Für eine Schule für alle
08.07.2010 | 17:19 Uhr 2010-07-08T17:19:00+0200
Essen. Auf den ersten Blick wirkt Paula Klattenhoff fast zerbrechlich. Sie ist schmal, ungeschminkt, das lange blonde Haar ist hochgesteckt, ein paar Strähnchen fallen ihr ins Gesicht. Die 17-Jährige spricht leise, aber sehr deutlich. Dass sie in Museen und Theatern – ihre großen Leidenschaften – heimisch ist, kann man sich blendend vorstellen. Aber im Vorstand der Landes-Schülervertretung, eine von acht Sprechern für die mehr als eine Million Schüler in den weiterführenden Schulen des Landes?
Genau das ist sie. Die Zwölftklässlerin lernt am katholischen Mädchengymnasium B.M.V. in Essen, mit Kunst und Französisch als Leistungskursen. Politik und Sozialwissenschaften? Fehlanzeige in ihrem Stundenplan.
Doch so feinsinnig und sanftmütig die 17-Jährige auch wirken mag: Wo es schulpolitisch lang gehen sollte, davon hat sie eine sehr klare Vorstellung. Eine Schule für alle will sie, verpflichtend, ohne Hintertürchen wie beim Hamburger Modell, inklusive Menschen mit Behinderungen, und zwar im Ganztagsunterricht. Weil alle von allen profitieren können, betont Paula.
Dass sie selbst und ihre beiden Brüder auf ein Gymnasium gehen, obwohl sie für eine Schule für alle plädiert, sieht sie nicht als Widerspruch: „Wir haben alle auf einem französischen Gymnasium in München begonnen, wo man vom Kindergarten an auf Deutsch und Französisch unterrichtet wurde. diese zweisprachige Erziehung gab es halt nur am Gymnasium.”
Beim Thema Schulpolitik werden ihre Gesichtszüge gleich resoluter. „Die ganzen Leistungstests wie Zentrale Abschlussprüfungen: Die sind doch nur für die Wirtschaft eingeführt worden. Und dann noch die Kopfnoten: Da brauchen die Unternehmen sich gar nicht mehr selbst mit den Bewerbern zu befassen. Sie gucken nur auf die Noten, nicht auf die Menschen.“
Kopfnoten, Leistungsdruck, Elitenbildung: Das waren auch die Themen, die sie selbst in die Schülervertretung gebracht haben. Erst vor einem Jahr, beim Bildungsstreik hat sie mit der Arbeit in der SV angefangen. Damals hat sie den Bildungsstreik vor Ort mit organisiert, wurde in den Bezirksvorstand gewählt.
Wie man vom katholischen Mädchengymnasium zum Bildungsstreik gegen Leistungsdruck kommt? „Bei uns an der Schule werden die christlichen Werte wirklich gelebt. Da wird gefördert, sich gekümmert, wenn jemand Bedarf hat. Aber das ist ja nicht überall so. In Klassen mit 30 Schülern geht das auch kaum. Das muss sich ändern.“ Außerdem fände sie es unerträglich, dass in Deutschland viel zu sehr die Herkunft die Chancen von Heranwachsenden bestimmt. „Das ist viel schlimmer als in anderen Ländern in Europa.“
Nach dem Abitur in gut einem Jahr will Paula auf jeden Fall ein freiwilliges soziales Jahr machen, am liebsten was mit kultureller Bildung für Jugendliche, vorzugsweise in einem französischsprachigen Land in Afrika, Kamerun etwa. „Keine Hochkultur, sondern richtig an der Basis.“
Aufwendige Basisarbeit
Auf Basisarbeit möchte sie sich auch in der Landesschülervertretung konzentrieren. Wer wofür im neuen Vorstand zuständig ist, wird allerdings erst später entschieden. Basisarbeit: Das ist aufwendig. „Täglich E-Mails lesen, Fragen vom Kummerkasten auf der Homepage beantworten, jeden Monat Vorstandstreffen, Delegiertenkonferenzen: Da kommt schon einiges an Zeit zusammen. Ich sitze oft noch nachts um zwei an den Mails.“ Noch ist es ihr nicht zuviel, sie hofft, das auch im Abitur durchziehen zu können. Und danach soll es ja ohnehin erst mal nach Afrika gehen.
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Die Tests und Kopfnoten sind nur für die Wirtschaft gemacht! Wer hat denn dem armen Mädchen beigebracht, dass alle Leute für sie arbeiten und Steuern bezahlen damit sie zu ihrem Vergnügen lernen kann. Du lernst, damit du später dein Auskommen hast (meistens in der Wirtschaft) und Steuern bezahlst damit Kinder wieder lernen können.