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Fernsehfilm

Frau und Geliebte, Haus und Kind

07.10.2009 | 07:15 Uhr
Frau und Geliebte, Haus und Kind

Essen. Ein schönes Akademikerpaar im besten Alter, gespielt vom diskret unfrohen Stefan Kurt und Marie Bäumer, was will das haben, um das Glück perfekt zu machen? Natürlich "Haus und Kind". Wären da nicht die kleinen Grausamkeiten zwischen Mann und Frau, die dem Projekt im Wege stehn.

Das Paar wird bürgerlich. Es stromert zwecks Berlin-Entstressung über ein Feld und verliebt sich in einen Hof. Es versucht zudem, sich fortzupflanzen – es will „Haus und Kind” (Mittwoch, ARD, 20.15 Uhr). So lautet der Titel eines Fernsehspiels, das so unaufgeregt daherkommt, so behutsam in seiner Dramaturgie, so fein in den Darstellernuancen, so unaufdringlich im episodenhaften Erzählen – fast ist es mutig, dass die ARD damit in die Hauptsendeschiene geht.

Bernd Neubauer (Stefan Kurt) hat eine kluge, wunderschöne Frau. Sie heißt Lena (Marie Bäumer), und wie er sie so ansieht und ihr sagt, wie glücklich er mit ihr ist, da glaubt man es ihm sehr. Aber Bernd schläft zu unserem unerheblichen Unverständnis mit einer plumpen, blonden Bar-Bedienung. Die ist 25, er kauft ihr Brötchen, sie haben Sex. Zuhause erzählt er, er gehe neuerdings schwimmen. Das ist das wahre Leben.

Grausamkeiten zwischen Mann und Frau

Das wahre Leben ist aber auch, dass Bernd und Lena einer schrulligen Ossi-Frau namens Maschke ihr Gut abschwatzen, treuherzig einziehen, und dass es für Bernd immer so weiter gehen könnte mit Berlin und dem Land, mit der Lüge vom Schwimmen, mit den Brötchen der Anderen und daheim mit Lena.

Andreas Kleinert hat aus Wolfgang Kohlhaases Drehbuch einen Film gemacht, der die Grausamkeiten zwischen Mann und Frau beängstigend gelassen beschreibt. Wie sich das falsche Leben ins richtige einschleicht, wie aus dem großen Glück ein herzlos gemischtes Doppel wird, wenn die Gelegenheit nur günstig ist, das erzählt Kleinert in wunderbar komponierten Dramoletten. „Haus und Kind” ist ein intimer Film aus unausgesprochener Trauer, gehauchter Komik und stets leicht verspäteten kleinen Bosheiten.

Kleinert verfügt über Darsteller von minimalistischer Meisterschaft. Wie diskret unfroh Stefan Kurt noch die lustvollsten Momente seiner Figur zeichnet, wie rührend das wunschreiche Unglück einer Lena sich in Marie Bäumers Augen einnistet – das ist rares Menschenkino im Ersten.

Lars von der Gönna

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