Game of Thrones: Süchtig nach Sex, Hass und Gewalt

Das Schicksal hat einen unverwechselbaren Klang. Einen unerbittlichen Takt. Posaunen kündigen ihn düster an. Dann spielt ein Cello die klagende Hauptmelodie, untermalt von Paukenschlägen, die keinen Zweifel daran lassen, dass hier die Abgründe menschlichen Lebens und Strebens aufgezeigt werden: "Game of Thrones", das ewige Spiel um die Macht, um Liebe, Sex und Hass, um Rache und Tod.

Die Fantasy-Saga "Game of Thrones" gilt als das beste Fernseh-Epos der Welt. In einer mittelalterlich anmutenden Welt kämpfen mächtige Adelsfamilien um die Herrschaft. Skrupellose Intrigen, brüchige Allianzen und komplizierte Familienbande stürzen den Kontinent Westeros in einen Bürgerkrieg. Und von außen drohen blutrünstige Mächte, Untote und feuerspeiende Drachen.

Das alles klingt zunächst einmal nicht besonders originell, sondern eher flachsinnig. Doch Millionen von Zuschauern sind fasziniert von dem bösen Märchen. "Thrones ist unsentimental und oft brutal. Es entwickelt sich auch zur fesselndsten Abenteuer-Serie für Erwachsene, die das Fernsehen seit ,Lost' produziert hat", schreibt das US-Magazin "Time".

Ab 13. Januar (20.15 Uhr) zeigt RTL II die vierte Staffel: Zehn Fortsetzungen à 60 Minuten. Und ab dem 12. April wird auf Sky die fünfte Staffel ausgestrahlt. Mittlerweile wurde die Serie des US-Kabelsenders HBO in über 80 Länder auf allen fünf Kontinenten verkauft. Doch was macht "Game of Thrones" so erfolgreich?


Eine unberechenbare Handlung


Es kommt immer anders, als man denkt. George R. R. Martin, der Autor der Romanvorlage "Das Lied von Eis und Feuer", hat die großen Themen Sex, Macht, Rache in epischer Breite abgehandelt. Über allem aber schwebt der Tod. Wirklich jede Figur in dieser Serie kann sterben. George R. R. Martin, der gegenwärtig an Band sechs und sieben arbeitet, erzählt, dass ihn schon Schauspieler der Serie händeringend gebeten hätten, ihren Charakter nicht umzubringen. Doch niemand kann sich seines fiktiven Lebens sicher sein. So gerät in Episode neun der dritten Staffel ("Der Regen von Castamaer") die sogenannte rote Hochzeit zu einem krassen Blutbad, Szenen, die selbst dem Autor große Pein bereitet haben.


Gewaltiges Fernsehen


So aufwändig war Fernsehen selten: Schauplätze, Kostüme, Kulissen und Spezialeffekte sind auf Kino-Niveau. Die Besetzung ist bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt. An jeder Staffel wirken über 250 Schauspieler mit. Es gibt konkurrierende Herrscher, Mätressen, Eunuchen, blutrünstige Lords, Ritter, Wilde und weiße Zombies. Manchmal fällt es schwer, sich bei bis zu 40 festen Charakteren und über 100 weiteren Nebenfiguren zurechtzufinden.

Der Linguist David J. Peterson hat sogar eine Kunstsprache mit 3.250 Wörtern und Zahlen entwickelt, die das Volk der Dothraki und ihr Anführer Khal Drogo in der Fernsehserie sprechen. Es gibt Begrüßungen wie "M'athchomaroon!" (Hallo!), Trinksprüche wie "Hajas!" (Sei stark!), Befehle wie "Azzohi haz khogare" (Stell das Fass ab) und Ausrufe wie "Vezh fin saja rhaesheseres vo zigereo adoroon shiqethi!" (Der Hengst, der die Welt unterwirft, braucht keine eisernen Ketten).

Bestechend sind auch die großartigen Kulissen und Landschaften. Gedreht wurde bislang in Nordirland, Irland, Schottland, Marrakesch, auf Malta und in Kroatien, wo zum Beispiel die Stadt Dubrovnik ab Staffel zwei der Drehort für Königsmund war. In der fünften Staffel soll auch in Sevilla und in der Kleinstadt Osuna in Andalusien gedreht werden.


Großartige Schauspieler


Lena Headey als intrigante Königsmutter Cersei Baratheon, die ein inzestuöses Verhältnis mit ihrem Bruder Jaime Lennister (Nikolaj Coster-Waldau) hat, Maisie Williams als Arya Stark, Kit Harington als tapferer Jon Schnee, Isaac Hempstead-Wright als querschnittsgelähmter Brandon Stark, Charles Dance als machtbesessenes Familienoberhaupt Tywin Lennister, Rory McCann als die Kampfmaschine Sandor "Bluthund" Clegane, Conleth Hill als intriganter Eunuch Lord Varys und Emilia Clarke als die ebenso schöne wie ehrgeizige Königin Daenerys Targaryen, die mit ihren drei Drachen und einem Sklavenheer vom Nachbarkontinent Essos aus ihr altes Königreich von Westeros zurück erobern will, spielen großartige Hauptrollen.

Sie alle werden aber von dem nur 1,35 Meter großen Peter Dinklage getoppt, der als zwergenwüchsiger Tyrion "Gnom" Lennister zwischen den Familien steht. Er liebt die Hure Shae, verkörpert von der deutschen Schauspielerin Sibel Kekilli. Ein Verhältnis, das wie die meisten dieser Serie, katastrophale Züge annimmt.

Und dann wäre da noch Jack Gleeson, der brillant den jungen sadistischen König Joffrey Baratheon darstellt. Gleeson spielte die Rolle so überzeugend, dass er danach wegen zahlreichen Anfeindungen und Drohungen seine Schauspielkarriere aufgab und lieber Philosophie und Alt-Hebräisch studierte.


Tolle Musik


Das geradezu magische musikalische Hauptthema von "Game of Thrones" stammt von Ramin Djawadi, Sohn eines Iraners und einer Deutschen, ein Zögling des berühmten deutschen Filmkomponisten und Oscarpreisträgers Hans Zimmer. Djawadis Musik ist derart einprägsam, dass sie wohl auch der Komponist von "Tannbach - Schicksal eines Dorfes" im Ohr hatte, als er die Titelmelodie des ZDF-Dreiteilers zu Papier brachte.