Flammen über Berlin: Kampf ums Überleben
20.05.2007 | 05:00 Uhr 2007-05-20T05:00:15+0200ProSieben hat bereits einen Tsunami über Sylt und einen Tornado über Berlin fegen lassen, diesmal bietet es eine Art Kammerspiel: "Das Inferno - Flammen über Berlin" (heute, 20.15 Uhr) handelt vom Überlebenskampf der Eingeschlossenen auf dem Ber
Dicker Rauch quillt aus der Kugel des Fernsehturms am Alexanderplatz - ein starkes Bild, natürlich künstlich am Computer erzeugt. Jährlich 1,2 Millionen Menschen fahren die Aufzüge auf die 203 Meter hohe Aussichtsplattform des Berliner Wahrzeichens hoch. Insofern ist der Schauplatz für den Katastrophenfilm clever gewählt. Die Vorstellung, dass dort oben Feuer ausbrechen könnte, ist beunruhigend genug, um beim Publikum Neugier und Nervenkitzel zu erzeugen.
Keine Film-Katastrophe ohne menschliche Verwicklungen: Die Tochter von Branddirektor Horst Strasser (Klaus J. Behrendt) arbeitet als Aushilfskellnerin im Restaurant des Fernsehturms. Katja (Silke Bodenbender) war bis vor kurzem mit Feuerwehrmann Tom (Stephan Luca) liiert, der jedoch bei einem gemeinsamen Einsatz den Tod von Katjas Bruder verschuldet haben soll. Tom verlor daraufhin seinen Job und fährt nun Taxi.
Man ahnt früh, worauf das hinausläuft: Als Tom den brennenden Turm sieht, biegt er trotz eiligen Fahrgasts kurzerhand ab, um zu helfen. Strasser, der ihn für den Tod seines Sohns verantwortlich macht, findet die Idee gar nicht gut: "Schaff den Zivilisten hier weg", schnauzt er. Doch Tom schmuggelt sich in den Turm und wird - auch das ist keine Überraschung - neben Strasser und Zugführer Henning (Christian Kahrmann) die entscheidende Rolle bei dem Einsatz spielen.
Diese Schicksalsgeschichten kommen leider über Genre-Routine nicht hinaus, sind vorhersehbar und nehmen deshalb Spannung aus dem Film. Zuweilen wird es auch unfreiwillig komisch, wenn sich während der dramatischen Rettung, bei der es auf jede Sekunde ankommt, noch Zeit findet für ein melodramatisches Kurzgespräch über die alte Schuld, über Vergebung, Freundschaft und Liebe. "Tatort"-Kommissar Behrendt und Bodenbender haben schon anspruchsvollere Dialoge gesprochen. Durchweg logisch geht es auch nicht zu: Die Menschen rennen von der Rettungsplattfom zurück ins Innere, wieder näher an den Brandherd. Und dass sich die Eingeschlossenen mit ein paar Wasserflaschen das Feuer stundenlang vom Leib halten, obwohl es bereits mehrere Etagen verwüstet hat, erscheint doch sehr gewagt. Auch den Rauch ertragen die Menschen erstaunlich lange.
Effektvolle Katastrophenbilder
Davon abgesehen, halten Drehbuchautor Frank Raki und Regisseur Rainer Matsutani die Spannung hoch. Sie drehen die Katastrophen-Schraube effektvoll weiter: Aufzüge stürzen ab, das Treppenhaus wird verschüttet, am Ende droht gar die 4800 Tonnen schwere Kugel zu bersten und den ganzen Turm mit in die Tiefe zu reißen. Durchaus eindrucksvoll auch die zahlreichen Feuer-Szenen, die natürlich nicht im echten Fernsehturm gedreht wurden. In Litauen wurde die Besucheretage nachgebaut und abgefackelt. Als Action-Reißer ohne Tiefgang erzielt "Das Inferno", produziert von den Oscar-Gewinnern Max Wiedemann und Quirin Berg ("Das Leben der anderen"), die gewünschte Wirkung und wurde bereits in 30 Länder verkauft. Seinen Anteil daran hat auch der Berliner Fernsehturm, der gewissermaßen als Hauptdarsteller eine gute Figur macht. Ein Szenario wie im Film wäre übrigens in der Realität nicht möglich: Zugseile, die reißen könnten, hat die Stahlbetonkonstruktion nicht.
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