Grimme-Preis-Gala im Schatten des Germanwings-Absturzes

Verleihung der Grimme-Preise 2015: Ulrich Tukur, Ulrich Matthes und Moderator Jörg Thadeusz bei der Gala in Marl.
Verleihung der Grimme-Preise 2015: Ulrich Tukur, Ulrich Matthes und Moderator Jörg Thadeusz bei der Gala in Marl.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die 51. Preisverleihung der Grimme-Preise in Marl begannt am Freitagabend früher als gewohnt - und ernster als üblich. Nachdenkliche Töne beherrschten die Gala.

Marl.. Einmal im Jahr glänzt Marl - wenn der Grimme-Preis verliehen wird. Doch diesmal, am Tag drei nach dem schrecklichen Absturz des Germanwings-Fliegers, lag ein Schatten über der Gala für wegweisendes Fernsehen. Marl trauerte mit der Nachbarstadt Haltern um die ums Leben gekommene Schülergruppe und ihre beiden Lehrerinnen.

Deshalb begann die 51. Preisverleihung im Stadttheater zehn Minuten früher als gewohnt. Der nicht immer souveräne Moderator Jörg Thadeusz bereitete das Publikum darauf vor, es gebe diesmal "nicht das große Ramba-Zamba". Marls Bürgermeister Werner Arndt bat anschließend darum, der Toten stehend und schweigend zu gedenken.

Nachdenkliche Töne bei der Gala

Folgerichtig beherrschten nachdenkliche Töne einen guten Teil der Veranstaltung. Die Auszeichnung von Max Uthoff und Claus von Wagner bewegte das Publikum. Die beiden Kabarettisten nutzte im vorigen Herbst eine Ausgabe des ZDF-Formats "Die Anstalt" dazu, die Sendung mit dem Auftritt eines syrischen Flüchtlingschores abzuschließen. Einige Mitglieder der Sängerschar saßen durch T-Shirts erkennbar im Publikum.

Dennoch trug die Gala nicht nur Trauer. Dafür sorgte allein Pianist und Sänger Marc Scheibe, der sich auf dem roten Teppich vor dem Theater Stichworte für einen launigen Spontan-Song holte. Das Lied feierte später im Saal Premiere.

Ulrich Tukur machte sich klein

Thadeusz warf im Gespräch mit Suzanne von Borosdy, Maxim Mehmet und Matthias Brandt mehr Fragen auf, als er Antworten erhielt. Borosody animierte er dazu, ihm eine Ohrfeige zu geben. Brandt fragte er, ob er - wegen auffällig vieler Sex-Szenen in dem ausgezeichneten Film "Männertreu" - ein Double gehabt habe.

Ein wahrhaft Großer machte sich klein: Ulrich Tukur gab das Lob für den außergewöhnlichen "Tatort: Im Schmerz geboren" an Regisseur, Drehbuch-Autor und die Redaktion des zuständigen Hessischen Rundfunks weiter. Ulrich Matthes, Tukurs Widerpart, freute sich darüber, in dem Krimi auftreten zu dürfen wie in einem Italo-Western, den er in Jugendtagen liebte.

Museumswärter untersagte lauten Jubel

Schon vor der Preisverleihung, beim Pressetreff, hatte Matthes launig zum besten gegeben, wie er von der Ehrung erfahren hatte: beim Museumsbesuch. Er musste flüstern - ein Museumswärter gab ihm exakt zehn Sekunden.

Die Besondere Ehrung von Grimme-Gesellschafter Deutscher Volkshochschulverband ging an zwei Auslandskorrespondenten: Dietmar Ossenberg (ZDF) und Ina Ruck (ARD) vereinten große weite Welt und kleine Heimat Ruhrgebiet. Kairo-Kenner Ossenberg stammt aus Recklinghausen, Moskau-Frau Ruck aus Unna.

So getragen die Gala begann, so beschwingt endete sie. Die Dramaturgie beschränkte sich aufs Wesentliche. Die neue Grimme-Chefin Frauke Gerlach und der neue Grimmepreis-Referent Steffen Grimberg beherzigten das Fernseh-Grundgesetz: Eine gute Geschichte muss in 90 Minuten erzählt sein.