plausch bitten können.

Harald Schmidt hat noch Luft nach oben

So wird Harald Schmidt auch bei Sky sein Stammpublikum mit glühenden Fans finden. Doch das wäre zu einfach und ganz und gar nicht typisch Schmidt gewesen. Dieser überrascht lieber mit Hochkultur und lädt mit der Pianistin Helene Grimaud und der Cellistin Sol Gabetta Weltstars der klassischen Musik ein. Am Mittwoch wird die Schauspielerin Anna Fischer zu Gast sein und am Donnerstag die deutsche Fechterin Britta Heidemann. Dazu kommen die Bands „Get Well Soon“ und tags darauf „Beth Hart“.

Harald Schmidts beste Sprüche

Ob diese Schar allerdings noch einmal größer wird, darf nach der Sky-Premiere mit der verkürzten Sendezeit von nur noch 35 Minuten allerdings bezweifelt werden.

Die Chance auf einen echten Neuanfang wollte der Trotzkopf erst gar nicht in Erwägung ziehen. Stattdessen brüstet er sich stolz damit, dass eigentlich alles beim Alten geblieben ist. Das Studio, die Musik mit Helmut Zerlett & Band sowie der inhaltliche Aufbau. Und Harald Schmidt? Der hat gewiss noch Luft nach oben.

 

Auch Sky sollte noch einmal die Präsentation der Harald Schmidt Show reflektieren.

  1. Seite 1: Harald Schmidt Show setzt bei Sky auf Hochkultur statt Quote - bei Sprüchen ist noch Luft nach oben
    Seite 2: Herbe Kritik an Werbeunterbrechung während der Show

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Kommentare
05.09.2012
17:18
Harald Schmidt Show setzt bei Sky auf Hochkultur statt Quote - bei Sprüchen ist noch Luft nach oben
von neindankeichsehmichnurum | #3

Fernsehen hat in erster Linie leichte Kost zu sein. Möglichst viele konsumieren möglichst Einfaches, daher die Jagd nach der Quote und das immer flacher werdende Niveau. Wenn man unter gefühlten 10.000.000 lustigen Onkeln und Tanten im Fernsehen wählen kann, dann bleibt die Qualität auf der Stecke. Die Devise lautet möglichst aufdringlich und möglicht spektakulär und möglichst primitiv, um in den Focus zu geraten, selbst wenn man dabei seine Reputation verliert. Überall nur schrille und laute Töne und möglichst "dynamische", weil wackelige Kameraführung. Überall nur plakative, knallige Farben. Für Pastell ist da kein Raum mehr.

Harald Schmidt serviert keine Schenkelklopfer, Schmunzeln reicht.
Harald Schmidt genügt sich selbst - und das ist auch gut so.



05.09.2012
11:29
Harald Schmidt Show setzt bei Sky auf Hochkultur statt Quote - bei Sprüchen ist noch Luft nach oben
von Manhattan78 | #2

Lebt der Sky Deutschland-Chef eigentlich hinterm Mond? Zitat: "Durch die Verbreitung über Sky Go und Sky Anytime haben wir zudem eine neue Ära des TV-Erlebnisses eingeläutet." Soweit ich weiß konnte man die Show auch schon übers Internet sehen als sie noch auf Sat1 lief. Außerdem können nur Sky-Film-Abonnenten auf das Sky-Go-Anytime Angebot zurückgreifen was eine zusätzliche Verbreitung wohl sehr erschwert.

05.09.2012
09:19
Harald Schmidt setzt in Sky-Show auf Hochkultur statt Quote - bei Sprüchen ist noch Luft nach oben
von Erpunktkapunkt | #1

Schmidt wird wohl nie wieder zu seiner alten Groeße zurueckfinden. Vielleicht ist er aber auch muede geworden, was schade ist, denn an Intelligenz mangelt es diesem Mann garantiert nicht.

Grammar-Nazi Anmerkung: Es heisst Sidekick, mit D und der gute Mann heisst Klaas HeuFer-Umlauf. Zusammen mit Jan Boehmermann wohl einer der wenigen Lichtblicke in der deutschen Fernsehlandschaft. Witzig, intelligent mit einem Hang zu wirklich gutem Nonsense-Humor. Das bedeutet die Witze sind oft schon ein wenig hintergruendiger als die von Mario Barth o. Oliver Pocher, denen ja leider erlaubt wird (eigene) Sendungen zu moderieren, denen dazu aber etwas entscheidenendes fehlt: Emotionale Intelligenz und eine gehoerige Portion Allgemeinwissen.

Wie dem auch sei: Schmidt war nicht so schlimm, wie bei einigen wirklichen Tiefpubkten der letzten Jahre, aber auch nicht wirklich so genial, dass es einen vom Hocker haut.

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