Finger weg vom „Tatort“!

Medienpolitiker kritisieren den "Tatort" mit Mehmet Kurtulus (m.) in der Hauptrolle.
Medienpolitiker kritisieren den "Tatort" mit Mehmet Kurtulus (m.) in der Hauptrolle.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Der jüngste Tatort "Weg ins Paradies" sorgt für Empörung unter Medienpolitikern. Sie kritisieren die im Krimi gezeigte Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und dem syrischen Geheimdienst. In die künstlerische Freheit von Drehbüchern sollten sich Politiker aber nicht einmischen. Ein Kommentar.

Essen.. Der deutsche und der syrische Geheimdienst als Partner? Da ist die politische Empörung über den „Tatort“ vom letzten Sonntag programmiert. Und selbst, wenn diesmal auch ein FDP-Hinterbänkler wettert und sich zur Aufforderung versteigt, die Folge dürfe nicht wiederholt werden: Die CSU marschiert vorneweg. Sie hat Tradition darin, Fernsehzuschauer zu bevormunden.

Schwach ist, der so reagiert

Ihr Haussender, der Bayerische Rundfunk, klinkte sich 1973 aus dem gemeinsamen Programm der ARD aus, als die den Film ausstrahlte „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Ein schwuler Kuss aus der „Lindenstraße“ war den bayerischen Tugendwächtern noch 17 Jahre später zu heikel, und Hildebrandts Kabarett „Scheibenwischer“ blinkte ihnen zu oft links. Unlängst verbannte der BR einen spektakulären „Polizeiruf“ ins Spätprogramm, in der ersten Begründung blamierten sich Verantwortliche mit der Behauptung, der Staat werde als schwach dargestellt, das könne man Jugendlichen so nicht zeigen.

Schwach ist der, der so reagiert. Wo Grenzen der Würde im Fernsehen fallen, ist die Politik gefragt. In den künstlerischen Freiheiten von Drehbüchern hat sie nichts verloren.