Geschichte im TV - Wie Prinz Eugen berühmter Feldherr wurde

Für Ludwig XIV (Cornelius Obonya), hier mit einer adeligen Dame (Pia Baresch), taugt  Prinz Eugen zunächst nichts.
Für Ludwig XIV (Cornelius Obonya), hier mit einer adeligen Dame (Pia Baresch), taugt Prinz Eugen zunächst nichts.
Foto: ARTE/ORF/Philipp Kaiser/pre tv
Was wir bereits wissen
Das Morgen- und das Abendland galten lange als erbitterte Feinde. Aber sie waren doch viel mehr als das. Und Prinz Eugen von Savoyen trug einiges dazu bei. Arte zeigt seine Geschichte in einem zweiteiligen Dokumentarfilm "Prinz Eugen und das Osmanische Reich".

Berlin.. Als kleiner, vernachlässigter Prinz wuchs er heran - dabei zeigten sich bei ihm schon früh außergewöhnliche Interessen. So hat sich Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) als Kind ausführlich mit Insekten wie Ameisen beschäftigt - sie wurden später bei der medizinischen Versorgung als Wundverbiss herangezogen.

Sein Vater Eugène-Maurice war im Krieg, die Mutter Olympia mit Ränkespielen bei Hofe beschäftigt - da hatte der junge Prinz im Pariser Palais Soissons viel Zeit, um seinen Bildungshunger zu stillen.

Sein großes Interesse galt der Astrologie und der Mathematik, und im Dienste der Habsburger glückte ihm später eine einzigartige Karriere. Sie steht im Mittelpunkt des Zweiteilers "Prinz Eugen und das Osmanische Reich", der an diesem Samstag auf Arte gezeigt wird.

"Stumpfnase" und "Lumpenprinz"

Prinz Eugen wird zunächst "Stumpfnase" und "Lumpenprinz" genannt, von seiner Familie vernachlässigt und von König Ludwig XIV. (dargestellt von Cornelius Obonya) geschmäht ("Hat er denn die rechte Figur, um ein Regiment zu führen?").

Fernsehen Zwar lässt er sich davon nicht einschüchtern, doch gibt sich der schmächtige und etwas kleingewachsene 18-Jährige (Simon Morzé) vorerst einem ziellosen Lebenswandel hin. Homosexualität im Barock existierte offiziell natürlich nicht - was nicht besagt, dass sie nicht umso ausschweifender ausgeübt wurde, gerade unter jungen Adligen wie Prinz Eugen, doch belegt ist hierüber nichts. Sein Vater ist bereits 1673 verstorben, und so schreitet nunmehr seine Mutter ein und will ihren Sohn ausgerechnet zum Dienst an Gott in ein Domkapitel stecken.

Doch Eugen flieht aus Paris - nach seiner ersten gewonnenen Schlacht als Rekrut (bei der Befreiung Wiens von den Türken) wird ihm dann doch ein ganzes Regiment übertragen: "Ihr kämpft für den Kaiser, aber ihr kämpft auch für Euch und Eure Würde", impft er den antriebslosen Soldaten ein. Fortan macht sich Eugen von Savoyen einen Namen als Militärstratege der Habsburger: 1697 gelingt ihm mit einem Überraschungsangriff bei Zenta ein entscheidender Sieg über das osmanische Heer.

Doch Eugen ist nicht nur ein Militärstratege, sondern auch ein Kosmopolit - und so beginnen Habsburger und Osmanen nach Jahrzehnten der Kriege schließlich einander zu respektieren und sich in Kultur, Mode, Technik und Wissenschaft erst zu beeindrucken und dann auch zu beeinflussen.

Prinz Eugen sehnt sich nach Freundschaft

Während die Habsburger im 17. Jahrhundert klar als Supermacht gelten, kann man das Gleiche getrost auch von den Osmanen behaupten. Zwar versuchen die Sultane, ihren Einfluss in Mitteleuropa auszuweiten, doch werden sie gleichzeitig von Unruhen im eigenen Reich geplagt.

Glücklicherweise erweist sich die Mutter des Sultans Ahmed III., Gülnus (Maya Henselek), als wohltätige Stifterin und fördert kulturelle Vorhaben wie das Einbinden von Büchern in kostbares Leder oder den Bau schöner Moscheen. Im kollektiven Gedächtnis der Türkei oder auf den Stadtplänen ist ihr Name allerdings nicht (mehr) präsent.

Dokumentation Eine wirkliche tiefe Beziehung will Eugen (jetzt: Stefan Puntigam) zeitlebens nicht gelingen, er bleibt ein vereinsamter Mensch. Eine inspirierende Freundschaft verbindet ihn jedoch mit dem zwölf Jahre jüngeren Claude de Bonneval (Simon Hatzl). Eugen sehnt sich nach einer vollkommenen, ja geradezu unverbrüchlichen Freundschaft und schenkt Claude einen edlen Ring - doch es wird nicht klar gezeigt, wie weit sie zwischen diesen beiden Männern wirklich geht.

Schließlich wendet sich Bonneval von Eugen ab und gibt ihm gar den Ring zurück. Später wird er verhaftet und nach Venedig abgeschoben, konvertiert zum Islam, nimmt den Namen Ahmed an und stirbt 1747 in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Dokumentation ist was für Liebhaber

Der zweiteilige Dokumentarfilm ist sehr didaktisch aufgebaut und erfordert schon ein wenig geschichtliches Vorwissen. Einige Begriffe wie Harem (heiliger und unverletzlicher Ort) oder Konkubine (Geliebte) werden erklärt, und die geschichtlichen Zusammenhänge durch Einlassungen einiger Historiker und Historikerinnen erläutert.

So werden die Hierarchien in einem Harem oder Heer ebenso klar wie die wirtschaftlichen Interessen des Sultans oder des Prinzen. Dazwischen gibt es Spielszenen, die die Entwicklung unterstreichen, die ein junger bedeutungsloser Prinz bis hin zum erfolgreichen Kunstsammler, Bau- und Kriegsherrn und Diplomaten genommen hat.

Dabei wird deutlich, dass Prinz Eugen stets anders war als die Anderen, dass er ohne Familie und ein Fremder im eigenen Land blieb - und dass er es dennoch geschafft hat, nicht vergessen zu werden. (dpa)

Samstag, 23. Mai, Arte, 20.15 Uhr