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Interview

Frau Reitz, hätte die ARD bei der Degeto früher eingreifen müssen?

29.09.2011 | 19:07 Uhr
Frau Reitz, hätte die ARD bei der Degeto früher eingreifen müssen?
Degeto-Geschäftsfüherin Bettina Reitz. Foto: dapd

Frankfurt.   Die ARD-Filmtochter Degeto hat ihr Budget bereits jetzt bis 2013 verplant. Das Vorgehen irritiert das Erste. Die neue Chefin Bettina Reitz tritt unterdessen die Flucht nach vorn an.

Die ARD-Filmtochter Degeto hat bereits jetzt ihr Geld bis 2013 verplant. Freie TV-Produzenten erhalten weniger Aufträge. Jetzt versucht Degeto-Chefin Bettina Reitz den Schaden zu begrenzen.

Was bedeutet Überproduktion?

Überproduktion bedeutet über mehr Programm zu verfügen, als man senden kann. Insofern ist es falsch bei der aktuellen Situation der Degeto von einer Überproduktion zu sprechen, da die Degeto in der Lage ist, ihren Programmvorrat auch zu senden. Richtig ist, dass der Programmvorrat der Freitagsfilme bis in das Jahr 2013 reicht.

Wie viele Filme, Mehrteiler und Serien produziert die Degeto üblicherweise selbst, wie viel Material kauft sie ein?

Die Degeto produziert im Schnitt jährlich ca. 60 Filme inkl. Mehrteiler. Sie finanziert 2 Daylies und mitfinanziert 2 Hauptabendserien. Lizenzkäufe belaufen sich auf durchschnittlich ca. 165 Filme pro Jahr.

In der Periode 2009 bis 2012 standen der Degeto insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Um viel Euro hat das Unternehmen überzogen?

Dieser Mehrjahres-Etat suggeriert, dass die Degeto ca. 400 Mio. Filmbeschaffungs-Etat pro Jahr hätte. Das ist nicht der Fall. Viele Gelder sind für das Gemeinschafts- bzw. Vorabendprogramm gebunden. Der Produktions-Etat beläuft sich pro Jahr auf ca. 90 Mio. Da die Degeto über eine mittelfristige Finanzplanung verfügt, kann sie grundsätzlich auch flexibler über ein Jahr hinaus planen und produzieren. Der genaue Vorgriff auf die Etats 2012 und 2013 wird durch die Prüfungskommission analysiert.

Warum kam es zur Überproduktion?

Das hohe Programmvermögen wird aktuell durch die Prüfung der Untersuchungskommission unter Vorsitz des HR-Intendanten, Dr. Helmut Reitze, analysiert.

Ist Überproduktion regelkonform?

Eine flexiblere Planung ist der Degeto möglich, da sie über eine mittelfristige Finanzplanung verfügt. Ob es im aktuellen Fall zu Regelverstößen gekommen ist, wird die Prüfung ergeben.

Wussten die ARD-Vertreter in den Degeto-Aufsichtsgremien von der Überproduktion?

Sie wurden von der Geschäftsführung in der Aufsichtsrat- und Gesellschafterversammlung am 12. September 2011 darüber informiert.

Hätten sie eingreifen müssen?

Sie haben eingegriffen, in dem sie die Prüfungskommission einberufen haben.

Hat der Fall personelle und/oder organisatorische Konsequenzen innerhalb der Degeto?

Das wird sich ebenfalls aus dem Ergebnis der Prüfungskommission ergeben.

Welche Folgen hat die Überproduktion für freie Produktionsfirmen, Regisseure, Schauspieler etc.? Werden die Honorare gesenkt?

Aktuell gibt es zwar weniger Aufträge, aber keinen Produktionsstopp und die Konditionen bleiben gleich.

Was merken die Zuschauer von der Überproduktion?

Da ich davon ausgehe, dass wir mit einem ausgewogenen Krisenmanagement die Situation zeitnah beruhigen werden, könnte der Zuschauer im besten Fall sogar durch mehr Vielfalt im Programm profitieren.

 

Jürgen Overkott

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2011-09-29 19:07
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