Hannes Ringlstetter eröffnet "Vereinsheim Schwabing" im Ersten

Hannes Ringlstetter zeigte früh sein kabarettistisches Talent: Bei Familienfeiern schlug er sich als Parodist durch.
Hannes Ringlstetter zeigte früh sein kabarettistisches Talent: Bei Familienfeiern schlug er sich als Parodist durch.
Foto: ARD
Was wir bereits wissen
Ab Donnerstag bittet Kabarettist Hannes Ringlstetter in der ARD ins "Vereinsheim Schwabing". In der Szene gilt der 44-Jährige als "heiße Nummer".

Regensburg.. Hannes Ringlstetter ist der aufgehende Stern am Kabarett-Himmel. Im Ersten strahlt er derzeit besonders hell. Am Donnerstag eröffnet der gebürtige Bayer um 23.30 Uhr das „Vereinsheim Schwabing“. In der Woche drauf ist er ab 23 Uhr in der ARD gleich im Doppelpack zu sehen. Nach dem „Vereinsheim“ hängt der 44-Jährige in der „Kabarett-WG“ ab. Jürgen Overkott sprach mit ihm.

Wo erreiche ich Sie gerade?

Hannes Ringlstetter: In der Pampa, in der Nähe von Regensburg. Ich habe zwei Wohnsitze, einen in München und einen auf dem Land.

Was lieben Sie an der Stadt, was am Land?

Ringlstetter: An der Stadt liebe ich, dass es dort mehr Menschen meines gleichen gibt. Am Land liebe ich die Abgeschiedenheit.

Wo sind Sie aufgewachsen?

Ringlstetter: Auf dem Land, zwischen Straubing und Passau – da bin ich aufgewachsen worden.

Geschah das gegen Ihren Willen?

Ringlstetter: Ja, schon. Ich bin in einem katholisch-ländlichen Umfeld groß gegangen. Das hat mir bei einer Laufbahn sehr geholfen. Es war zumindest so – ich komme aus einem Lehrer-Haushalt -, dass ich dort gelernt habe, Mikrokosmen zu beobachten. Ich habe mich damals eher als Beobachter gesehen, und das ist auch heute noch so. Ich verursuche die Untiefen der Menschen im Kleinen zu erkennen und auf das Große zu übertragen.

ARD Ihr Lieblingsplatz ist im Café.

Ringlstetter: Jawohl. Aber das wird immer schwieriger, weil es immer weniger Kaffeehäuser gibt. Die werden ja durch Starbuck’s verdrängt…

…und durch Kaffee to go – viele Leute trinken ihren Kaffee heute im Vorbeigehen.

Ringlstetter: Ich nicht. Ich sitze gerne beim Kaffeetrinken und schreibe dabei.

Sie haben in Ihrer Jugend Kurt Tucholsky und Alfred Polgar gelesen und gesagt: Das will ich auch.

Ringlstetter: Ja, ich habe alles gelesen, was ich lesen musste, aber ich habe auch schon früh mit Musik umgeben. Mit Qualtinger zum Beispiel, der Kabarett und Musik verbindet. Damit konnte ich mehr anfangen als mit Didi Hallervorden oder Otto.

Ging es Ihnen eher um politische Botschaften und Tiefsinn?

Ringlstetter: Ich kann mit dem Kleiner-Mann-Kabarett nicht viel anfangen, wenn es sich nur um die sogenannten großen da oben kümmert, die Schweinereien anstellen. Ich beschäftige mich lieber mit dem niederbayerischen Landwirt, der genau weiß, wie er sich in der Subventionspolitik der EU bewegen muss, um gut über die Runden zu kommen. Der verhält sich nicht anders als ein Lobbyist. Das ist eine Welt, die ich kenne.

Nachruf Wären Sie in die „Kabarett-WG“ (donnerstags im Ersten) auch eingezogen, wenn Dieter Hildebrandt dort gewohnt hätte?

Ringlstetter: Auf jeden Fall. Den Dieter habe ich immer verehrt – wegen seiner Sprache und wegen seiner Haltung, die er hatte. Er hatte eine sehr menschenfreundliche Haltung. Eine kritische Haltung ist etwas anderes als ein grundsätzlicher Zynismus. Dieter Hildebrandt war ein Lebemensch, der sich auch kluge Gedanken gemacht hat. Ich habe ihn immer kennengelernt wollen, und kurz vor seinem Tod, in den letzten beiden Jahren, habe ich ihn – ich war damals bei der Lach & Schieß – kennenlernen dürfen. Ich habe ihn als wahnsinnig empathischen Menschen erlebt, der keineswegs intellektuell abgehoben war, sondern mittendrin im Leben stand. Er war einfach ein sehr aufmerksamer Beobachter.

Wie Sie. Wann brach das kabarettistische Talent aus Ihnen heraus?

Ringlstetter: Relativ früh. Es fing damit an, dass ich mich bei Familienfeiern als Parodist durchgeschlagen habe. Ich hatte eine Tante aus Franken, die ich schnell drauf hatte. Mir war einfach so langweilig. Ich dachte mir: Wenn keiner fun-mäßig was bieten hat, dann muss ich das wohl machen.

Wurde das irgendwann von Ihnen erwartet?

Ringlstetter: Nee, mein Eltern war es lieber, was etwas auf dem Klavier vorgespielt habe.

Lautete die Botschaft: Spiel’ Klavier – und halt Deinen Mund?

Ringlstetter: Nein, wir hatten eine hohe Diskussionskultur – mein Vater war Deutsch-Lehrer. Den Humor habe ich schon von ihm. Aber sonst war es schon so: Nach dem Mittagessen haben wir die Johannes-Passion gehört. Davon musste ich mich irgendwann befreien.

Wobei es früher leichter, seinen Eltern mit Musik auf den Geist zu übergehen. Heute sind viele Eltern doch Allesversteher.

Ringlstetter: Ja, das stelle ich auch fest. Wenn die Tochter meiner Freundin Bob Dylan hört, verstört mich das mitunter sehr. Andererseits freue ich mich darüber, dass sie so einen guten Geschmack hat.