ZDF-Büchersendung
Friedfertige Amelie beerbt aufsässige Elke
11.02.2009 | 00:52 Uhr 2009-02-11T00:52:00+0100Dortmund. Die Nachfolge von Elke Heidenreich („Lesen!”) beim ZDF ist geklärt. TV-Moderatorin Amelie Fried (50) und Literaturkritiker Ijoma Mangold (37) beerben die beim Zweiten in Ungnade gefallenene Buch-Expertin.
Amelie Fried erfüllt dieselben Kriterien wie ihre meinungsfreudige Vorgängerin. Die 50-jährige Verleger-Tochter aus Ulm machte als TV-Moderatorin wie als Buchautorin von sich reden.
Ihr Kollege Ijoma Mangold hingegen gibt den intellektuellen jungen Wilden. Bisher arbeitet der Literaturkritiker, Jahrgang 1971, für die „Süddeutsche Zeitung”, im April dieses Jahres wechselt er in selber Funktion zur „Zeit”. Zudem sitzt der gebürtige Heidelberger in angesehenen Literatur-Jurys. Verdienste erwirbt sich Mangold gerade mit einer Gastprofessur für Literatur in Göttingen.
ZDF-Kulturchef Peter Arens schwärmte auf Anfrage der WR, das Duo sei „die ideale Kombination”. Er glaubt, die neue Sendung biete eine Quersumme aus „Lesen!” und dem „Literarischen Quartett” mit Buch-Kritiker Marcel Reich-Ranicki, der in der Branche als poltrig gilt.
Unrühmliches Kapitel mit gutem Ende
Damit hat ein unrühmliches Kapitel der deutschen TV-Geschichte ein gutes Ende gefunden. Zur Erinnerung: Reich-Ranicki hatte im vorigen Herbst die Gala zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises zum Anlass genommen, das Medium Fernsehen grundsätzlich zu verdammen. Heidenreich, mit dem Donnergott unter den Kritikern befreundet, sekundierte nicht nur. Vielmehr bezog sie Reich-Ranickis Brandrede ausdrücklich auf das Zweite – ihren Arbeitgeber.
Intendant Markus Schächter und Programmchef Thomas Bellut mochten Heidenreichs durchaus persönlich gefärbte Angriffe nicht tatenlos hinnehmen – und setzten die aufsässige Literatur-Expertin und Autorin postwendend vor die Tür.
Nun sollen Fried und Mangold die belesene Kundschaft des öffentlich-rechtlichen Senders aus Mainz betreuen.
Kontroversen erwünscht
Das Duo will vor allem schöngeistige Bücher vorstellen – und einen prominenten Gast. Geplant sei aber auch, Jugend-Schmöker und Sachbücher präsentieren, heiß es.
Fried zur WR: „Ich mag Literatur, die meinen Kopf beschäftigt, mich aber auch emotional erreicht.” Sie werde mit ihrem Bücher-Partner Mangold „ein interessantes Team abgeben”. Über ihre eigene Rolle sagte Fried: „Ich sehe mich in der Sendung als jemand, der Orientierung geben will, Meinung vertritt und – gerne auch kontrovers – mit den Teilnehmern der Sendung diskutiert. Das Blitzen und Donnern überlasse ich gerne anderen.”
Und Elke Heidenreich? Die Wahl-Kölnerin verlegte ihre Aktivitäten zwischenzeitlich ins Internet. Seither stellt sie auf der Seite www.litcolony.de ihre Bücher unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor. Mit Glück wird ihre Seite von mehr als 10 000 Lesern besucht. Beim ZDF zählte Heidenreich ihr Publikum nach Millionen.
08:58
Die Überschrift sagt doch alles. Da hat das ZDF ja wieder mal ne rentnerfreundliche, glattgebügelte Sendung geschaffen. N ix gegen Rentner, aber alles gegen die GEZ!