Für Sebastian Pufpaff sind Talks keine Diskussion

Was wir bereits wissen
An diesem Donnerstag ist Premiere für die "Kabarett WG" im Ersten. Einer der Bewohner ist Kabarettist Sebastian Pufpaff. Im Gespräch wirbt er für einen guten Streit.

München.. Das Erste baut den bunten Abend am Donnerstag aus. Auf dem Sendeplatz 22.45 Uhr startet am Donnerstag das neue Format „Dritter Stock links – Die Kabarett-WG“. Einer der drei Bewohner ist der rheinische Kabarettist Sebastian Pufpaff (38). Jürgen Overkott sprach mit ihm.

Sie haben erzählt, dass es im Familienkreis immer wieder engagierte Wortgefechte zwischen Borussen und Schalkern gibt. Fließt das in Kabarett-Programme ein?

Sebastian Pufpaff: Es gibt zwar schon mal Situationen, wo das Politische privat wird und ich das auf der Beziehungsebene erzähle. Aber im Familienkreis kriege ich in derartigen Situationen sofort den Spruch: Nur dass Du’s weißt – das hat auf der Bühne nix zu suchen.

Dennoch werden Sie manchmal ganz privat. Eines ihrer Programme fing mit Betrachtungen über Ihren Nachnamen an.

Sebastian Pufpaff: In meinem ersten Programm war das. Ich habe das gemacht, weil mich damals ganz viele Leute nicht kannten und sagten, das ist doch ein Künstlername. Na ja, mein Name lädt ja auch zum Lachen ein (kleine Pause) – warum nicht nutzen?

Wie sind Sie in das kabarettistische Gewerbe geraten?

Sebastian Pufpaff: Durch mein Politik-Studium. Mein Professor nahm mich irgendwann zur Seite und meinte, wenn Sie irgendwann Politik betreiben wollen, brauchen Sie ein Parteibuch. Und ich meinte, gibt es keine Alternative? Nee, sagte er, man muss eine Meinung haben. Damals habe ich schon mit zwei Freunden zusammen Studenten-Kabarett gemacht. Dafür habe ich einen Flyer gemacht, und den habe ich dem Professor hingelegt. Und da meinte er, okay, das ist das einzige, was neben einem Parteibuch auch funktioniert.

Sie machen Politik, lustige Version.

Sebastian Pufpaff: Apo mit Lachern.

Wobei in jüngster Zeit manchem Kabarettisten das Lachen vergangen ist.

Sebastian Pufpaff: Wir leben in heißen Zeiten.

Was darf denn nun die Satire?

Sebastian Pufpaff: Meinungsfreiheit ist eine sehr wichtige Komponente, gerade in einer Demokratie. Da gibt es einige Leute, die sagen, Satire darf alles, muss alles. Aber für mich ist es auch wichtig, Demut und Respekt zu zeigen. Das ist allerdings nicht, dass man duckmäuserisch sein sollte. Mir geht es eher darum, dass man kompromissfähig sein sollte.

Was heißt das?

Sebastian Pufpaff:Es gibt im Moment eine Menge von Hobby-Zynikern, die glauben, wenn sie einen Mohammed-Witz reißen, dann ist das schon Satire. Aber man muss wissen, es gibt gute Satire, und es gibt schlechte Satire.

Was ist denn gute?

Sebastian Pufpaff: Wenn dahinter eine Aussage steckt. Nehmen wir mal die Zeichnung von Charlie Hebdo, die zwei Bleistifte zeigt, auf die ein Flieger flog – das erinnerte an den 11. September, das war subtil, und das war eine Aussage. Provozieren um des Provozierens willen – das ist kaum mehr als Pose, das ist oberflächlich. Provokateuren kann man nur sagen, ganz im Sinn von Dieter Nuhr: Wenn Du nichts zu sagen hast, kannst Du ruhig die Klappe halten.

Sie selbst wollen das exakte Gegenteil tun: Sie reißen nämlich die Klappe auf – in der Kabarett-WG. Was haben Sie vor?

Sebastian Pufpaff: (scherzhafter Ton) Wir wollen natürlich das Kabarett-Rad neu erfinden. Thomas Lienenlüke und ich hatten die Idee dazu. Wir wollen jenseits des Schlagzeilen-Kabaretts noch eine private Ebene aufmachen. Maike Kühl ist meine Spielpartnerin, wir sind verheiratet, sie ist Politikerin, und ich bin Kabarettist.

Dann sind Sie natürliche Feinde.

Sebastian Pufpaff: Im Studium hatten wir dasselbe Ziel: Komm, wir wollen die Welt verändern und betreten den Weg zur Macht. Sie auf dem Weg der Politik, ich auf dem Weg des Kabaretts. Dazu kommt, als Halbbruder, Hannes Ringlstetter. Er ist so etwas wie der Störenfried, der Mann aus dem Volk, er provoziert auch mal. Dazu kommt dann eben auch noch die private Ebenen, wo Themen angesprochen werden wie: Ende 30 – und immer noch keine Kinder. Wir können tagesaktuelle Politik machen, und wir können dem Volk aufs Maul schauen.

Die Figuren-Konstellation sieht so aus, als gäbe es immer wieder Zoff.

Sebastian Pufpaff: Streit ist inzwischen negativ belegt. Aber aus einem guten Streit kann ein Konsens hervorgehen.

Streit kann ein reinigendes Gewitter sein.

Sebastian Pufpaff: Genau. Was wir durch Anne Will & Co. vorgelebt kriegen, ist doch keine Diskussion. Das ist doch nur ein Austausch von Fakten und Positionen. Da haben wir mit „3. Stock links. Die Kabarett-WG“ die Möglichkeit dazustellen, dass sich eine Meinung auch ändern kann. Das ist der Vorteil unserer WG im Gegensatz zum normalen Kabarett, wo ein Spaß-Demagoge rausgeht und seine Meinung unters Volk bringt.

Sie fangen da an, wo „Zimmer frei!“ aufhört.

Sebastian Pufpaff: Unsere Sendung ist ein Mix aus vielen Formaten. Wir wollen auch Gäste aus der Politik dabei haben. Unser Ziel ist, dass nach der ersten Staffel jedweder Gast erscheinen kann – Gysi, Seehofer oder wie die kabarettaffinen Politiker auch immer heißen mögen. Auch Leute aus der Wirtschaft sind uns willkommen, selbst ein Anhänger von Pegida, wenn er sich traut. Theoretisch können wir dann alles machen, aber jetzt müssen wir das Baby erst mal zum Laufen bringen.