Genie und Berserker - Hommage an Rainer Werner Fassbinder

Ein Fassbinder zur besten Sendezeit: Maria (Hanna Schygulla) begrüßt in "Die Ehe der Maria Braun" ihren Mann Hermann (Klaus Löwitsch), nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Ein Fassbinder zur besten Sendezeit: Maria (Hanna Schygulla) begrüßt in "Die Ehe der Maria Braun" ihren Mann Hermann (Klaus Löwitsch), nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.
Foto: Arte/Rainer Werner Fassbinder Foundation
Die meisten Genies sterben früh - so ist es auch dem deutschen Regisseur Rainer Werner Fassbinder ergangen. Der Kulturkanal Arte erinnert an ihn.

Berlin.. Am Sonntag nach Pfingsten, dem 31. Mai, wäre Rainer Werner Fassbinder 70 Jahre alt geworden - wenn er nicht schon am 10. Juni 1982 im Alter von nur 37 Jahren gestorben wäre. Eine halbe Flasche Whisky pro Stunde, zwanzig Zigaretten pro Tag, Missbrauch von Drogen und Medikamenten, kaum Schlaf - so lebte er zuletzt.

Solch ein exzessiver Lebenswandel forderte schließlich seinen Tribut: sein Herz hörte einfach auf zu schlagen. Der Regisseur hinterließ viele Spielfilme, mehrere TV-Serien und zahlreiche Bühnenstücke und Hörspiele. Stoff genug für einen Themenabend "Fassbinder", der an diesem Mittwoch ab 20.15 Uhr auf Arte gezeigt wird.

Hanna Schygulla als Maria Braun

Zu Beginn der Hommage gibt es den Spielfilm "Die Ehe der Maria Braun" aus dem Jahre 1978. Der Film, mit Fassbinders Entdeckung Hanna Schygulla in der Titelrolle, ist die letzte Zusammenarbeit mit dem Kameramann Michael Ballhaus und bildet den Auftakt zu seiner "BRD-Trilogie", zu der auch "Lola" (1981) und "Die Sehnsucht der Veronika Voss" (1982) gehören. Erzählt wird anhand der ersten Nachkriegsjahre die Geschichte einer Emanzipation, die letztlich scheitert.

Wie andere Frauen im Jahre 1945, sucht auch Maria Braun (Hanna Schygulla) nach ihrem im Krieg vermissten Ehemann Hermann (Klaus Löwitsch), den sie eigentlich für tot hält. Zunehmend resigniert, beginnt sie erst eine Liebesbeziehung mit dem schwarzen GI Bill (George Byrd) und später mit dem Industriellen Oswald (Ivan Desny), wodurch zumindest die materiellen Entbehrungen für sie und ihre Mutter (Gisela Uhlen) gelindert werden.

Alles scheint in Ordnung, bis eines Tages der totgeglaubte Gatte vor ihrer Tür steht.

"Der Fassbinder war ein Mensch, dem viele hörig waren. Es war immer anders mit ihm", erinnert sich die heute 71-jährige Hanna Schygulla in der nachfolgenden Dokumentation "Fassbinder" von Annekatrin Hendel. Die Autorin fragt in ihren Interviews stets und hartnäckig nach und holt somit Erstaunliches aus den Befragten heraus.

Hanna Schygulla erzählt in dieser gut recherchierten Spurensuche ebenso offen über den Regisseur wie seine ehemaligen Protagonistinnen Margit Carstensen (75) und Irm Hermann (72), die noch heute von Fassbinder schwärmt: "Es war eine Intimität der Sonderklasse. So hat noch nie zuvor jemand mit mir gesprochen." Zu Wort kommen weitere Wegbegleiter wie Harry Baer, Hark Bohm, Wolf Gremm und Volker Schlöndorff - und Fassbinder selbst.

Fassbinder hat in nur 13 Jahren mehr als 40 Filme gedreht

So entsteht das faszinierende Porträt eines faszinierenden Mannes, den man wohl getrost einen charmanten Stinkstiefel nennen darf, und der die Menschen in seinem Umfeld mit Lob, Demütigung und Euphorie für sich und seine Sache einnehmen konnte.

Er schlief gerne mit seinen Darstellern und Darstellerinnen, er wusste sie zu manipulieren, zu unterdrücken und zu Höchstleistungen zu animieren. Sich selbst schonte er dabei auch nicht gerade, er gab gerne Gas und trat dann wieder voll auf die Bremse - aber dieses Kamikazeleben hat ihn eben auch frühzeitig fertiggemacht.

Derzeit ist im Berliner Martin-Gropius-Bau eine umfassende Ausstellung zu sehen: "Fassbinder JETZT" (bis zum 23.8.) zeigt sehr eindrucksvoll, wie weit das Werk des Regisseurs bis heute nachwirkt. Rainer Werner Fassbinder hat in nur 13 Jahren mehr als 40 Filme gedreht (und zwei TV-Serien), die meisten von einer Intensität, Komplexität und Genauigkeit der Beobachtung, die das deutsche Kino nach ihm nur selten erreicht hat.

Sein eigenwilliger - zwischen einfühlsamem Melodram und beißender Satire angesiedelter - Stil fand auch international große Beachtung. Er hätte noch viel mehr Filme drehen sollen. (dpa)

"Die Ehe der Maria Braun", Mittwoch, 27. Mai, Arte, 20,15 Uhr
"Fassbinder", Mittwoch, 27. Mai, Arte, 22.10 Uhr

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